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OB-Wahl 2019 Endspurt für Scholz – mit Lächeln und Rosinenbrötchen
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17:09 07.11.2019
Einsatz am Lister Platz:Eckhard Scholz verteilt Werbung an Passanten. Quelle: Foto: Dröse
Hannover

Es gibt bessere Bedingungen für Wahlkampf. Nass ist es, acht Grad sagt das Thermometer. Der Kandidat eilt heran, Regentropfen auf der Brille. Wahlkampf-Endspurt für Eckhard Scholz – mit Rosinenbrötchen und Lächeln. Eben war er noch in Misburg. Jetzt hat sich der frühere VWN-Chef am Lister Platz postiert. „Sonntag, Stichwahl – und einen schönen Tag!“, sagt der von der CDU aufgestellte Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters und drückt den aus der U-Bahnstation hastenden Passanten an diesem ungemütlichen Mittwochmorgen die Backwaren in die Hand.

Ein Heimspiel ist der Auftritt nicht – anders als am Tag zuvor die Brötchenaktion vor dem Werkstor von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Stöcken, wo Scholz sechs Jahre lang Chef war. Die List hingegen ist vor allem in grüner Hand. 40,4 Prozent gaben in der ersten Runde Konkurrent Belit Onay ihre Stimme, Scholz selbst kam auf 26,8 Prozent. Zuspruch für ihn gibt es dennoch. „Sie strahlen so eine Freundlichkeit aus“, lobt eine Passantin und geht weiter. „Meine Stimme haben Sie“, ruft sie noch.

Händeschütteln, Hausbesuche – das war für Scholz Neuland

Wahlkampf – das war anfangs Neuland für Scholz. Im Juni stellte die CDU ihren Kandidaten für das OB-Amt der Öffentlichkeit vor, im Juli wurde der auch heute noch Parteilose offiziell nominiert. Seitdem ist Scholz auf Tour durch Hannovers 51 Stadtteile. Händeschütteln, Hausbesuche – „da muss man sich erst einmal überwinden“, räumt der 55-Jährige ein.

Die Fähigkeit, einen Wahlkampf zu organisieren, strategisch zu planen und sein Team dafür zu begeistern, habe er als früherer Manager mitgebracht. „Aber wenn man dann vor einer Haustür steht und überhaupt nicht weiß, wie die Menschen dahinter reagieren, ist das etwas ganz anderes“, sagt Scholz. Mittlerweile mache aber „genau das am meisten Spaß. Die meisten freuen sich, mich zu sehen“, berichtet er.

Aus Wochenmarkt-Fehler gelernt

Und aus Fehlern zu lernen, sei wichtig. Einen machte Scholz gleich am Anfang seiner Kampagne, auf einem Wochenmarkt. Ohne sich zuvor den Händlern vorzustellen, verteilte er Infozettel, führte Gespräche mit Besuchern des Marktes. Das kam nicht gut an bei den Händlern. „Die erwarten das, dass man sich vorstellt“, sagt Scholz. Machte er dann auch immer brav.

In Sorge: Cornelia Dietrichs hat beobachtet, dass immer mehr alteingesessene Geschäfte von der Lister Meile und Mieter aus Wohnungen in der List verdrängt werden. Sie hofft, dass Eckhard Scholz das Problem lösen kann. Quelle: Dröse

Ein offenes Ohr für die Sorgen der Bürger muss der Kandidat auch haben. Cornelia Dietrichs (39) macht die Entwicklung der Lister Meile Angst. „Viele alteingesessene Geschäfte mussten schon schließen“, berichtet sie. Auch immer mehr Familien „fliegen aus ihren Wohnungen in der List raus“. Sie selbst habe auch kürzlich eine Mieterhöhung bekommen. Für Scholz „ein generelles Problem“. Eines, das er anpacken wolle. Die ungebremst steigenden Mieten „verändern den Charakter von ganz Hannover“, warnt der OB-Bewerber. „Ich hoffe, er kann das lösen“, sagt Cornelia Dietrichs.

„Nur noch Vollgas“ in den letzten Tagen

Scholz ist davon überzeugt. Allerdings muss er dazu erst einmal den Sprung in Hannovers Rathaus schaffen. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Madsack Mediengruppe kam er zuletzt nur auf 44 Prozent der Stimmen, der Grüne Onay auf 56 Prozent. Im ersten Wahlgang hatten beide noch gleichauf bei 32,2 Prozent gelegen. „Da schluckt man erst einmal und ist ein paar Stunden deprimiert. Aber wir haben das schnell in neue Energie umgesetzt“, berichtet er. „Total motiviert“ sei sein Team. „Nur noch Vollgas“ wolle er in den nächsten Tagen geben. An diesem Mittwoch geht es gleich weiter zu einem Interview mit dem NDR, danach zum Wahlkampf auf den Aegidientorplatz, am Abend steht eine Diskussion mit Onay bei Verdi an.

Ihn hat er überzeugt: In der ersten Runde stimmte Rolf Herwig (rechts) noch für SPD-Mann Marc Hansmann. In der Stichwahl setzt er nun auf Eckhard Scholz. Quelle: Dröse

Scholz glaubt an seine Chance, trotz Umfrage-Rückstand Hannovers Oberbürgermeister zu werden. Er setzt auf die Stimmen vieler unentschlossener Wähler – so wie die von Rolf Herwig. Er hatte in der ersten Runde SPD-Mann Marc Hansmann die Stimme gegeben. Der 81-Jährige zeigt sich überrascht, dass er den in der Stichwahl gar nicht wählen kann. Herwig glaubt zwar, dass „die Grünen im Vormarsch sind“. Seine Stimme will er am Sonntag nun aber Scholz geben.

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Scholz: Onay heißt weiter mit Rot-Grün

Auch Fabian Memer ist unentschlossen. Während seine Freundin Jacqueline Benjamin schon entschieden hat, dass sie erneut für Scholz stimmen will. „Der Sicherheitsaspekt hat mich angesprochen. Ich wohne in der Oststadt und gehe allein ungerne über den Raschplatz“, erzählt sie. Memer will sich stattdessen „noch ein bisschen mehr informieren“. Ihm gefällt zum Beispiel Onays Idee der autofreien Innenstadt, die Scholz ablehnt.

Seinem Konkurrenten, so glaubt Scholz, könne die Wahlempfehlung der SPD noch auf die Füße fallen. „Der Aufbruch ist abgeblasen“, sagt er und spielt damit auf Onays zentralen Kampagnen-Slogan an. Er könne sich „nicht vorstellen, dass die Leute weiter Rot-Grün wollen“. Viel müsse sich ändern in der Verwaltung. Diese brauche eine „starke Hand und Führung“, um die wichtigen Themen wie bezahlbares Wohnen, Sicherheit sowie Mobilität und Umweltschutz anzugehen. Scholz ist sich sicher, dass er das mit seiner Mangement-Erfahrung besser hinbekäme als der 38-jährige Onay. „Aber wer auch immer es wird – er wird keine Langeweile bekommen“, sagt er.

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