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Meine Stadt Radverkehr: So will Hannover 25 Prozent schaffen
Hannover Meine Stadt Radverkehr: So will Hannover 25 Prozent schaffen
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17:18 27.03.2019
Im Aufwind: Die Stadt hat an ihren Zählstellen deutlich mehr Radverkehr gemessen. Um dessen Anteil aber auf 25 Prozent zu steigern, will sie weiter investieren. Quelle: Behrens
Hannover

Null Prozent Zuwachs beim Radverkehr im Vergleich zu 2011: Aktuelle Zahlen des Bundes zur Entwicklung der verschiedenen Verkehrsmittel hatten im November in Hannover für Ernüchterung gesorgt. Die Stadt sieht den Radverkehr dennoch im Aufwind. Am Mittwoch erklärte Stadtbaurat Uwe Bodemann, wie er diesen in den nächsten zwei Jahren weiter voranbringen will. An den Zählstationen, die die Stadt aufgestellt hat, habe man 2017/2018 im Vergleich zu 2016/2017 schon einen Anstieg der Radfahrer um rund zehn Prozent gemessen. Ein Trend, der sich auch in den ersten Monaten 2019 bestätige.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Bodemann. Ziel sei weiterhin, bis 2025 einen Radverkehrsanteil von 25 Prozent zu schaffen. Dafür will die Stadt 2019 und 2020 auch mehr Geld ausgeben. In den vergangenen Jahren waren für den Radverkehr jeweils drei bis vier Millionen Euro vorgesehen gewesen. Diese Summe soll nun auf mehr als fünf Millionen Euro aufgestockt werden.

Radverkehrs-Investitionen: In Deutschland oben mit dabei

Das ist zwar immer noch deutlich weniger als die rund 55 Millionen Euro, die die Stadt für Umbau, Neubau und Instandhaltung von Straßen jährlich ausgibt. Allerdings wird die Stadt künftig rund zehn Euro pro Einwohner in den Radverkehr investieren. „Damit sind wir deutschlandweit oben mit dabei“, sagte Kai Kaminski, der Leiter des Bereichs Koordinierung und Verkehr bei der Stadt.

Zum Vergleich: Laut dem Portal Statista gab Hamburg in 2018 nur 2,80 Euro pro Einwohner für den Radverkehr aus, München sogar nur 2,30 Euro. In Stuttgart waren es fünf Euro, in Berlin 4,70 Euro. Mit zehn Euro pro Einwohner würde Hannover fast das Niveau von Amsterdam erreichen. Die Radfahrer-Hochburg gab 2018 elf Euro aus. Kopenhagen sogar 35,60 Euro.

Bodemann will Ärmel hochkrempeln

Stadtbaurat Uwe Bodemann macht keinen Hehl daraus, dass Hannover „die Arme nochmal hochkrempeln“ muss, um das Ziel von 25 Prozent Radverkehrsanteil bis 2025 zu erreichen. Seit 2015 habe man zwar schon 300 von 500 Schwachstellen beseitigt, die 2015 identifiziert wurden. Das allerdings seien oft kleinere Maßnahmen gewesen, die einfacher umzusetzen waren. „Nun wird es etwas dorniger und teurer“, kündigte Bodemann an.

Noch im Herbst starten soll der Bau des Radschnellwegs Richtung Lehrte. Für weitere Radschnellwege nach Garbsen und Langenhagen sollen zusammen mit der Region die Planungen vorangetrieben werden. Größere Projekte in diesem Jahr sind der Ausbau der Radwege an der Bornumer Straße, am Kugelfangtrift sowie an der Straße Sahlkamp. Verbreitert und asphaltiert werden soll auch das Wolfgang-Besemer-Ufer an der Ihme.

Zusammen mit dem Radfahrerclub ADFC sollen auch die Planungen für Velorouten beginnen, mit denen sämtliche Stadtbezirke besser vernetzt werden sollen. Die Stadt will dazu ein Ingenieurbüro ins Boot holen. Die Ausschreibung dafür steht bevor. Noch in diesem Jahr soll ein Konzept vorliegen. „Es geht jetzt mit Macht los“, verspricht Kai Kaminski.

Neue Stellplätze am Hauptbahnhof

Nicht nur gute Wege werden für den Radverkehr benötigt, um dessen Attraktivität zu steigern. Die Stadt will auch deutlich mehr sichere und überdachte Abstellplätze für Fahrräder schaffen. Vor allem am Hauptbahnhof gibt es dafür Bedarf. Die Fahrrad-Parkhäuser an der Fernroderstraße mit knapp 400 Plätzen sowie an der Rundestraße mit 250 Plätzen sind fast voll. Noch in diesem Jahr soll die Station an der Rundestraße um weitere 250 Plätze aufgestockt werden, indem eine weitere Decke eingezogen wird.

Darüber hinaus sucht die Stadt allerdings schon nach weiteren Optionen, weil sie davon ausgeht, dass auch diese zusätzlichen Plätze nicht ausreichen werden. An der Rundestraße hat sie weiteres Potenzial ausgemacht. „Bis zu 800 Abstellplätze für Fahrräder“ könnten gegenüber der Sparkasse am Raschplatz entstehen, berichtet Kai Kaminski, Leiter des Bereichs Koordinierung und Verkehr in der Bauverwaltung.

Derzeit wird der Bereich noch für Kurzparken am Hauptbahnhof genutzt. Das Areal hätte den Vorteil, dass es bereits überdacht ist und für einen Umbau geringere Kosten anfielen. Je nachdem wie sich die Nachfrage nach Stellplätzen entwickelt, könnte dort ein neues Fahrradparkhaus Schritt für Schritt ausgebaut werden. Parallel sucht die Stadt nach weiteren Stellplätzen im Umfeld des Hauptbahnhofs. Auch der Bunker unter dem Hauptbahnhof könnte dafür in Frage kommen. „Wir wollen vorbereitet sein“, sagt Kaminski.

Darüber hinaus will die Stadt in der Innenstadt aber auch an Veranstaltungsorten weitere Fahrradbügel aufstellen, pro Jahr 800 bis 1000. Außerdem sollen in Wohnvierteln zehn kleine Parkhäuser für Fahrräder entstehen, damit diese sicher und überdacht abgestellt werden können.

Der ADFC drängt auf die schnelle Umsetzung der Velorouten. Der Verein hatte die Idee dafür entwickelt. „Wir brauchen durchgehende Verbindungen aus den Stadtteilen ins Zentrum“, fordert Eberhard Röhrig-van der Meer, Sprecher des ADFC Hannover. Die Aufstockung der Investitionen sei zwar „ein Schritt in die richtige Richtung“. Allerdings müsse die Verwaltung „öfter mal sagen: hier hat jetzt mal der Radverkehr Priorität“, so Röhrig-van der Meer.

Verbessert werden soll auch die Werbung für den Radverkehr. Nicht nur beim verkaufsoffenen Sonntag in dieser Woche, der unter dem Motto „Lust auf Fahrrad“ steht. Die Stadt will sich auch für mehr Fairness sowie für Sicherheit im Radverkehr einsetzen.

Von Christian Bohnenkamp