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Meine Stadt Radprofessorin: Das muss Hannover besser machen
Hannover Meine Stadt Radprofessorin: Das muss Hannover besser machen
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15:28 29.03.2019
Kennt sich aus: Ineke Spapé ist Radprofessorin an der Universität Breda. Im Alten Rathaus erklärte sie, was Niedersachsen und Hannover besser machen können, um den Radverkehr voranzubringen. Quelle: Herzog/AGFK
Hannover

Welchen Stellenwert der Radverkehr in den Niederlanden genießt, belegt schon der Titel, mit dem sich Ineke Spapé vorstellt. „Radprofessorin“ nennt sie sich. Beim Polittalk am Donnerstag, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen (AGFK) in Hannovers Altes Rathaus geladen hatte, machte die Expertin der Universität Breda deutlich, welch weiten Weg Hannover und Niedersachsen noch vor sich haben, um auch wirklich fahrradfreundlich zu werden.

„Auf Augenhöhe mit dem SUV“ hatte die AGFK als Motto vorgegeben. In den Niederlanden sind sie da schon einen großen Schritt weiter. Dort hat der Radverkehr die Nase vorn. Zwar feiert sich Hannover aktuell dafür, dass es nun jährlich pro Kopf fast genau so viel in den Radverkehr investiere wie Amsterdam. Solche Vergleiche sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Und in den Niederlanden fließen schon seit Jahrzehnten riesige Summen in den Ausbau der Radinfrastruktur. Allein für Radschnellwege soll rund eine Milliarde Euro ausgegeben werden, berichtete Spapé und stellte zugleich klar: „Es ist immer noch zu wenig“.

In Groningen müssen Autos außen rum

Für die Professorin ist der Umgang mit dem Radverkehr „vor allem eine Frage des Respekts“. Respekt, der sich ganz konkret im Planen und Handeln ausdrückt. „Honig für den Radverkehr, Essig für die Autos“ – so sieht es Spapé. Wie das geht, kann man in Groningen beobachten. Fahrradstadt Nummer eins in den Niederlanden, mit einem Anteil am Gesamtverkehr von 61 Prozent. Dort hätten die Verantwortlichen die Stadt in „vier Kuchenstücke aufgeteilt“. Für Fahrradfahrer gebe es direkte Verbindungen dazwischen. Autofahrer müssten den Weg außen rum nehmen, berichtete Spapé.

Den KFZ-Verkehr aussperren? In Hannover provozieren solche Vorschläge gleich scharfen Protest von Industrie- und Handelskammer sowie der Citygemeinschaft, die den Untergang des Innenstadthandels befürchten. Laut Spapé eine unbegründete Sorge: „Die Geschäfte in Groningen sind immer noch da. Sie sind nicht weggegangen. Das Gegenteil ist der Fall“, versicherte sie.

SO MACHT RADFAHREN SPASS: Die für Radfahrer und Fußgänger gebaute Moreelse Brücke in Utrecht. Quelle: cepezed/Architekturmuseum

„Spaß“ müsse der Radverkehr machen. So wie in Utrecht, wo sich eine breite Brücke für den Radverkehr über einen Kanal spannt und der Weg anschließend spektakulär über das Dach einer Grundschule und weiter durch einen Park führt. In Hannover hingegen gibt es aktuell kein Geld, um auf der Strecke des ersten Radschnellwegs Richtung Lehrte eine viel zu schmale Brücke über den Messeschnellweg zu verbreitern.

Osnabrücks Stadtbaurat: Sind in Deutschland zu steif

„Wir brauchen einen enormen Schritt nach vorn“, forderte Frank Otte, Vorsitzender der AGFK und Stadtbaurat in Osnabrück. Dort habe man nun angefangen, auch drei Meter breite Radwege zu bauen. Eine „ganz andere Infrastruktur“ werde benötigt, damit es auch für Lastenräder und schnelle E-Bikes genügend Platz gebe.

Otte setzt sich auch für „mehr Experimentierfreude“ ein. „In Deutschland sind wir oft etwas steif“, kritisierte er. Ein sicherer Radweg an einer Straße ließe sich schnell und günstig mit Farbe markieren und mit Pollern absperren. „Wenn es nicht klappt, kann man es ja wieder rückgängig machen“, schlug der Stadtbaurat vor.

Die Botschaft, dass mehr passieren muss, scheint bei der Politik angekommen zu sein. „Wir haben in den letzten Jahren viel gemacht, aber um Augenhöhe mit den Autofahrern zu erreichen, reicht das nicht“, gibt Stefan Klein zu, der verkehrspolitische Sprecher der SPD im Land. Karsten Heineking von der CDU sieht aber vor allem die Kommunen und Landkreise in der Pflicht. „Selber machen“, lautet sein Ansatz. Das Land könne nur Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Hannover: Schmiedestraße sperren und mehr Fahrradstraßen?

Jörg Bode (FDP) war früher selbst Verkehrsminister in Niedersachsen. Er weiß: „Wir müssen planerisch einiges verändern, damit es Gleichberechtigung gibt“. Wichtig sei, nicht nur bei Spatenstichen den Bau neuer Radwege zu feiern, sondern auch genügend Geld für deren Erhalt zur Verfügung zu stellen.

„Es mangelt am Gestaltungswillen“, kritisierte Detlev Schulz-Hendel, Verkehrsexperte der grünen Landtagsfraktion. In Niedersachsen gebe es weiterhin eine „massive Dominanz des Autoverkehrs. Er plädierte dafür, „im Ernstfall dem Auto eine Fahrspur zu entziehen“.

Weniger Autos bedeute auch mehr Sicherheit, argumentierte Radprofessorin Spapé. Sie hatte auch Ideen, wo Hannover etwas ändern könne. „Ich würde die Schmiedestraße sperren für den Autoverkehr“, schlug sie vor, außerdem quer durch den Innenstadtbereich ein paar Fahrradstraßen zu legen. Es sei wichtig, „deutlich zu machen, welche Flächen dem Radverkehr gehören“.

Von Christian Bohnenkamp

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