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Meine Stadt Polizist auf der Anklagebank
Hannover Meine Stadt Polizist auf der Anklagebank
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00:18 19.11.2017
Ungewohnter Platz: Der Polizist (54) sitzt auf der Anklagebank. Der tragische Unfall ereignete sich am 6. November 2016 in Misburg. Der Beamte (neben ihm Anwalt Andreas Hildebrand) bestreitet zu schnell gefahren zu sein. Quelle: Heidrich
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 Eigentlich sollen Polizisten Menschen schützen. Gleichzeitig müssen sie bei ihren Einsätzen auch etwas riskieren. Weil das so ist, musste Amtsrichter Michael Stüber am Donnerstag einen tragischen Fall verhandeln. Polizist Andreas Schmidt (54, Name geändert) war am 6. November 2016 in einen tödlichen Unfall verwickelt. Zu Tode kam eine 18-jährige Pizzabotin. Der Beamte muss sich nun wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

„Ich habe nie gedacht, dass ich in meinem Leben einmal auf dieser Seite sitzen werde“, begann Schmidt seine Aussage. Am 6. November war er gegen 20 Uhr auf der Hannoverschen Straße (Misburg) im Einsatz. Er fuhr mit seinem Kollegen (29) zu einem Altenheim in der Südstadt. Dort hatte der Feuermelder Alarm geschlagen. Die Beamten waren ohne Blaulicht und Einsatzhorn unterwegs.

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„Als ich einen Bus überholen wollte, zog er plötzlich raus“, erzählte der Angeklagte. Er habe beschleunigt und nach etwa 50 Metern sei der Überholvorgang beendet gewesen. Seine Geschwindigkeit habe etwa 50 Stundenkilometer betragen. „Das war keine gefährliche Situation“, meint der Polizist. Als er wieder auf der rechten Spur war, kam ihm ein Roller samt Fahrerin entgegen gerutscht. Er sei weit vor der Brücke Hannoversche Straße/Kanalstraße wieder auf der rechten Spur gewesen.

In der Anklage heißt es anders: Hier soll der Polizeiwagen auf Höhe der Kreuzung Hannoversche Straße/Kanalstraße mit der 18-Jährigen kollidiert sein.

Ein Zeuge (47) bestätigte gestern die Anklage. Er fuhr hinter dem Polizeiwagen. „Der Überholvorgang hat erst kurz vor der Brücke begonnen“, sagt er aus. Allerdings schätzte er die Entfernung zwischen Bushaltestelle und Brücke auf 30 bis 40 Meter. In Wahrheit sind es 150 Meter. Der Polizist sei mit 60 bis 70 Stundenkilometer unterwegs gewesen. Das deckt sich wiederum mit den Berechnungen des Verkehrsgutachters.

Der Busfahrer (51) hingegen entlastete den Angeklagten. „Nach meiner Einschätzung hätte der Überholvorgang klappen können.“ An der Seite habe die Rollerfahrerin einen Meter Platz gehabt. Und dann der entscheidende Satz: „Der Polizeiwagen war schon wieder eingeschert, als die Kollision geschah.“ Roller und Fahrerin seien in der Mitte der regennassen Fahrbahn gegen den Polizeiwagen geprallt.

 Urteil 24. November

Von Thomas Nagel