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Meine Stadt Mittelstand investiert zu wenig in Digitialisierung
Hannover Meine Stadt Mittelstand investiert zu wenig in Digitialisierung
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17:22 27.11.2018
ZUKUNFTSGESCHÄFT: Digitalisierung.
ZUKUNFTSGESCHÄFT: Digitalisierung. Quelle: dpa
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Hannover

Von „Arbeit 4.0“ und der damit verbundenen Digitalisierung reden viele – aber nur wenige mittelständische Unternehmen in der Region investieren in dieses Zukunftsfeld. Die HypoVereinsbank hat die Daten berechnet. Im Jahr 2016 gaben die Unternehmer für Digitalisierung nur 176 Millionen Euro aus.

Dieser Betrag macht ein Zwölftel der Neuinvestitionen für Bauten und Anlagen aus. Pro Firma liegt der Aufwand bei 18.000 Euro. „Da besteht großer Handlungsbedarf“, findet Gregor Pierzyna, Leiter des Firmenkundengeschäfts. Vor allem im Gesundheitswesen, der Logistik oder dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe blieben viele Chancen ungenutzt.

Wer Geld in die Hand nimmt, steckt es meistens in die reine Erneuerung von IT-Strukturen. Dass Digitalisierung dabei hilft, Know-how aufzubauen, Marketing- und Vertriebskonzepte zu erneuern oder Workflows zu modernisieren, werde viel zu wenig beachtet.

Um Investitionen zu finanzieren, müssten die Mittelständler gar nicht Rücklagen oder laufende Einnahmen nutzen, so der Experte. Nur vier Prozent nehmen Bankkredite auf. Dabei hilft die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) sogar mit Bürgschaften oder Haftungsfreistellungen.

Was das bringt, hat laut Pierzyna ein Gebäudereinigungsunternehmen erfolgreich bewiesen. Die Mitarbeiter hatten ein unterschiedliches Bildungsniveau. Einige sprachen kaum Deutsch. Durch die Kostenkalkulation waren ein einheitlicher Reinigungsstandard und eine Zeit vorgegeben.

Die Firma kam von sich aus auf die Idee, das Problem mit Digitalisierung zu lösen. Nach umfangreicher Beratung gab der Kunden 250.000 Euro an Gerätekosten aus plus Geld für Einarbeitung und Projektierung. Jetzt, so Pierzyna, habe jede Reinigungskraft ein firmeneigenes Handy. Über eine App mit einer Auswahl von 18 Sprachen gebe es die Anleitung.

An jeder Tür hängt dann ein Barcode. Die Strichschrift sagt, was zu tun ist: Papierkörbe leeren, Boden saugen ... Durch die klaren Anweisungen lasse sich der Zeitaufwand reduzieren, die Einarbeitung von Vertretungen seien unnötig, berichtet der Banker über das Fallbeispiel. Dem habe auch der Betriebsrat zugestimmt – obwohl der Arbeitseinsatz kontrollierbar wird.

„Dieser Einsatz wäre in vielen Bereichen erforderlich“, ist das Ergebnis der Studie. Nur so ließen sich Geschäftsmodelle weiterentwickeln und neue Geschäftsfelder erschließen.

Von Vera König