Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Frisierte E-Bikes in Hannover ein Problem
Hannover Meine Stadt Frisierte E-Bikes in Hannover ein Problem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 24.06.2019
Können viel schneller fahren: Frisierte Pedelecs. Dieses gehört wohl nicht dazu. Es kam im Mai bei einer Schulung der Verkehrswacht zum Einsatz. Der verbotene Umbau war bisher jedoch einfach. Quelle: Dröse
Anzeige
Hannover

Manchmal wundern sich die Streifen der Polizei – wie schnell doch manche E-Bikes auf Hannovers Radwegen unterwegs sind. 25 Stundenkilometer sind erlaubt. Oft sind es deutlich mehr. „Wir gehen davon aus, dass dreißig Prozent der Pedelecs manipuliert sind“, sagte Thomas Kliewer, Verkehrssicherheitsexperte der Polizeidirektion Hannover am Montag bei einer Diskussionsrunde in der VHS.

Auf Nachfrage der NP erklärte Kliewer, dass er sich auf einen ARD-Bericht aus dem März bezogen habe. Ob die Zahl tatsächlich so hoch sei, lasse sich für Hannover schwer belegen. „Die Dunkelziffer ist aber sehr hoch“, erklärt der Experte. „Zehn bis 20 Prozent werden es sicherlich sein“, schätzt er.

Anzeige

Manipulierte Pedelecs schaffen 60 Stundenkilometer

Das Problem ist, dass die Pedelecs sehr einfach zu manipulieren sind. „Entsprechende Umrüst-Kits gibt es ganz legal für 80 bis 90 Euro im Internet zu kaufen“, berichtet Kliewer. Nur der Einbau in die elektrisch unterstützten Fahrräder sei verboten. Was viele aber offenbar nicht stört. Gesondert erfasst würden solche Vorfälle in der Statistik nicht. Aber auch in Hannover seien regelmäßig Pedelecs viel zu schnell unterwegs und auch schon aus dem Verkehr gezogen worden.

Die verbotenen Umrüstungen gaukeln der Software vor, dass die Fahrräder langsamer fahren, als sie es in der Realität tun. Dadurch riegelt der Motor nicht bei 25 Stundenkilometern ab wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Bis zu 60 Stundenkilometer sind problemlos möglich. Damit sind die frisierten E-Bikes sogar deutlich schneller als die sogenannten S-Pedelecs, mit denen 45 Stundenkilometer erlaubt sind – allerdings nur auf der Straße, mit Helm und Versicherungskennzeichen.

Straftat und kein Versicherungsschutz mehr

Mittlerweile hat der Gesetzgeber reagiert. Im Mai sei eine neue Regelung in Kraft getreten, die den Herstellern vorschreibt, nur noch manipulationssichere Pedelecs zu verkaufen, berichtet Kliewer. „Ich halte das für sinnvoll. Es ist aber zu befürchten, dass sich auch da schnell Mittel und Wege finden lassen, die Geschwindigkeitsbeschränkung zu umgehen“.

Den Nutzern der verbotenen Renner sei oft gar nicht bewusst, welche Konsequenzen drohen. Das Fahren ohne Versicherungsschutz sei eine Straftat, ebenso das Fahren ohne Fahrerlaubnis. Für so schnelle Pedelecs brauche man nämlich einen Motorradführerschein, so Kliewer. Hinzu komme ein Bußgeld von 70 Euro.

Die Folgen allerdings könnten im Falle eines Unfalls noch viel dramatischer sein. „Bei einem manipulierten Pedelec erlischt automatisch jeglicher Versicherungsschutz der Haftpflicht. Je nach Höhe des Schadens kann das im Zweifel sogar in der Privatinsolvenz enden“, warnt der Experte der Polizei.

Von Christian Bohnenkamp