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Meine Stadt Polizeiakademie: Eine blendende Halbzeitbilanz
Hannover Meine Stadt Polizeiakademie: Eine blendende Halbzeitbilanz
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13:07 04.06.2019
AUF DEM WEG ZUM POLIZISTEN: Milena Czichi, Gawain Wiemann, Maximilian Siebert, Larissa Fuhr und Mira Bolowski.
AUF DEM WEG ZUM POLIZISTEN: Milena Czichi, Gawain Wiemann, Maximilian Siebert, Larissa Fuhr und Mira Bolowski. Quelle: Polizeiakademie
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Hannover

Drei Jahre insgesamt dauert das Studium an der Polizeiakademie Nienburg, dann können sie als Kommissare vereidigt werden. NP-Reporterin Petra Rückerl begleitet die fünf jungen Leute in einer Langzeitreportage. Und fragte zwischendurch, wie es ihnen ergeht auf dem Weg zu ihrem Traumziel.

Larissa Fuhr: Wer nichts tut, bekommt hier Probleme

Sie sind mit bestimmten Vorstellungen gekommen und – was hat Sie völlig überrascht? Was hat sich bestätigt?

Ich musste feststellen, dass ich vielmehr den Ausdruck „Schule“ benutzte als „Akademie“. Das stört mich aber nicht. Jedoch bezieht sich dies nicht auf den inhaltlichen Anspruch und den Arbeitsaufwand. Wer hier nichts tut und keine Lust auf Lernen hat, wird früher oder später Probleme bekommen. Trotzdem wird man durch die Trainer und Dozenten großzügig unterstützt – unter einer einzigen Voraussetzung: Man muss es wollen!

Larissa Fuhr Quelle: Michael Wallmüller

Haben Sie neue Freunde hier gefunden?

Ich stehe mit halbem Bein oder auch schon mit zwei Beinen in der großen Familie der Polizei. Das ist eines der vielen schönen Dinge der Polizei: Man ist nicht nur immer Kollege, sondern schließt über die Jahre immer mehr Freundschaften, die meist ein Leben lang halten. Auch bereits jetzt im Studium habe ich tolle Freundschaften geschlossen, die auch außerhalb der Akademie meine Freizeit mitgestalten.

Haben Sie bereits jetzt eine Vorstellung, auf welchem Gebiet der Polizeiarbeit Sie später arbeiten möchten?

Ich möchte gern auf dem Gebiet des „Allrounders“ arbeiten. Ich möchte mich noch nicht festlegen, in keinem Fall. Die Polizei bietet so viele Möglichkeiten, dass ich keine ausschließen möchte. Ich finde es wichtig, aus so vielen Perspektiven eines Polizisten wie nur möglich zu schauen. Fest steht, dass mich viele Bereiche wie zum Beispiel der Ermittlungsdienst in seinen verschiedensten Bereichen interessieren. Doch zunächst möchte ich mir eine Erfahrungsgrundlage im täglichen Einsatzgeschäft schaffen.

Haben Sie zwischendurch auch mal damit gehadert, Polizistin werden zu wollen?

Einmal war ich mir nicht sicher, ob ich dem Umgang mit schrecklichen Schicksalen oder Anblicken gewachsen bin. Aber gerade mein Praktikum in Lüneburg hat mir gezeigt, dass die Organisation „Polizei als Familie“ ausgesprochen gut funktioniert und dass man bereits im Studium damit umzugehen lernt. Gerade auch an wen man sich professionell wenden kann und auch sollte.

Welche Fächer machen Ihnen Spaß?

AZT, Grund- und Eingriffsrecht, Materielles Recht, alle möglichen Trainings, die zwischendurch anfallen, wie z.B. Betreten und Durchsuchen von Wohnungen, Fahrtraining, Verkehrskontrolle.

Sehen Sie die Bürger jetzt mit einem anderen Blick?

Ein erweiterter Blick auf den Bürger in diesem Beruf bleibt nicht aus und ist menschlich. Man wird aufmerksamer und umsichtiger. Man lernt einen ganz anderen Gesellschaftsstrang kennen. Die Kunst liegt hierbei darin, nicht sofort jeden Bürger in bestimmte Blickwinkel zu stellen.

Schauen Sie nach dem Verkehrskontrollen-Training anders auf andere Fahrer?

Man sieht natürlich Dinge, die einem vorher nie aufgefallen sind und erkennt Verstöße, die man im Verkehrsrecht gelernt hat. Also ja, aber ich bin nicht akribisch auf der Suche nach möglichen Verdächtigen. Man muss sich ja auch auf das Autofahren konzentrieren. Man entwickelt fürs Erste ein erweitertes Bewusstsein.

Was kommt im nächsten halben Jahr auf Sie zu?

Im Oktober geht es dann endlich mal von der Theorie in die Praxis während des Einsatzpraktikums, und da beginnt dann auch schon der 2. Studienabschnitt.

Mira Bolowski: Vorfreude auf das Praktikum

Sie sind mit bestimmten Vorstellungen gekommen – was hat Sie völlig überrascht? Was hat sich bestätigt?

Ich habe gedacht, dass wir hier noch mehr Sport machen, aber genaue Vorstellungen hatte ich nicht. Ich finde es persönlich immer ganz schön, wenn wir alle einheitlich in der Uniform sind. Dann fühlt man sich immer noch mehr wie eine „Gemeinschaft“.

Mira Bolowski Quelle: Michael Wallmüller

Haben Sie neue Freunde hier gefunden?

Durch die Polizei habe ich viele tolle neue Leute kennengelernt. Gerade weil wir alle diesen einen Wunsch haben, in 2,5 Jahren vereidigt zu werden, schweißt uns das noch mehr zusammen.

Haben Sie zwischendurch auch mal damit gehadert, Polizistin werden zu wollen?

Für mich war es schon sehr früh klar, dass ich zur Polizei möchte. Jedoch gibt es hier im Studium immer mal wieder sehr anstrengende Tage, wo man nicht weiß, wo einem der Kopf steht. Aber trotzdem ist Aufhören keine Option. Man hat es jetzt schon so weit gebracht, und nach der Ernennung ist dieser Lernstress dann bestimmt auch nicht mehr so extrem. Ich weiß ja auch, wofür ich das mache, nämlich um danach eine „gute Polizistin“ zu sein.

Welche Fächer machen Ihnen Spaß?

Am meisten Spaß machen mir ganz klar die Schießeinheiten und das Fach Kriminologie. Ich finde es am spannendsten.

Sehen Sie die Bürger jetzt mit einem anderen Blick als vorher?

In manchen Situationen schon. Ich gehe mit mehr Vorsicht an unbekannte Situationen heran, da wir auch lernen, dass man sich nie ganz sicher sein kann, was derjenige gleich machen wird. Menschen sind nicht berechenbar. Aber ich glaube, seit ich bei der Polizei bin, ist mein Helferinstinkt noch ausgeprägter als davor.

Schauen Sie nach dem Verkehrskontrollen-Training anders auf andere Fahrer etwa auf der Autobahn?

Ja, eigentlich immer! Ich denke mir oft, wenn ich jetzt die Uniform trüge, dann würde ich den erst mal anhalten und darüber aufklären, was derjenige falsch gemacht hat.

Was kommt im nächsten halben Jahr auf Sie zu und worauf freuen Sie sich?

Als großes Ereignis steht das dreimonatige Praktikum auf dem Plan. Darauf freue ich mich schon sehr. Ich glaube, in dieser Zeit lernt man so viel, und man kann endlich das theoretische Wissen in die Tat umsetzen. Das ist spannender, als am Schreibtisch zu lernen.

Gawain Wiemann: Vorstellungen wurden komplett übertroffen

Sie sind mit bestimmten Vorstellungen gekommen – was hat Sie überrascht?

Ich bin positiv überrascht über die Menge an praktischen Arbeiten – gerade für ein Studium, und über den menschlichen Umgang miteinander. Zu Beginn hatte ich die Befürchtung, die Polizeiakademie wäre wie eine Militärschule, doch hier sind die Dozenten freundlicher als meine Grundschullehrer es je waren – und trotzdem professionell. Ansonsten wurden meine Vorstellungen komplett getroffen! Auch was Jura angeht ... wo sich der Spaß wirklich in Grenzen hält.

Gawain Wiemann Quelle: Michael Wallmüller

Haben Sie neue Freunde hier gefunden?

Auf jeden Fall! Es gibt hier viele Leute, die ähnliche Interessen haben wie ich, und dementsprechend gehen wir öfters zusammen schwimmen, Motorrad fahren, feiern oder hängen einfach zusammen rum.

Haben Sie bereits jetzt eine Vorstellung, auf welchem Gebiet der Polizeiarbeit Sie später arbeiten möchten?

Fakt ist, dass ich erst einmal auf die Straße will – ob im Bulli, auf dem Motorrad oder ganz vielleicht auch zu Pferd? Der menschliche Umgang ist auf jeden Fall entscheidend, auch wenn ich mit 60 Pressesprecher sein sollte.

Sehen Sie die Bürger jetzt mit einem anderen Blick?

Tatsächlich entwickelt man einen neuen Blick. Man hält nicht jeden für einen Straftäter, aber es fallen mir öfter auffällige Handlungen auf wie Verkehrsverstöße oder sogar Ladendiebstähle. Zum Glück musste ich noch nie einschreiten.

Schauen Sie nach dem Verkehrskontrollen-Training anders auf andere Fahrer?

Ich bemerke mehr Verkehrsverstöße als früher, aber ich war schon immer ein Fahrer, der gerne das Verhalten anderer Kraftfahrzeugführer bemängelt hat. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie häufig Autofahrer mich, samt Motorrad, schon fast von der Straße gewischt hätten. Ein wahrer Dorn im Auge ist mir übrigens das Handy am Steuer: Weg damit!

Was kommt im nächsten halben Jahr auf Sie zu?Und freuen Sie sich?

Ich freue mich auf das Praktikum, das im Oktober startet. Voraussichtlich werde ich dann in der Südstadt in Hannover auf Streife anzutreffen sein.

Milena Czichi: Man bekommt mehr Respekt vor dem Beruf

Welche Prüfungen haben Sie bisher geschafft?

Bisher hatten wir zwei theoretische Prüfungen im Grund- und Eingriffsrecht und im Materiellen Recht. Dann hatten wir noch die Laufüberprüfung, bei der wir fünf Kilometer laufen mussten, sowie die Liegestützüberprüfung. Wir hatten auch im Abwehr -und Zugriffstraining eine Prüfung. Am schwierigsten davon war die Liegestützüberprüfung, aber ich habe alles geschafft.

Milena Czichi Quelle: Michael Wallmüller

Sie sind mit bestimmten Vorstellungen gekommen – was hat Sie völlig überrascht? Was hat sich bestätigt?

Ich hatte die Erwartung, dass alles sehr abwechslungsreich ist. Überrascht hat mich, dass es sehr viele praktische Trainings gibt, die super viel Spaß machen.

Haben Sie neue Freunde hier gefunden?

Ja, ich habe eine super Studiengruppe und auch sehr gute Freunde kennengelernt.

Haben Sie bereits jetzt eine Vorstellung, auf welchem Gebiet der Polizeiarbeit Sie später arbeiten möchten?

Ich würde gern im Kriminaldauerdienst (KDD) arbeiten

Haben Sie zwischendurch auch mal damit gehadert, Polizistin werden zu wollen?

Der Beruf der Polizei ist bei vielen nicht sehr beliebt. Wenn man da so hört, wie die Bürger teilweise mit der Polizei umgehen, dann bekommt man schon sehr viel Respekt vor diesem Beruf. Aber gehadert habe ich noch nie.

Welche Fächer/Trainingseinheiten machen Ihnen Spaß?

Das Schießtraining macht mir total Spaß. Durchsuchungen von Wohnungen sind auch sehr spannend. Aber irgendwie macht jedes Training Spaß, weil es immer etwas Neues gibt.

Welche Fächer/Trainingseinheiten ziehen Sie durch, weil sie auf dem Plan stehen?

Grund- und Eingriffsrecht.

Sehen Sie die Bürger jetzt mit einem anderen Blick als vorher?

Natürlich sieht man jetzt mehr als früher, aber einen anderen Blick habe ich nicht bekommen.

Schauen Sie nach dem Verkehrskontrollen-Training anders auf andere Fahrer etwa auf der Autobahn?

Definitiv, das mache ich total oft.

Maximilian Siebert: Die Trainer sind sehr kollegial

Welche Prüfungen haben Sie bisher geschafft?

Da waren die Leistungsnachweise in Grund- und Eingriffsrecht und Materiellem Recht, Laufprüfung, Kraftüberprüfung, Hindernisparcours, Überprüfung mit der Sfp9 (Pistole), Fahrprüfung. Anstrengendste Prüfung war die Laufprüfung, schönste Prüfung die Schießprüfung.

Maximilian Siebert Quelle: Michael Wallmüller

Sie sind mit bestimmten Vorstellungen gekommen – was hat Sie völlig überrascht? Was hat sich bestätigt?

Meine Vorstellungen waren, dass es viel Recht, viel Praxis und einen strengen Umgang zwischen Trainern und Auszubildenden geben würde. Die Realität: Es gibt tatsächlich viel Recht und viel Praxis, aber einen sehr kollegialen Umgang zwischen Trainern und Auszubildenden.

Haben Sie neue Freunde hier gefunden?

Auf jeden Fall, zudem gibt es keine Leute, mit denen man nicht gut auskommt.

Haben Sie bereits jetzt eine Vorstellung, auf welchem Gebiet Sie später arbeiten möchten?

Zuerst einmal will ich in die Bereitschaftspolizei gehen und dann sehen, wohin der Weg einen führt. Jeder Bereich ist spannend, und ich kann mich noch nicht genau festlegen, was ich später genau machen will. Das wird sich irgendwann zeigen.

Welche Fächer ziehen Sie durch, weil sie auf dem Plan stehen?

Keine, man sieht überall den Praxisbezug – deswegen gibt es kein Fach, zu dem man nicht wirklich Lust hat. Das Grund- und Eingriffsrecht ist manchmal sehr trocken und auch viel Stoff, aber es macht dann doch irgendwie Spaß und ist vor allem für die polizeiliche Tätigkeit elementar.

Sehen Sie die Bürger jetzt mit einem anderen Blick?

Nein, der Blick hat sich nicht verändert. Jedoch sieht man viel schneller das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer.

Was kommt?

Die Prüfungen in den einzelnen Modulen stehen an, das bedeutet: viel lernen. Jedoch geht es danach direkt ins Praktikum. Das bedeutet, die Vorfreude auf das erste Zwischenziel ist da.

Lesen Sie Teil 1: Polizeiakademie – der Weg zum Freund und Helfer

Von Petra Rückerl