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OB-Wahl 2019 Endspurt für Onay – auf türkisch am Mühlenberg
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18:21 07.11.2019
Im Gespräch: Der grüne OB-Kandidat Belit Onay stellt sich am Mühlenberg den Fragen der Bürger. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Der Mühlenberg in Hannover – das ist für die Grünen ein bisschen so wie der Osten auf Bundesebene. So positiv der Trend auch sein mag: Dort sehen sie nur wenig Land. Auch ihr Oberbürgermeister-Kandidat Belit Onay holte dort in der ersten Runde nur 13,4 Prozent der Stimmen. Sein schlechtestes Ergebnis in der ganzen Stadt. Für einen Wahlkampfauftritt dort nur wenige Tage vor der Stichwahl hat er sich dennoch entschieden. Am Mittwochnachmittag schaute er auf dem Mühlenberger Markt vorbei.

Der Stadtteil gilt als Brennpunkt. Die Zahl derer, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, ist groß. Die Zahl der Migranten auch. Ebenso der Frust bei vielen. „Warum soll ich zur Stichwahl gehen? Warum?“, sagt ein älterer Mann, zuckt mit den Schultern und geht weiter. „Schön Sie hier zu sehen. Ich hatte schon gedacht, alle anderen Parteien hätten den Mühlenberg schon aufgegeben. Die AfD ist sonst mit acht Mann hier“, erzählt eine Frau den Grünen, die gerade dabei sind, den Wahlstand für Onay aufzubauen.

Am Mühlenberg sind Stimmen zu holen

Flyer, Buntstifte und Jutebeutel werden ausgelegt. Darüber ein Sonnenschirm in Parteifarben gespannt, der heute eher den Regen abhalten muss. Dann kommt mit großen Schritten der Kandidat. Ein Heimspiel ist der Mühlenberg für ihn anders als die drei Lindener Stadtteile, in denen er in der ersten Runde schon die absolute Mehrheit holte, nicht. Dort war Onay am Sonntag auf Kneipentour mit der Grünen Bundeschefin Annalena Baerbock, am Dienstag auf dem Lindener Markt unterwegs – die Stammwählerschaft muss schließlich für die Stichwahl mobilisiert werden.

Zu holen gibt es am Mühlenberg dennoch etwas. Denn der Stadtteil ist aktuell eine der letzten SPD-Hochburgen in Hannover. Ihr Kandidat Marc Hansmann erhielt dort in der ersten Runde der Wahl 35 Prozent der Stimmen. Viele Wähler also, die sich in der Stichwahl neu orientieren müssen. Kein Wunder, dass auch die CDU zur selben Zeit mit einem Team auf dem Markt unterwegs ist, wenn auch ohne ihren Kandidaten Eckhard Scholz.

Smalltalk auf türkisch und russisch am Mühlenberg

Onay ist im Vergleich allerdings klar im Vorteil: Er spricht türkisch, das für viele in dem Multikulti-Stadtteil Muttersprache ist. Ein bisschen Smalltalk hier, ein paar warme Worte dort. Onay fliegen auf dem Markt Herzen zu. Die der Yildirims sowieso. „Wir werden ihn alle wählen, die ganze Familie. Wir haben viel Gutes über ihn gelesen und würden uns so freuen, wenn er es schafft“, erzählt Necla Yildirim, die seit 1978 in Deutschland lebt und dank eines deutschen Passes am Sonntag wahlberechtigt ist.

Hand drauf: Die Stimme von Gemüsehändler Ali Cuskan hat Belit Onay am Sonntag sicher. Quelle: Rainer Dröse

„Er ist zu einhundert Prozent mein Kandidat“, sagt auch Gemüsehändler Ali Cuskan. Onay kennt er schon lange vom Klagesmarkt, wo der Grüne regelmäßig einkaufen geht. Der kann im Wahlkampf am Mühlenberg sogar ein paar Brocken russisch an den Mann bringen. „Ich habe ein Jahr in St. Petersburg studiert“, berichtet er.

Onay: Umfrage-Vorsprung „nur ein Stimmungsbild“

Ein Mann mit türkischem Migrationshintergrund könnte Hannovers Oberbürgermeister werden. Mit Onay verbindet sich für Migranten auch die Hoffnung auf Aufstieg. „Es ist für viele ein Signal. Ich bekomme allerdings auch von vielen nicht-türkischen Migranten eine Menge Zuspruch. Und auch viele Menschen ohne Migrationshintergrund sehen darin ein wichtiges Zeichen“, sagt der Grüne.

Viel Zuspruch bei Migranten: Familie Yildirim will Belit Onay geschlossen wählen. Quelle: Rainer Dröse

Er wolle „ein Oberbürgermeister für alle sein“, versichert Onay immer wieder. Die Chancen stehen gut, dass das klappt. Eine Forsa-Umfrage sah den Grünen zuletzt mit 56 Prozent der Stimmen vor CDU-Kandidat Eckhard Scholz mit 44 Prozent. Onay selbst will sich darauf aber nicht ausruhen. „Es ist nur ein Stimmungsbild, aus dem am Sonntag Stimmen werden müssen“. Auch am Mühlenberg.

OB-Wahlkampf „ganz anders“

Onay weiß, dass der Stadtteil Probleme hat. Bezahlbare Wohnungen sind für ihn ein großes Thema, außerdem die soziale Spaltung der Stadt. „Genau deshalb bin ich hier. Ich gehe nicht nur in die grünen Hochburgen“, erklärt er. Noch bis Samstagabend will er richtig Gas geben. Wahlkampferfahrung hatte Onay zwar schon als Landtagsabgeordneter und ehemaliges Mitglied von Hannovers Rat. Der OB-Wahlkampf sei für ihn aber noch einmal „ganz anders“, eine „sehr auf die Person fokussierte Wahl“ mit „sehr viel mehr Aufmerksamkeit“.

Allein rund 30 Podiumsdiskussionen habe er neben unzähligen weiteren Wahlkampfterminen mit den anderen OB-Kandidaten geführt. „Da muss man auch mit der Energie haushalten, um das durchzustehen“, sagt der Grüne, der sich deshalb auch Freiräume genommen hat. „Einfach mal in Ruhe Mittag essen oder mit dem Sohn schwimmen gehen, das ist wichtig“, erzählt er. Nur mit dem Joggen habe es zuletzt nicht mehr geklappt. Gut möglich, dass dafür auch künftig die Zeit fehlt – wenn tatsächlich der erste Grüne Hannovers Oberbürgermeister werden sollte.

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Von Christian Bohnenkamp

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