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Meine Stadt Nexans schließt sein Werk in Hannover
Hannover Meine Stadt Nexans schließt sein Werk in Hannover
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00:19 27.01.2019
Nexans am Kabelkamp.
Nexans am Kabelkamp. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Der Kabelhersteller Nexans schließt sein Werk in Hannover – das erfuhr die mehr als 500 Köpfe zählende Belegschaft gestern Morgen per Mitteilung von Konzernchef Christopher Guérin. Was letzte Woche noch ein Gerücht war (NP berichtete), hat sich nun bestätigt. Nach Unternehmensangaben wurden die Mitarbeiter dann in einer Versammlung zur Mittagszeit „über die geplante Restrukturierung des Konzerns“ und „die Auswirkungen auf Deutschland und den Standort Hannover“ informiert. Danach war Feierabend – die Geschäftsführung gab der Belegschaft für den Rest dieser Arbeitswoche frei.

„Dass in Paris die Schließung beschlossen wurde, ist böser und ungehemmter Kapitalismus, der nur auf den Aktienkurs guckt und nicht auf die 500 Beschäftigten und ihre Familien und die mittelfristigen Chancen des Standortes Hannover“, sagt Dirk Schulze, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hannover. „Diese Entscheidung ist weder wirtschaftlich noch menschlich nachvollziehbar.“ Laut Gewerkschaft sollen an den anderen deutschen Standorten weitere 100 Jobs wegfallen.

Hoffnung für 34 Beschäftigte

Details des Schließungsplans sind noch nicht bekannt, angeblich will das Management die Schließung bis Mitte nächsten Jahres erledigt haben – beginnen soll „der schrittweise Abbau der Produktion in Hannover“ laut Nexans noch in diesem Sommer. Wie alles abläuft, hängt von den nun anstehenden Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan ab.

Nexans lässt einen Teil der Mitarbeiter hoffen, denn ein Teil der Jobs soll nicht gestrichen, sondern nach Belgien verlagert werden: Das Werk in Charleroi erfülle „alle erforderlichen Voraussetzungen zur Produktion von Hochspannungskabeln“. Konkret besteht Hoffnung für „34 Arbeitsplätze im Bereich Projektmanagement und Projektausführung“.

Das Management erklärt, man habe alles gründlich analysiert, habe verschiedene Szenarien durchgespielt und sei letztlich zu dem Schluss gekommen, „dass die jetzt beabsichtigten Maßnahmen einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit von Nexans leisten können“.

Kampfansage

„Wir sind geschockt über die Entscheidung aus Paris, dass aufgrund von kurzfristiger Profitorientierung ein Traditionsunternehmen mit zukunftsfähiger Ausrichtung geschlossen werden soll“, erklärt Bernd Rösinger, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Nexans in Hannover. Es sei „unbegreiflich und ein Schlag in die Gesichter der Beschäftigten.“ Denn in den vergangenen vier Jahren seien „über 17 Millionen Euro in die Modernisierung des Standorts investiert und die Kollegen für die neuen Maschinen qualifiziert“ worden. Rösinger fragt: „Für was? Für die Schließung des Standortes?!“

Einfach will es die Gewerkschaft dem Konzern nicht machen: „Wir werden gemeinsam mit den Beschäftigten um die Arbeitsplätze und den Standort kämpfen. In den nächsten Tagen und Wochen werden Aktionen folgen“, kündigte Gewerkschaftssekretär Frank Mannheim an, der einst selbst bei Nexans ausgebildet worden ist.

Unternehmen mit langer Tradition

Nexans hat weltweit rund 26 000 Beschäftigte, etwa 2500 in Deutschland mit Standorten in Hannover, Brahmsche, Nürnberg, Rheydt (bei Mönchengladbach) und Neunburg vorm Wald (Bayern).

Das Werk Hannover gehört seit dem Jahr 2000 zu Nexans, war davor Teil des Alcatel-Konzerns, firmierte davor als Kabelmetal Electro GmbH, war Teil des Bergbau- und Stahlkonzerns Gutehoffnungshütte und ist letztlich der Nachfolger der im Jahr 1900 in Hannover von den Gebrüdern Berliner (Grammophon-Erfinder) gegründeten Hackethal-Draht Gesellschaft, die zunächst vor allem Telefonleitungen herstellte.

Von Ralph Hübner