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Meine Stadt Prinz Ernst August verklagt seinen Sohn
Hannover Meine Stadt Prinz Ernst August verklagt seinen Sohn
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00:23 25.02.2019
IM MITTELPUNKT DES STREITS: Ernst August senior will nicht, dass die Marienburg vom Land übernommen wird. Quelle: Foto: Gallop
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Hannover/Pattensen

Der Graben zwischen Vater und Sohn wächst weiter. Aus dem Umfeld von Ernst August senior heißt es nun, dass er juristische Schritte gegen seinen Sohn einleiten will. Mit diesem Schritt will er offenbar endgültig den Marienburg-Deal zwischen seinem Sohn und der niedersächsischen Landesregierung verhindern.

Das Umfeld um den Senior sei dabei, nach Lösungen für den Streit zu suchen. Ein direkter Kontakt zwischen Vater und Sohn bestehe aber nicht. „Prinz Ernst August hegt den Wunsch, eine friedliche Familienlösung zu finden“, sagte ein Vertrauter. Doch inzwischen habe man die Hoffnung verloren.

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Abkommen über den 1-Euro-Deal

Grund für den Streit ist der Deal zwischen Ernst August junior und der Landesregierung. Im November vergangenen Jahres hatte Kulturminister Björn Thümler (CDU) das Vorhaben präsentiert. Dabei sollte die Tochtergesellschaft Limak der landeseigenen Klosterkammer das Schloss Marienburg für einen symbolischen Euro erwerben. Offenbar hatten sie das Abkommen aber ohne den Vater geschlossen. Der ließ über seine Anwälte in einem Brief an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Minister Thümler verlauten, dass er die 2004 getätigte Schenkung der Marienburg wegen groben Undanks widerrufe.

Dabei berief sich der 64-Jährige auf eine im Erbrecht übliche Rückauflassungvormerkung, die bei der Schenkung vereinbart, aber aus dem Grundbuch gelöscht wurde. Nach der Regelung ist der neue Eigentümer – Ernst August junior – nicht dazu befähigt, die Immobilie gegen den Willen des ehemaligen Eigentümers – Ernst August senior – zu verkaufen. Sollte dies doch geschehen, könne der Vorbesitzer das Erbe jederzeit zurückfordern.

Deal zu heikel?

Bereits in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Klosterkammer der Deal, zu heikel geworden sei und sie sich zurückziehe. Inzwischen hat auch die CDU die Brisanz der Lage erkannt. Dirk Toepffer, Vorsitzender der Fraktion im Landtag, sagte: „Würde sich die Landesregierung mit diesem Wissen auf den Deal einlassen, würde sie bösgläubig handeln.“ Dies könne die CDU nicht vertreten, so Toepffer.

Im Handeln des Seniors sieht der Christdemokrat das Ziel, wieder in den Vorstand der Herzog-von-Cumberland-Stiftung zu gelangen.

Anlass für dieses Argument bietet eine Strafanzeige, die Ernst August senior in Liechtenstein gestellt hat. Er wirft seinem langjährigen Vertrauten und Vermögensverwalter Prinz Michael von und zu Liechtenstein Untreue und Betrug vor. Nach Angaben des Prinzen habe ihn sein Sohn gemeinsam mit Prinz Michael von und zu Liechtenstein 2012 aus der Herzog-von-Cumberland-Stiftung verdrängt. Die Stiftung verwaltet den Besitz der Welfen in Österreich.

Offenbar ein Fakt, der auch für den Streit um das Schloss Marienburg von besonderer Bedeutung ist. Denn aus dem Umfeld von Ernst August senior heißt es, dass alle bisher angestrebten Einigungsversuche mit seinem Sohn an Prinz Michael von und zu Liechtenstein gescheitert seien.

Ministerium für Wissenschaft und Kultur äußert sich nicht

Das CDU-geführte Ministerium für Wissenschaft und Kultur wollte sich zu Toepffers These nicht äußern. Auch die Aussage, dass die Fraktion den vom CDU-Minister ausgehandelten Deal nicht mehr mittrage, ließ man unkommentiert. „Der aktuelle Sachstand ist unverändert“, sagte eine Sprecherin knapp. Man sei immer noch dabei, den Brief des Seniors zu überprüfen. Ein Ergebnis solle so schnell wie möglich vorliegen – genau wollte die Sprecherin den Zeitraum allerdings nicht eingrenzen. Sie verwies indes aber darauf, dass es dem Land nach wie vor darum gehe, „die Marienburg als öffentlich zugängliches Kulturgut zu sichern“.

Von Mandy Sarti