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Meine Stadt Sexuelle Belästigung bei der Polizei Hannover?
Hannover Meine Stadt Sexuelle Belästigung bei der Polizei Hannover?
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10:57 26.03.2019
Tannenbergallee: Hier hat die ZPD ihren Sitz. Quelle: Foto: Wilde
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Hannover

Es geht um einen unglaublichen Verdacht: Ein Hundertschaftsführer der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) wird von mehreren Polizistinnen bezichtigt, sie sexistisch beleidigt, begrapscht und bedrängt zu haben. Eines der Schreiben ist wegen seiner strafrechtlichen Relevanz bereits bei der Staatsanwaltschaft gelandet. Ein Sprecher der ZPD bestätigte den Vorgang: „Es gibt einen anonymen Hinweis eine Führungskraft betreffend.“ Der Fall liege nun bei der Staatsanwaltschaft, vorerst wolle die ZPD zu dem Vorgang daher keine Stellung nehmen.

Verdächtiger wird zunächst versetzt

Der Erste Hauptkommissar wurde am Donnerstag vorerst in den Stab versetzt, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Dort könnte er weiterhin Einsätze planen, ist aber nicht im Tagesgeschäft seiner Einheit.

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Die Briefe liegen Polizeipräsidentin Christiana Berg und der Leiterin „Disziplinar in der ZPD“, Inga Faubel, vor. Die Polizeispitze hat den strafrechtlich relevanten Brief an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Mehrere Frauen sollen betroffen sein

Nach Informationen der Neuen Presse waren in den vergangenen Jahren weitere Polizeibeamtinnen betroffen, sie trauten sich aber offenbar nicht, gegen die Führungskraft einzuschreiten. Auch die beiden Briefe wurden anonym verschickt. „Die kriegen bei der Polizei kein Bein mehr auf die Erde, wenn sie eine Führungskraft quasi gestürzt haben. Auch dann nicht, wenn die Vorwürfe zutreffen“, sagte ein Insider. Besonders bei Feiern sei der Mann jungen Kolleginnen immer wieder übergriffig geworden, sein Status und seine Machtposition hätten ihn geschützt.

Vorgesetzter beteuert intern seine Unschuld

Der frühere SEK-Mann, dem unter der Hand „eine prekäre Menschenführung“ nachgesagt wird, hat eine Gegenanzeige wegen Verleumdung aufgegeben. Außerdem soll er am Tag nach der Versetzung den Kollegen seiner Hundertschaft einen Brief hinterlassen haben. Ein Vertrauter soll das Schreiben, in dem der Beamte recht emotional seine Unschuld beteuert habe, vorgelesen haben. Die Vorwürfe würden gegen seine eigenen Werte kollidieren, hieß es unter anderem in der Mitteilung.

„Er stellt sich als Opfer dar“, sagt ein Kollege. Der Brief sei als Einflussnahme zu werten. Nun würden seine Opfer „bestimmt nichts mehr sagen“. Käme der Polizist, im Alter von Anfang 50, damit durch, „würde der ewig so weitermachen.“

Offenbar kein Einzelfall. Laut dem ZPD-Sprecher gab es „vor mehreren Jahren“ eine ähnliche Situation, auch hier gab es anonyme Hinweise auf einen Kollegen. Über die Folgen ist nichts bekannt.

Von Janik Marx