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Meine Stadt Pflegenotstand: Die ersten Altenpfleger aus Jordanien sind da
Hannover Meine Stadt Pflegenotstand: Die ersten Altenpfleger aus Jordanien sind da
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11:27 15.05.2019
Angekommen: Mit dem Lufthansa-Flug 48 hat Dana-Geschäftsführer Yazid Shammout (Vierter von links) die ersten fünf jordanischen Pflegefachkräfte nach Hannover gebracht. Quelle: Dröse
Langenhagen

Als Thaer Eyad Nassar (25) am Dienstagmorgen um 10.12 aus dem Sicherheitsbereich des Terminals A tritt, seinen Kofferwagen in Richtung der elf Mitarbeiter der Dana-Senioreneinrichtungen schiebt, die da auf ihn und seine vier Mitreisenden warten, reißt er den rechten Arm hoch und winkt. Ein Lächeln zieht sich dabei durch sein Gesicht.

Einer der größten Anbieter im Pflegesektor

Es ist eine besondere Reisegruppe, die da um 3.10 Uhr in der Nacht in der jordanischen Hauptstadt Amman gestartet und über Frankfurt nach Hannover geflogen ist. Yazid Shammout setzt seine Hoffnung in sie, der 58-Jährige ist der Geschäftsführer der Dana-Senioreneinrichtungen. Das Unternehmen betreibt 19 Pflegeeinrichtungen in Norddeutschland, davon fünf in Hannover und Isernhagen. Dafür beschäftigt Shammout etwa 1000 Mitarbeiter und ist damit einer der größten privaten Anbieter im Pflegesektor.

Expansion scheitert am fehlenden Personal

Die Auslastung seiner Einrichtungen betrage 98,5 Prozent, sagt der Geschäftsführer, er würde gern expandieren, kann das aber nicht, weil das Personal fehlt. Der Pflegenotstand betrifft auch sein Unternehmen. Aktuell stünden etwa 40 Stellen offen.

In Deutschland findet er keine Mitarbeiter. Dabei hat er bis zu 3000 Euro Willkommensprämie für neue Pflegefachkräfte ausgelobt. In Hannover kommen allerdings aktuell 0,2 Bewerber auf eine offene Stelle in der Altenpflege, weiß Holger Habenicht, der Sprecher der Agentur für Arbeit. Ein Arbeitgeber warte im Schnitt 163 Tage, um eine Stelle neu zu besetzen.

Kosten: 9000 Euro pro Pfleger

Das hilft Yazid Shammout nicht. Darum dachte er sich etwas Neues aus: Im vergangenen Jahr hat er in Jordanien ein Programm gestartet, durch das er jordanische Pfleger für den deutschen Markt rekrutiert und in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut (Deutsch-Kurse), der Deutschen Botschaft (Visa), dem Landessozialamt (Anerkennung von Arbeitszertifikaten) und der Agentur für Arbeit (Kenntnisprüfung der deutschen Pflege) ausbildet. Das kostet etwa 9000 Euro pro Pfleger. „Das lohnt sich für Dana“, betont der Geschäftsführer. „Hier wären das drei Monatsgehälter, die kann ich aber niemandem zahlen, weil mir die Fachkräfte fehlen.“

In Jordanien, das als eines der westlichsten Länder des arabischen Raums gilt, ist Pflege ein Studiengang. Allerdings ist die jordanische Bevölkerung im Schnitt so jung, dass es nicht genug Arbeitsplätze in der Pflege gibt. Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter in Jordanien liegt laut der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit bei 23 Jahren, in Deutschland bei 47 Jahren. Während hier zu wenig Pflegefachkräfte auf zu viele Senioren treffen, sind es in Jordanien zu viele Pfleger für zu wenige alte Menschen. Die gut ausgebildeten Fachkräfte suchen Arbeit. Darum wirkt Thaer Eyad Nassar so glücklich, als er in Langenhagen landet. Er hofft: „Hier beginnt mein neues, schönes Leben.“

16 weitere Pfleger sollen folgen, sobald sie ihre Visa haben. Zwei weitere Jahrgänge lässt Shammout ausbilden. Andere Kliniken hätten schon gefragt, ob er ihnen Pfleger vermitteln könnte.

Von Verena Koll

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