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Meine Stadt Obdachlose ziehen in Flüchtlingsheime ein
Hannover Meine Stadt Obdachlose ziehen in Flüchtlingsheime ein
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08:31 13.12.2017
Hannover

„Wir freuen uns, dass der Antrag, den wir vor einem Jahr gestellt haben, nun umgesetzt wird“, sagt Diana Rieck-Vogt, Mitglied der CDU-Fraktion im Stadtbezirksrat Mitte. Nun ginge es aber auch darum, dass die gute Nachricht bei den Betroffenen ankomme. Und auch die SPD begrüßt die Maßnahme: „Es ist wichtig, dass Plätze für Obdachlose geschaffen werden“, erklärt Fraktionsmitglied Michael Sandow. Doch man müsse auch weiter denken: „Laut den Kirchenverbänden gibt es immer noch sehr viele Ob­dachlose in der Stadt.“ Für sie müsse die Stadt noch mehr feste Wohnungen bereitstellen und weitere Hilfestellungen anbieten.

Besonders in der kalten Jahreszeit sind sie auf eine trockene und vor allem warme Unterkunft angewiesen: Schätzungsweise zwischen 2000 und 5000 Obdachlose leben in Hannover ohne festen Wohnsitz – und es werden von Jahr zu Jahr mehr: Jährlich steigt ihre Anzahl um rund zehn Prozent.

Für die Stadt bedeutet das: Sie muss auch immer mehr Unterkünfte zur Verfügung stellen. Schließlich soll jeder, der sich bei der Stadt als obdachlos meldet, auch einen Schlafplatz be­kommen.

Nun funktioniert die Verwaltung Unterkünfte um: Wo gerade noch Flüchtlinge leben, sollen schon bald Obdachlose einziehen: „Die Wohnungslosen haben oft nicht so sehr im Fokus ge­standen“, gesteht Marc Schalow, Bereichsleiter für Stadterneuerung und Wohnen bei der Stadt. Und die Flüchtlingssituation habe viele Ressourcen gebunden. Doch nun entspanne sich die Lage: „Wir werden einzelne Flüchtlingsunterkünfte leeren, zusammenfassen und Obdachlosen zur Verfügung stellen“, erklärt Schalow.

Das betrifft zunächst vor allem die Unterkunft am Waterlooplatz. Hier sollen demnächst bis zu 120 Menschen Platz finden, darunter auch wohnungslose Familien. Davon sollen allerdings 50 Betten als sogenannte „Sleep-in“-Plätze genutzt werden. Diese können nur kurzfristig als Notunterkunft für eine Nacht genutzt werden. Schalow stellte auch fest: „Eine dauerhafte Mischbelegung soll es nicht ge­ben.“ Obdachlose und Flüchtlinge sollen auch in Zukunft getrennt voneinander untergebracht sein. Ebenfalls umfunktioniert wird das Hotel Flamme in der Lammstraße. Auch hier sollen vor allem „Sleep-in“-Plätze angeboten werden.

Nicht benötigte Unterkünfte für andere Bedürftige umwidmen – so könnte den Menschen auch in Zukunft praktisch geholfen werden.

Janik Marx