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Meine Stadt Nordkurve: 96-Fan mit Glühwein verbrüht
Hannover Meine Stadt Nordkurve: 96-Fan mit Glühwein verbrüht
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00:17 29.06.2018
Quelle: dpa
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Unfall oder Vorsatz? Diese Frage muss Amtsrichterin Catherina Erps klären. Es geht um einen Zwischenfall beim 96-Heimspiel gegen den FC Heidenheim am 2. Dezember 2016. Klar ist: In der Halbzeitpause landete heißer Glühwein im Auge von Torsten Klimt (53, Name geändert). Seitdem leidet der Mann unter Schmerzen im linken Auge und einer verringerten Sehkraft. Dafür verlangt er 1700 Euro Schmerzensgeld von Torben Müller (19, Name geändert).

Doch ist der Kläger selbst Schuld? Das Amtsgericht Wennigsen stellte das Verfahren gegen Torben Müller ein. Der Amtsrichter sah die Unschuld des Angeklagten als erwiesen an. Er musste aber 300 Euro Schmerzensgeld an Torsten Klimt zahlen. Ein Vergleich im Zivilverfahren scheiterte am Dienstag. Torsten Klimt wollte auch die Haftung für die Folgeschäden festgestellt wissen.

Tatort Nordkurve Unterrang: Torsten Klimt stellte sich in der langen Schlange in der Halbzeitpause an. An ihm gingen ein paar Fans vorbei und holten sich die Getränke. „Die können sich nicht richtig anstellen“, sagte er in Richtung der 96-Fans. Torben Müller fühlte sich angesprochen. Ein Wort gab das andere. Gerangel. „Dann hat er mir den Glühwein ins Gesicht geschüttet“, sagt der Kläger. Für kurze Zeit war er nach der Attacke blind. Er fürchtet, dass die Hornhautverletzung bleibende Schäden verursachen könnte.

Sein Kontrahent stellt die Sache etwas anders dar. „Er hat mich als Wichser beschimpft und mich geschubst.“ Dann habe er zurück geschubst, dabei sei Glühwein verschüttet worden. Es sei keine Absicht gewesen, den 53-Jährigen im Gesicht zu treffen.

War es so? Unmittelbar nach dem Vorfall sagte Torben Müller bei der Polizei: „Ich wollte eigentlich seine Brust treffen.“ Klingt irgendwie nach Vorsatz. Gestern relativierte er seine frühe Aussage: Er habe das nur gesagt, weil man ihm nichts Anderes geglaubt hätte. Außerdem war er wohl auch eingeschüchtert von der Situation: An der Wand habe ein Plakat mit Ultras gehangen. Der Polizist habe dazu gesagt: Wir kriegen sie alle. Torben Müller: „Da habe ich angefangen zu weinen.“

Urteil 31. Juli

Von Thomas Nagel