Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Radfahrer demonstrieren für Auto-Sperre in Fahrradstraße
Hannover Meine Stadt Radfahrer demonstrieren für Auto-Sperre in Fahrradstraße
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:24 02.11.2019
Radfahrer und Anwohner haben in einer Fahrradstraße in Hannover für den Erhalt der Durchfahrtssperren demonstriert. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Ring, Ring – mit einem lauten Klingelgewitter ging es los. Rund 250 Radfahrer sind am Samstag die Straße Am Grünen Hagen rauf und runter gefahren – aus Protest. Sie und einige Anwohner wollen, dass die Fahrradstraße in ihrer Mitte weiterhin für den Autoverkehr gesperrt wird. Betonriegel verhindern derzeit, dass Autos die Straße als Abkürzung im mit Baustellen geplagten Oberricklingen nutzen.

Der Bezirksrat will die Stadtverwaltung nun aber beauftragen, die Sperrung zurückzunehmen. Bei der nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch entscheiden die Politiker einen überparteilichen Antrag von SPD, CDU, Linke, FDP und AfD.

Darum geht es: Diese Durchfahrtssperren Am Grünen Hagen sollen erhalten bleiben. Quelle: Michael Wallmüller

„Unser ganzes Viertel würde dann als Abkürzung vom Durchgangsverkehr erdrückt. Das ist verkehrspolitischer Wahnsinn“, ärgert sich Hans Wergel. Er wohnt in der Straße Am Grünen Hagen. Sollte die Sperrung aufgehoben werden, rechnet er mit mehreren tausend Lastwagen und Autos, die die Fahrradstraße als Abkürzung zwischen Südschnellweg und B217 nutzen könnten. „Das gefährdet Kinder, Fußgänger und Radfahrer, und würde unerträglichen Lärm verursachen“, sagt Wergel.

ADFC: Fahrradstraße wird zur Rennpiste

Dass es die Betonriegel Am Grünen Hagen überhaupt gibt, hat mit den zahlreichen Baustellen in der Umgebung zu tun. Die Straße „In der Rehre“ südlich des Ricklinger Friedhofs ist noch mehr als ein Jahr voll gesperrt. Sie diente vielen Ricklingern und Wettbergern als Hauptverkehrsader in Richtung Osten und Süden. Dazu kommt der Üstra-bedingte Umbau der Göttinger Chaussee.

Mit einer Petition fordern staugeplagte Anwohner und Geschäftsleute nun, die Sperre Am Grünen Hagen wieder zu öffnen. „Das hatten wir schon einmal. Da war die Straße komplett voll mit Autos. Viele fuhren zu schnell oder nutzten die Fußwege für Ausweichmanöver. Man kann nicht den ganzen Verkehr durch eine Fahrradstraße leiten“, sagt Wergel. Auch Dirk Hillbrecht vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) befürchtet, dass die Straße zur „Rennpiste“ werden könnte. Was der Bezirksrat plane sei „kontraproduktiv und schädlich“.

Das „Forum Ruhiges Oberricklingen“ hatte auch die beiden verbliebenen OB-Kandidaten Eckhard Scholz (CDU) und Belit Onay (Grüne) zur Demonstration eingeladen. Onay habe wegen zu vieler Termine abgesagt, ließ aber seine Unterstützung ausrichten. Scholz habe sich gar nicht gemeldet. „Es scheint mir, dass Fahrradstraße und Verkehrswende nur Schlagworte im Wahlkampf sind, das aber in der Praxis nicht gelebt wird“, sagt Wergel.

Gemüter bei Anwohnern sind erhitzt

Er versteht die Aufregung um die Sperre nicht. Denn für Autofahrer sei weiterhin alles erreichbar, denn die Straße werde in ihrer Mitte nur geteilt. Anwohner kämen trotzdem an ihre Häuser, auch der Friedhof sei nicht abgeschnitten. Statt bequem durch die Straße fahren zu können, müssten Autofahrer nur einen kleinen Umweg fahren. Das koste wenige Minuten. „Das ist zumutbar. Wenn die Sperre aufgehoben wird, müssen dann die Radfahrer den Umweg fahren, weil die Fahrradstraße für sie zu unsicher wäre“, sagt Wergel.

Die Fahrradstraße Am Grünen Hagen ist für den Durchfahrtsverkehr gesperrt. Das könnte sich bald ändern. 250 Radfahrer und Anwohner haben für den Erhalt der Sperrung demonstriert.

Die Fronten in Oberricklingen sind verhärtet, die Gemüter erhitzt. Einige Anwohner provozieren sich in sozialen Netzwerken gegenseitig, wie auch Andreas Klautke beobachtet hat. Er ist Geschäftsführer des Rewe-Supermarkts. „Ich würde mir wünschen, dass es hier wieder friedlicher wird.“ Er ist ebenfalls zur Demonstration gekommen, obwohl er eigentlich kein Freund der Sperrung ist. „Uns fehlen jede Woche 1500 bis 2000 Kunden im Laden. Das war mal anders, als die Straße noch offen war“, sagt er.

Klautke wünscht eine größere Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. Doch eine bessere Lösung als die Betonriegel sehen Wergel und einige seiner Nachbarn derzeit nicht.

Lesen Sie auch

Hannover: Grüne wollen Autoparkplätze für Radfahrer umwidmen

Von Sascha Prieseman

Eine alte Glocke einer früheren Kirche in Hannover soll umziehen. Für die Helfer des THW ist dieser Job kein einfacher. Denn die Glocke ist nicht leicht und der Platz im Dachstuhl des ehemaligen Gotteshauses eng.

02.11.2019

Alle reden von Greta Thunberg, aber in Hannover wird ihr Leitgedanke schon länger umgesetzt. Der Verein Transition Town mit Gründer Thomas Köhler hat die Stadt grüner gemacht.

02.11.2019

Der Anteil der Gewerbesteuer von den Gesamtsteuereinnahmen der Stadt Hannover liegt bei 57 Prozent – so viel wie in keiner Kommune der Region Hannover. Bei konjunkturellen Problemen drohen Steuerausfälle, warnt die IHK.

02.11.2019