Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
OB-Wahl 2019 Wer räumt jetzt bei Hannovers SPD auf?
Hannover Meine Stadt OB-Wahl 2019 Wer räumt jetzt bei Hannovers SPD auf?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:30 28.10.2019
Abend des Desasters: Der gescheiterte OB-Kandidat Marc Hansmann (links) und SPD-Chef Alptekin Kirci müssen bei der Wahlp arty der Sozial demokraten in der Nordkurve eine klare Niederlage eingestehen. . Quelle: Foto: Kutter
Hannover

„Abhaken die bittere Niederlage – jetzt um die Zukunft kämpfen.“In Telefongesprächen und Kurznachrichten haben sich große Teile der hannoverschen Sozialdemokraten am Abend der OB-Wahl und am Morgen danach Mut gemacht. Doch nach der Niederlage ihres OB-Kandidaten Marc Hansmann (der es mit einem Stimmenergebnis von 23,5 Prozent nicht in die Stichwahl schaffte) gerät die einstmals so stolze Partei in einen gefährlichen Strudel.

Kritik an Kirci

Der deutete sich schon an, als Vorsitzender Alptekin Kirci ankündigte, Mitte Januar auf dem SPD-Parteitag nicht mehr kandidieren zu wollen. „Mich hat schon immer gestört, wie Politiker in Berlin auf Wahlniederlagen reagieren“, sagte Kirci der NP. „Egal, wie schlecht ihre Ergebnisse sind – alle machen weiter.“ Zu einer solchen Spezies wolle er nicht gehören. Doch dem Ex-SPD-Landtagsabgeordneten Michael Höntsch reicht dieser Entschluss von Kirci längst nicht. Er formulierte es gestern in aller Schärfe so: Kircis „Erklärung, im Januar nicht wieder für den Vorsitz anzustreten, reicht nicht aus. Er sollte besser sofort gehen. Es reicht. Kirci richtet diese stolze Partei vor Ort zu Grunde.“ Und noch bevor jemand Zweifel an den Motiven für diese überddeutliche Kritik äußern könnte, erklärt sich Höntsch auch dazu: Das „hat nichts damit zu tun, dass ich mein Landtagsmandat gegen ihn verloren habe.“

Dass der SPD-Kandidat Hansmann im ersten Wahlgang mit einem Unterschied von gut 17.000 Stimmen zu den Gewinnern Onay und Scholz abgeschlagen wurde, hat die Sozialdemokraten ganz offensichtlich tief erschüttert. Erstmals in 73 Jahren werden sie im Rathaus nicht mehr den Oberbürgermeister stellen. Nach der Rathausaffäre und der Anklage wegen Untreue ist Stefan Schostok vorerst als Letzter seiner Art abgetreten.

Besonders deutlich waren weder die Partei noch ihr OB-Kandidat zum früheren Verwaltungschef auf Distanz gegangen. In der Zentrale an der Odeonstraße hieß die Botschaft, die Mehrheit der Bürger fänden, Schostok sei mit dem Rücktritt als OB gestraft genug. Er sei nett – und deswegen müsse es jetzt auch mal gut sein mit all den Attacken.

Eine Partei ohne Plan B

War’s sträflich, dieser Botschaft zu vertrauen? Irgendwie hatte sich längst der Eindruck zementiert, Schostok und die Rathausaffäre seien nur Teil eines Systems, das Eckhard Scholz „Monokultur“ nennt und andere Filz. Dem früheren Stadtkämmerer Marc Hansmann haben viele nicht so richtig abgenommen, dass er nicht nur kompetent, sondern auch korrekt ist und war.

Am Abend des Desasters hatte die Partei nicht nur einen traurigen Kandidaten und einen Vorsitzenden auf Abruf – sondern vor allem keinen Plan B. Das musste sich Kirci morgens schon in der Parteizentrale erzählen lassen. Viel zu hektisch sei der angekündigte Verzicht auf eine neue Kandidatur gewesen. Die SPD müsse sich erst mal selbst finden, bevor sie einen neuen Vorstreiter zu finden vermag. Hätte er sich also in dieser Frage stärker zurückhalten müssen? Oder muss er sofort zurücktreten, wie Höntsch fordert? Die Meinungsschere geht alleine in dieser Frage weit auseinander.

Tatsächlich ist aber auch niemand in Sicht. Keiner, der wie vielleicht Kevin Kühnert auf Bundesebene für Aufbruch steht. Und während sich verdiente Sozialdemokraten noch die Wunden lecken, zieht sie der Strudel weiter runter.

Auch die Fraktionschefin will nicht mehr

Fraktionschefin Christine Kastning hat abgekündigt, nach der Stichwahl ihr Amt niederlegen zu wollen. Bei der Kommunalwahl 2021 will die Lindenerin gar nicht erst antreten. Auch Kircis Stellvertreterin Heiderose Kelich will nicht mehr und hat nach NP-Informationen die Brocken hingeschmissen.

Als Fraktionschef bietet sich derzeit Vize Jens Menge an. Sein Kollege Lars Kelich hält sich zwar nach NP-Informationen für besser geeignet, hat nach dem Eindruck vieler aber in der Rathausaffäre viel zu lange den Schulterschluss mit Schostok geübt. Kelich poltere, Menge könne vermitteln, heißt es.

Schwieriger wird die Suche nach dem Parteichef oder der Chefin. Zehn Wochen bleiben nur Zeit. Wer hat Lust, einen Scherbenhaufen zu übernehmen? Wer steht so glaubwürdig für Erneuerung, dass die SPD bei der Kommunalwahl 2021 nicht ein noch größeres Debakel erlebt?

Lesen Sie auch

Von Vera König

OB-Wahl 2019 Kommentar zu Hannovers SPD Wo bitte bleibt die Lichtgestalt?

Planlosigkeit, gefolgt von Ratlosigkeit nach der OB-Wahl: Die SPD ist aus dem Rennen, OB-Kandidat Marc Hansmann ist gescheitert. Doch anstatt eine Wahlempfehlung für die Grünen auszusprechen, denken die Genossen wohl bereits an die Kommunalwahl 2021. Strategisch nicht der beste Schritt, meint NP-Redakteurin Vera König in ihrem Kommentar.

28.10.2019

Weit abgeschlagen – und womöglich doch entscheidend: Die Kandidaten, die nur wenig Stimmen erhielten, können die Oberbürgermeister-Stichwahl in Hannover beeinflussen. Doch einige wollen sich noch nicht festlegen.

28.10.2019

Nach dem Desaster bei der OB-Wahl ziehen prominente Sozialdemokraten die Reißleine. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Christine Kastning tritt zurück. Auch Parteichef Alptekin Kirci steht nicht mehr zur Wahl.

28.10.2019