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Meine Stadt Patientin erleidet Sepsis im Krankenhaus
Hannover Meine Stadt Patientin erleidet Sepsis im Krankenhaus
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00:24 09.06.2018
ARCHIV - ILLUSTRATION - Die Statue Justizia ist am 25.01.2011 im Amtsgericht in Hannover (Niedersachsen) zu sehen. Foto: Peter Steffen/dpa (zu dpa "Geplante Strafrechtsreform: Mord muss nicht lebenslang bedeuten" vom 29.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
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Heike Richter (43, Name geändert) hat eine Leidenstortur hinter sich: drei Monate Krankenhaus, sieben Wochen Reha und zweieinhalb Wochen Koma. Der medizinische Gutachter spricht von einem „grobem Behandlungsfehler“. Dafür hat Heike Richter jetzt 100 000 Euro Entschädigung erhalten. „Meine Mandantin ist schwer beeinträchtigt“, sagt ihr Anwalt Michael Timpf. Der Hüftknochen ist geschädigt. Es drohe mittelfristig ein künstliches Hüftgelenk, sagt der Anwalt. Die Füße haben unter der Sepsis (Blutvergiftung) schwer gelitten. Sie könne die Füße nicht mehr richtig abrollen. Die Frau ist berufsunfähig.

1. November 2008: Die Patientin wird wegen einer schmerzhaften Fistel am After operiert. Bei der OP gelangten A-Streptokokken in die Wunde. Das an sich sei noch kein ärztliches Versagen gewesen, so der Anwalt.

Am 4. November wurde die Frau entlassen. Sie war sehr geschwächt. „Mein Mann musste mich mit dem Rollstuhl aus dem Krankenhaus bringen“, sagt die Frau. Sie litt unter Übelkeit. Noch am selben Abend diagnostizierte der Notarzt eine Magen-Darm-Grippe.

Ein fataler Irrtum. Anwalt Timpf: „Hätte sie die Antibiotika-Behandlung sofort bekommen, wäre nichts passiert.“ Am 6. November 2008 wurde Heike Richter ins Nordstadtkrankenhaus eingeliefert. Einen Tag später wurde sie auf die Intensivstation der MHH verlegt. „Ich verdanke den MHH-Ärzten mein Leben“, sagt die Patienthin rückblickend.

Denn sie litt unter einer Sepsis. Die Infektion wurde im Siloah-Krankenhaus nicht erkannt. Dabei hätten Blutwerte und Herzfrequenzmessungen diese Diagnose einfach gemacht. „Das war grob behandlungsfehlerhaft“, befand der Gutachter vor dem Landgericht Hannover.

Allerdings sah er das Verschulden nicht beim Operateur oder dem Notarzt. Es sei ein Problem der Nachsorge gewesen. Daran sei der Chirurg nicht mehr beteiligt gewesen. Und aufgrund der Symptome durfte der Notarzt von einer Magen-Darm-Grippe ausgehen, befand ein zweiter Sachverständiger.

Heike Richter hatte 2011 Klage vor dem Landgericht eingereicht. Ursprünglich hatte sie etwa 150 000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz gefordert. Nun erhält sie auf dem Vergleichsweg 100 000 Euro.

Steffen Ellerhoff, Sprecher des Klinikums, meint zu dem Fall: „Bei der letzten Visite hatte es keine Hinweise auf eine schwerwiegende Erkrankung gegeben.“ Auf Grund der Komplexität des Falls und der nicht immer nachvollziehbaren gutachterlichen Einschätzungen, habe man sich entschlossen, dem Vergleich zuzustimmen.

Von Thomas Nagel

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