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Meine Stadt Parkhäuser: Der Kampf gegen die Verwahrlosung
Hannover Meine Stadt Parkhäuser: Der Kampf gegen die Verwahrlosung
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21:41 17.09.2018
RASCHPLATZ: Dort hat Betreiber Hanova mehr als ein Jahr lang saniert. Zu den Neuerungen gehören eine hellere Beleuchtung und ein neu geregelter Zugang zu den Parkdecks, der nur noch mit gültigem Ticket möglich ist.
Hannover

In der Luft liegt ein ekliger Uringestank, die Wände sind mit Exkrementen beschmiert, Müll liegt auf dem Boden, im Treppenhaus haben Junkies ihre benutzten Spritzen liegen lassen – dieser Zustand hat vor gut einem Jahr dazu geführt, dass der Betreiber OPG das Parkhaus „Am Steintor“ an der Lützowstraße (Mitte) vorübergehend schließen musste (NP berichtete). Die zunehmende Verwahrlosung der Innenstadt durch Menschen aus der Obdachlosen-, Trinker- und Drogenszene macht auch vor Tiefgaragen nicht halt.

Wohnungslose, die in unteren Parkdecks auf mitgebrachten Matratzen oder in Schlafsäcken nächtigen, Rauschgiftkonsumenten, die ihren Stoff in Treppenaufgängen zu sich nehmen, Alkoholiker, die sich zwischen pakenden Autos zum Zechen treffen – all das ist Gift für das Sicherheitsgefühl der Tiefgaragenkunden. Das belegt die Bürgerbefragung „Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum“ der Stadt. Parkhäuser lösen vor allem bei Frauen abends und nachts Unbehagen aus: 69,1 Prozent meiden deshalb diese Bereiche.

Parkhaus am Raschplatz. Quelle: Wilde

Das Unternehmen Hanova, das die meisten Parkhäuser in der City betreibt, hat schon vor einer ganzen Weile reagiert und die drei Sorgenkinder unter den ParkhäusernRaschplatz, Mehl­straße und Andreaestraße – umbauen lassen. Ge­schäftsführer Karsten Klaus sagt, warum: „Wir müssen unsere Kunden schützen und ihnen ein sicheres Gefühl geben.“

Zutritt nur mit Ticket. Quelle: Wilde

Zu den wichtigsten Neuerungen der Hanova-Objekte gehöre, dass der Zugang für Unberechtigte erschwert wurde. Türen lassen sich inzwischen nur noch mit gültigem Parkticket öffnen, berichtet Klaus. Das schränkt den Aufenthalt Unberechtigter schon mal ein. Es gebe inzwischen auch weniger Probleme mit Verunreinigungen durch Müll, Urin und Kot.

Verhindern lässt sich allerdings damit nicht, dass sich die Problemklientel dann vor den (verschlossenen) Türen erleichtert. Das Parkhaus Raschplatz, Zu­gang Volgersweg, ist so ein typischer Ort dafür. In der Unterführung, für die die Stadt zu­ständig ist, ist das öffentliche Urinieren an der Tagesordnung. So riecht es dort sehr zum Leid von Passanten auch.

Wie Hanova hat auch OPG den Zugang zum Parkhaus „Am Steintor“ in der Lützowstraße erschwert – dort ist ebenfalls ein Ticket nötig, um auf vorgeschriebenem Weg ins Objekt zu gelangen. So heruntergekommen wie vor einem Jahr, als das Unternehmen aus Sicherheitsgründen schließen musste, ist die öffentliche Garage aktuell längst nicht mehr: kein Ge­stank, kein Müll, keine benutzten Spritzen. Eine Stellungnahme gab es trotz mehrmaliger NP-Anfrage vom Betreiber dennoch nicht.

Sicherheit, Sauberkeit, Service: Um dies trotz zunehmender Verwahrlosung der hannoverschen Innenstadt zu ge­währleisten, hat Hanova in den kritischen Parkhäusern die An­zahl der Kontrollgänge durch Mitarbeiter erhöht, berichtet Klaus. Für ein höheres Sicherheitsgefühl wurden außerdem zusätzliche Kameratechnik, Notrufschalter und eine neue, hellere Beleuchtung installiert.

Von Britta Mahrholz