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Meine Stadt Regiobus: Freie Fahrt für die Betriebsreform
Hannover Meine Stadt Regiobus: Freie Fahrt für die Betriebsreform
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17:46 25.10.2018
AUF DEM PRÜFSTAND: Die Regiobus überarbeitet im Umland ihr Liniennetz und ihre Betriebshöfe, um wirtschaftlicher zu sein.
AUF DEM PRÜFSTAND: Die Regiobus überarbeitet im Umland ihr Liniennetz und ihre Betriebshöfe, um wirtschaftlicher zu sein. Quelle: Archiv
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HANNOVER

Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Regionsversammlung am 6.November kann die Regiobus-Spitze ihr Betriebshofkonzept umsetzen. Das sieht im Kern, wie berichtet, die Schließung der Betriebshöfe in Eldagsen (Stadt Springe) und Wunstorf sowie den Neubau eines neuen Depots voraussichtlich in Gehrden vor. Mit dem Ziel, dass die Regiobus wirtschaftlicher arbeitet als bisher.

Der Verkehrsausschuss der Region hat am Donnerstag das Konzept zwar einstimmig abgesegnet, Kritik kam aber vom Linken-Abgeordneten Michael Fleischmann. Der forderte als Ausgleich für die beiden Schließungen in Eldagsen und Wunstorf, dass das dadurch eingesparte Geld in ein verbessertes Busangebot in den beiden Regionsgebieten fließt. Und zweitens, dass die bereits beschlossenen regionsweiten Streichungen einiger Umland-Buslinien in Springe und Wunstorf nicht umgesetzt werden.

Für diesen Vorstoß konnte sich kein Verkehrspolitiker erwärmen, trotzdem löste der Linken-Antrag eine recht leidenschaftliche Debatte aus, die zum Teil hart an der Grenze persönlicher Beleidigungen gegen den Linken-Abgeordneten Michael Fleischmann mündeten, dem etwa CDU-Verkehrsexperte Eberhard Wicke (CDU) bescheinigte, sogar noch das Niveau eines „Dorfpolitikers“ zu unterschreiten.

„Konzept sichert Arbeitsplätze für zehn Jahre“

Zur Sachte äußerte Wicke: „Das Betriebshofkonzept ist ein betriebswirtschaftliches Erfordernis, die Regiobus vor weiterem Schaden zu bewahren.“ Man nehme Busdepots weg, nicht den Busstandard. „Wir wollen den Mindeststandard in der Fläche erhalten“, so Wicke weiter. Gleichzeitig machte er sich aber auch dafür stark, dass die Regionsverwaltung alternative Betriebssysteme anbiete. Welche dies konkret sein können, sagte er allerdings nicht.

Petra Rudszuck (SPD) sprach in Richtung Fleischmann von einer „populistischen Argumentation“, die mit seriöser Regionspolitik nichts zu tun habe. „Das Konzept für die Regiobus ist schlüssig.“ Wenn die Regiobus keine Einsparungen habe, bekäme das Unternehmen den öffentlichen Dienstleistungsauftrag nicht. „Das, was wir vorhaben, ist eine Arbeitsplatzgarantie für zehn Jahre“, ergänzte SPD-Verkehrsexperte Karlheinz Mönkeberg. „Unverantwortlich“ sei der Linken-Antrag.

Swantje Henrike Michaelsen (Grüne) lobte die Regiobus für ihr vorgelegtes Konzept, man müsse allerdings auch darauf achten, dass man gerade die Region Springe nicht abhänge und eine „gute Entwicklung“ schaffe. Auch vor dem Hintergrund der Schließung der Notfallaufnahme im Krankenhaus Springe und dem endgültigen Aus der Einrichtung. „Wenn Geld durch das Betriebshofkonzept eingespart wird, ist das nicht Geld, das auf die hohe Kante gelegt wird. Sondern Geld, das helfen soll, das die Regiobus wirtschaftlicher wird“, so FDP-Verkehrsexperte Gerhard Kier.

Regiobus will vier Millionen Euro im Jahr sparen

Hinter dem Betriebshofkonzept steht ein ganzes Bündel von Maßnahmen, um das Unternehmen Regiobus wirtschaftlich auf gesundere Füße zu stellen. Etwa 1,4 Millionen Euro werden laut Wirtschaftsgutachten durch die Neuorganisation der Busdepots eingespart. Durch Verbesserungen bei Prozessen in den Be­triebshöfen, die Reduzierung von Bus-Kilometern im Lini­ennetz um 1,4 Millionen Kilometer im Jahr und der Stadtbahnverlängerung nach Hemmingen kommt die Regiobus nach dem Standortgutachten auf Einsparungen in Höhe von etwa vier Millionen Euro. Die Be­triebskosten reduzierten sich dann auf 56 Millionen Euro im Jahr.

Das ist wichtig, weil die Region den Öffentlichen Dienstleistungsauftrag (ÖDA) an die Regiobus über den Busverkehr 2020 neu vergibt – und bis dahin muss das Unternehmen wirtschaftlicher arbeiten. Anderenfalls muss die Dienstleistung öffentlich ausgeschrieben werden.

Die Betriebshöfe stehen aber auch vor dem Hintergrund auf dem Prüfstand, dass die Regiobus ihre Flotte komplett auf Elektrofahrzeuge umrüstet. Und so kam für Eldagsen etwa heraus, dass dieser Standort „nicht ganz optimal“ sei für E-Busse. Denn der Elektrobus muss 30 Leerkilometer vom Depot bis zur ersten Haltestelle fahren. Wenn Ende 2019 die ersten E-Busse kommen, bedeutet der Standort bei Springe zu viele Leerkilometer. Die Reichweite der E-Busse gilt als begrenzt. Die Sprinter-Linien 300, 500 und 700 sollen zuerst auf Elektro-Antrieb umgestellt werden. Dazu bedarf es einer Ladestation am Raschplatz.

Die Geschäftsführung der Regiobus rechnet mit der Inbetriebnahme des neuen Standorts in Gehrden nicht vor 2021, so lange bleiben die Betriebshöfe in Eldagsen und Wunstorf bestehen.

Von Andreas Voigt