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Meine Stadt Verein baut Holzhütte für obdachlose Hannoveranerin
Hannover Meine Stadt Verein baut Holzhütte für obdachlose Hannoveranerin
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07:00 20.12.2018
Hat wieder ein Dach über dem Kopf: Die Obdachlose Erika Heine bekommt ein Little Home von Sven Lüdecke, Vereinsgründer von „Little Home Köln e. V.“ (rechts) und Marc Petersen, zuständiges Vereinsmitglied für Hannover (links). Quelle: Fotos: Kelz,
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Hannover

Seit drei Jahren ist Erika Heine (62) obdachlos. Nun hat sie wieder ein Dach über dem Kopf, ihr eigenes „Little Home“. 15 Freiwillige bauen seit Mittwoch auf dem Obi-Parkplatz in Linden die kleine Holzhütte.

Was dahintersteckt: „Lit­tle Home Köln e. V.“ ist ein Verein, der die Wohnboxen in ganz Deutschland baut und aufstellt. 65 gibt es bereits, für Hannover ist es die erste.

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Als Heine beim Bauen ihres neuen Heims zuschaut, kann sie es kaum fassen, dass sie die erste Hütte bekommen soll. „Ich bin geflasht“, sagt sie. „Wir mussten Erika quasi überreden, das Geschenk anzunehmen. Sie sagte, anderen ginge es viel schlechter als ihr. Aber genau das macht sie für uns aus“, so Little-Home-Gründer Sven Lüdecke. „Man kennt Erika in Hannover. Sie engagiert sich für Obdachlose, indem sie Pro­bleme auch bei der Politik offen anspricht – auch wenn sie damit aneckt“, so Lüdecke.

Er war extra aus Köln angereist, um an dem Little Home mitzubauen. Patrick Jensen (38) ist vom Chiemsee gekommen. Er war selber Bewohner eines Little Home. Heute hat er eine Wohnung und einen Job – und versucht so viele Wohnboxen in ganz Deutschland mitzubauen wie möglich. Denn er weiß, wie sie helfen: „Die Hütte hat es mir erleichtert, Gänge zum Amt zu machen. Alleine schon, weil ich meine Sachen dort lassen konnte und nicht mitschleppen musste“, erinnert er sich.

Genau da setzt Little Home an: Zwar stünden den Obdachlosen Hilfsangebote vom Staat zu, auch finanziell – jedoch seien die bürokratischen Hürden zu groß, diese in Anspruch zu nehmen. Lit­tle Home sei nicht die Lösung des Problems – „aber eine Lösung vor der Lösung“, so Marc Petersen (45), zuständiges Vereinsmitglied für Hannover.

So sieht das auch Heine: „Alleine zu wissen, wo ich abends schlafen kann, ist eine große Hilfe.“ Besonders für Weihnachten: „Weihnachten bedeutet für Obdachlose nur die Frage, wie kalt es wird und ob man es überlebt oder auf der Straße erfriert. Dieses Jahr überlebe ich, weil ich meine Hütte habe“, sagt sie.

Ihre Wohnbox wird auf einem Kirchengelände stehen. Wo das ist, wird zum Schutz der Bewohnerin nicht verraten. Aber dafür, wie ihre Hütte ausgestattet ist: mit einer Matratze, einem Regal, Erste-Hilfe-Set, Feuerlöscher, Campingtoilette, Waschbecken und Arbeitsfläche mit Kochmöglichkeit. „Das ist das größte Weihnachtsgeschenk“, so Heine.

Massive Kritik der Stadt

„Little Home“ – ein Konzept, das funktioniert? Nicht alle sind davon überzeugt. Die Stadt Hannover kritisiert den Verein massiv. Auf NP-Anfrage teilte sie ihre Position mit: „Die angebotenen Unterbringungen sind weder ein Bestandteil der Arbeit der Wohnungsnotfallhilfe noch eine menschenwürdige Unterbringung nach Ordnungsgesetz.“ Die fachlich anerkannten Standards für die Notunterbringung würden bei weitem und in verschiedenen Aspekten unterschritten. Eine Nutzung als vorübergehender Wohnraumersatz entspreche in seiner Art und Größe nicht der Menschenwürde. Diese Sichtweise werde auch von anderen engagierten Organisationen in der Region geteilt.

Von Josina Kelz