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Meine Stadt Mit Pfiffigkeit gegen den Fachkräftemangel
Hannover Meine Stadt Mit Pfiffigkeit gegen den Fachkräftemangel
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00:17 31.01.2019
In Niedersachsen werden aktuellen Daten zufolge weiterhin vor allem in der Metall- und Elektroindustrie sowie im Gesundheitswesen Fachkräfte gesucht.
In Niedersachsen werden aktuellen Daten zufolge weiterhin vor allem in der Metall- und Elektroindustrie sowie im Gesundheitswesen Fachkräfte gesucht. Quelle: dpa
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Hannover

Immer mehr wird der Fachkräftemangel zur Wachstumsbremse. Auch in der Region. Hiesige Unternehmen, aber auch Kommunen finden gar nicht so viel Bewerber, wie sie brauchen. „Früher haben wir uns einen rausgepickt. Heute zerren wir alle an demselben“, beschreibt Zeitarbeitschefin Tina Voß die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Sie rät zu pfiffigen Ideen, um frei gewordene Stellen zu besetzen.

Früher, so bestätigen Experten, habe der Flurfunk gereicht. „Bei xx wird ein Job frei. Bewirb dich doch mal.“ Inzwischen aber müssten Unternehmen mehr tun, als ein Inserat in einer Zeitung aufzugeben oder bei der Agentur für Arbeit Bedarf anzumelden. „Ohne den Einsatz von Social Media läuft kaum noch was“, sagt Oliver Surrey von der Brunel-Niederlassung.

Der Ingenieurdienstleister beschäftigt in Hannover gut 130 Mitarbeiter. 20 davon kommen inzwischen aus dem Ausland. Der Markt an Software- und Hardware-Entwicklern, Nachrichten- und Elektrotechnikern sei deutschlandweit leer gefegt, berichtet Surrey. Man müsse eben internationales Know-how in die Strukturen und Prozesse einbinden.

Um die Richtigen fürs Team zu finden, nutzt Brunel das Business-Netzwerk Xing ebenso wie Linkedin oder Facebook. Mitarbeiter braucht der Ingenieurdienstleister, der an 40 Standorten präsent ist, vor allem im Bereich Elektromobilität. Beispielsweise für Projekte wie autonomes Fahren in der Region. Surrey versichert bei der Fachkraftsuche: „Wir lieben ungeschliffene Diamanten.“

„Es ist eine wirklich große Herausforderung, gute Leute zu finden“, bestätigt Marco Möhring aus der Personalentwicklung von Komatsu. Bei der einstigen Hanomag (Der Name ist Geschichte) fertigen inzwischen 680 Beschäftigte Bagger, Radlader und Muldenkipper. Montageschlosser, Schweißer und CNC-Maschinenbediener werden gebraucht.

„Wir stocken die eigene Ausbildung auf“, nennt Möhring Konsequenzen des Mangels. Das Unternehmen habe 32 Auszubildende, Absolventen des dualen Studiengangs eingerechnet. „Das wird steigen“, ist seine Prognose.

Mitarbeiter wollen Mehrwert

Als Anreiz zu Komatsu zu kommen, reiche der Hinweise auf das gute Betriebsklima und der Tarifvertrag der IG Metall, meint der Personalmanager. Tina Voß dagegen weiß, dass immer mehr Mitarbeiter nach Mehrwert streben - flexible Arbeitszeiten etwa oder Home Office-Möglichkeiten.

Hinweis der Experten: „Wer Fachkräfte sucht, muss schnell sein mit Zusagen.“ Dass in einer Verwaltung Umlaufmappen mit Bewerbervorschlägen kursieren, sei von gestern. „Fünf Tage Rücklauffrist müssen reichen.“

Eine Suche der anderen Art

Der stellvertretenden Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Hannover imponierte die Facebook-Kampagne eines Metzgermeisters aus Freising. Der schaltete ungewöhnliche Anzeigen. „Berufswunsch: Irgendwas mit Tieren…“, stand über dem Foto einer jungen Frau, die einen Mett-Igel streichelt. Auf einem anderen warb eine Prinzessin mit Krone vor der Wurstauslage: „Hauptrolle für die Schöne und das Beef zu vergeben. Bewirb Dich für eine märchenhafte Ausbildung!“

Metzgermeister Stefan Schütze bot außerdem Benefits. Jeder Auszubildende erhält ein iPhone inklusive Flatrate. Dazu jährlich ein Budget von 400 Euro, dass er ausgeben kann etwa für Sprach-, Koch- oder Schlagzeugkurse. Zudem werden im Job Essen und Getränke gestellt.

Smartphones und Dienstautos garantiert auch Jasmin Arbabian-Vogel in ihrem Pflegedienst mit 150 Mitarbeitern. Natürlich könne sie mehr Fachkräfte einstellen, sagt sie. „Wir sind ein bunter Haufen mit flacher Hierarchie.“ Von den acht Auszubildenden sind sechs ehemalige Flüchtlinge. Ihr sei bei allen Zufriedenheit wichtig, eine vernünftige Balance zwischen Privatleben und Beruf. Und schon das garantiere Erfolg.

Von Vera König