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Meine Stadt Fußballer bricht Gegner Bein – Straftat oder nicht?
Hannover Meine Stadt Fußballer bricht Gegner Bein – Straftat oder nicht?
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16:36 07.11.2019
HANNOVER

Grobes Foulspiel oder Straftat? In diesem Spannungsfeld bewegt sich der Prozess gegen Jose M. (25). Der Spieler des SC Elite II hatte am 25. November 2018 einem Gegner das Schien- und Wadenbein durchgetreten. In erster Instanz wurde M. wegen gefährlicher Körperverletzung zu 1350 Euro Geldstrafe verurteilt. Mit 90 Tagessätzen erhielt er die Mindeststrafe. Sie findet keinen Eingang ins Führungszeugnis.

Es war die 80. Spielminute in Badenstedt. FC Can Mozaik II führte 5:1 gegen SC Elite II. Es war ein hartes, umkämpftes Spiel in der 4. Kreisklasse. Die Elite-Spieler waren sauer auf den Schiedsrichter, weil er aus ihrer Sicht klare Abseitspositionen des Gegners nicht abpfiff.

Foul hatte katastrophale Folgen

Wieder fuhr ein Spieler (21) von Can Mozaik einen Konter. „Ich habe mir den Ball ein, zwei Meter vorgelegt. Da setzte der gegnerische Spieler seitlich von hinten mit offener Sohle zur Grätsche an“, sagte das Opfer. Aus seiner Sicht war es ein „Frustfoul“. Der Angeklagte meinte, dass er das Abspiel seines Gegenspielers verhindern wollte. Der Schiedsrichter zeigte M. die rote Karte. Am Donnerstag meinte er im Landgericht: Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Angeklagte an den Ball hätte kommen können. Also eher eine missglückte Attacke im Rahmen eines Spiels und keine vorsätzliche Straftat.

Die Folgen des Fouls waren katastrophal: Der Spieler wartet jetzt auf seine dritte OP, war acht Wochen lang krank geschrieben und kann immer noch nicht Fußballspielen.

Richterin wollte Verfahren einstellen

Richterin Jana Bader schlug vor, das Verfahren einzustellen. Die Staatsanwältin lehnte das auf Weisung ihres Vorgesetzten ab. Wohl wegen der zunehmenden Gewalt auf den Fußballplätzen. Später fragte die Richterin der 6. Kleinen Strafkammer, ob beide Seiten nicht ihre Berufung zurücknehmen wollten.

Wieder bestand die Staatsanwältin auf ein Urteil. Anwalt Sven Schünemann beschrieb das Dilemma seines Mandanten: „Sein Problem ist, dass die Versicherung im Fall einer Verurteilung keinen Schadensersatz an das Opfer zahlt.“

12 000 Euro Schmerzensgeld gefordert

Das Opfer fordert auf zivilrechtlichem Weg 12 000 Euro Schmerzensgeld. Eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung bedeutet Vorsatz. Da haftet keine Versicherung. Das wäre auch nicht im Sinne des Opfers. Denn dann müsste er das Geld bei dem mittellosen Angeklagten einfordern.

Auch das Gericht scheint sich nicht einig zu sein. Am Ende des Prozesstages meinte die Richterin, dass die Kammer zu einer Verurteilung neige. Und die Strafe werde wohl höher ausfallen. Das bedeutet, der junge Fußballer wäre vorbestraft.

Die Kammer nimmt sich genug Zeit zum Überlegen. Anders als üblich gab es am Donnerstag kein Urteil. Das wird erst am 28. November gesprochen.

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