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Meine Stadt Auto-Sperre in Fahrradstraße wird wieder abgebaut
Hannover Meine Stadt Auto-Sperre in Fahrradstraße wird wieder abgebaut
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19:00 08.11.2019
Um diese Sperren geht es: Die Betonriegel „Am Grünen Hagen“ verhindern derzeit, dass Autofahrer die Fahrradstraße als Schleichverkehr nutzen. Quelle: Marcel Schwarzenberger
Hannover

Bis zum Wochenende werden die Sperren für Autos in der Fahrradstraße Am Grünen Hagen in Oberricklingen noch stehen. Schon in der kommende Woche könnte es den Betonriegeln aber an den Kragen gehen. Denn der Bezirksrat Ricklingen hat am Donnerstagabend mit klarer Mehrheit entschieden, dass sie bis zum Jahresende verschwinden sollen – erst einmal, um zu testen.

„Wir wollen belastbare Zahlen über die Verkehrsströme, um dann eine Lösung zu finden, die mehr akzeptiert wird“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Erdem Winnicki.

Trennt die Sperre die Stadtteile?

Die Sperren verhindern derzeit, dass Autofahrer die Straße als Abkürzung zwischen dem Baustellen geplagten Ricklingen und Wettbergen nutzen. Verschwinden die Sperren, rechnen Anwohner „Am Grünen Hagen“ damit, dass sie vom „Durchgangsverkehr erdrückt“ werden. Am Wochenende hatten rund 250 Radfahrer für den Erhalt der Sperren in der Fahrradstraße demonstriert.

Rund 250 Radfahrer und Anwohner haben am Wochenende für den Erhalt der Fahrradstraße Am Grünen Hagen demonstriert. Quelle: Michael Wallmüller

Auf der Gegenseite gibt es aber auch mehr als 2000 Unterschriften, die Sven Niemeyer gesammelt hat. „Die beiden Stadtteile Ricklingen und Wettbergen sind durch diese wahnsinnigen Sperren getrennt“, sagt der Wettberger.

Die Betonriegel und Poller wären kein Problem, wenn es nicht drumherum so viele Baustellen gäbe. Die Straße „In der Rehre“ ist noch sechs bis acht Monate vollgesperrt, hier würden sonst die Autos langrollen. „Es geht auch um Existenzen“, sagt Niemeyer. Ein Friseur und ein Kiosk seien durch die Sperre kaum erreichbar. Dem Rewe-Supermarkt fehlen 1500 bis 2000 Kunden in der Woche.

„Slalomfahrt“ und „Labyrinth“ als Alternativen

Die Umleitungen seien keine Alternativen, da sich die Autos dort stauen. Und die Fahrt durch das Oberricklinger Wohngebiet gleiche „einer Slalomfahrt“, sagt Niemeyer. Winnicki spricht von einem „Labyrinth“. Denn neben den Betonriegeln Am Grünen Hagen gebe es noch zwei weitere Sperren. „Wir wollen keinen Schleichverkehr in einer Fahrradstraße, aber wir wollen den Verkehr auch nicht komplett lahmlegen“, sagt Winnicki.

Das Hauptproblem: Wegen der Baustelle „In der Rehre“ ist eine wichtige Straße gesperrt. Quelle: Michael Wallmüller

Michael Dette von den Grünen hat als einer von zwei Politikern gegen den Antrag gestimmt: „Wenn 2000 Menschen die Liste unterschreiben, dann bedeutet das auch, dass die alle dort langfahren wollen. Das wird gruselig, das muss man gar nicht erst probieren.“

Verwaltung muss Beschluss noch umsetzen

Anwohner sehen eine Gefahr für Kinder und Radfahrer. Für sie ist das ein „verkehrspolitischer Wahnsinn“. Auch Dirk Hillbrecht vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) ist enttäuscht. „Hier wird der Autoverkehr auf Kosten schutzbedürftiger Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und Schulkinder bevorzugt.“

Die Verwaltung muss den Beschluss des Bezirksrats nicht umsetzen. Tiefbauamtsleiter Andreas Bode habe aber sowohl Befürwortern als auch Gegnern der Sperren erzählt, dass die Stadt der Entscheidung folgen wird. Offiziell heißt es seitens der Verwaltung, dass sie den Beschluss prüft.

AfD wird aus Antrag noch ausgeschlossen

Der überparteiliche Antrag hatte im Vorfeld für Aufsehen gesorgt, weil diesen die AfD ebenfalls unterschrieben hatte. „Alle außer Grün unterstützen dort eine Partei, die Höcke bürgerlich machen will“, kritisiert der Grünen-Ratsherr Daniel Gardemin bei Facebook.

Winnicki kann den Vorwurf nur bedingt nachvollziehen. „Die AfD war nur Zaungast. Wir haben nie mit ihnen zusammen gearbeitet“, betont er. Im Bezirksrat sei es üblich, dass es häufiger Anträge gebe, die von mehreren Parteien unterstützt und unterschrieben werden. „Ich halte das für Wahlkampf-Getöse“, sagt Winnicki.

Am Donnerstagabend schlossen SPD, CDU und FDP die AfD dann aber doch aus. Sie stellten einen gleichlautenden Änderungsantrag – ohne Unterschrift der AfD. Da dieser angenommen wurde, musste über das Original nicht mehr abgestimmt werden.

Von Sascha Priesemann

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