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Meine Stadt Nexans-Aufsichtsrat vertagt Entscheidung über Schließung
Hannover Meine Stadt Nexans-Aufsichtsrat vertagt Entscheidung über Schließung
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16:55 28.01.2019
Nexans-Mitarbeiter protestieren am Flughafen für den Erhalt ihres Werks.
Nexans-Mitarbeiter protestieren am Flughafen für den Erhalt ihres Werks. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Sie machten ordentlich Krach vor dem Maritim Airport Hotel in Langenhagen. Etwa 250 Mitarbeiter des Kabelherstellers Nexans, dessen Werk in Vahrenheide geschlossen werden soll, pfiffen zur französischen Nationalhymne in ihre Trillerpfeifen. Die Beschäftigten und die Gewerkschaft IG Metall hofften, dass der Krach bis in den Konferenzraum einige Etagen höher dringt. Dort hatte sich die deutsche Konzernspitze des französischen Unternehmens und Arbeitnehmervertreter zur Aufsichtsratssitzung versammelt.

Und aus dieser Sitzung gab es zumindest keine schlechten Nachrichten für die rund 500 Beschäftigten des Werks im Industriegebiet am Kabelkamp: Die zwölf Mitglieder des Aufsichtsrats haben die endgültige Entscheidung über den Standort Hannover vertagt. Die Arbeitnehmervertreter hatten mehr Zeit erbeten und wollen einen Sachverständigen hinzuziehen. „Das ist ein Teilerfolg“, sagte Frank Mannheim, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat sitzt. Nexans-Betriebsratsvorsitzender Martin Weick hatte dem Aufsichtsrat zudem eine Liste mit 2500 Unterschriften überreicht, die sich gegen die Schließung des Werks in Hannover aussprechen.

An der Sitzung hatte auch noch Nexans-Personalschef Dietmar Haas teilgenommen, der das Unternehmen aus „persönlichen Gründen“ verlassen wird. Das nächste Treffen des Aufsichtsrats soll am 13. März stattfinden.

Gewerkschaft greift Kozernspitze

Darauf hatten die Nexans-Arbeiter gehofft. Denn obwohl sie am vergangenen Donnerstag bei der Betriebsversammlung die Mitteilung erhalten hatten, dass das Werk in Hannover geschlossen wird, sehen sie noch eine Chance. „Die Würfel sind noch nicht gefallen“, sagt der langjährige Betriebsratsvorsitzende Rolf Homeyer. Der Rentner unterstütze seine früheren Kollegen bei der Demonstration am Flughafen-Hotel. Genauso wie mehrere Arbeiter von Volkswagen. „Ihr seid nicht alleine“, sagte Timo Stiller, stellvertrender Vertrauenskörperleiter bei VW Nutzfahrzeuge.

Nexans-Mitarbeiter protestieren am Flughafen

IG Metall griff die französische Konzernspitze von Nexans erneut heftig an. „Das ist Kapitalismus der ganz bösen Art. Paris schaut nur auf den Aktienkurs, nicht auf die 500 Beschäftigten und ihre Familien“, sagte Dirk Schulze, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft. Das Werk am Mittellandkanal zu schließen, sei „dumm“. Schließlich soll die geplante Gleichstromtrasse Suedlink durch die Region Hannover führen. „Da würde es nur Sinn ergeben, dass ihr die Kabel dafür herstellt“, sagte Schulze zu den Beschäftigten.

Kritik an Althusmann

Kritik gab es auch für Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. Der CDU-Politiker hatte gesagt, dass die Nexans-Beschäftigten „aufgrund der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften insbesondere im Bereich der Metallverarbeitung und Elektronik auch bei anderen Unternehmen gute Chancen“ hätten. Der Satz erntete zahlreiche Buh-Rufe bei den Nexans-Mitarbeitern. „Für einen Wirtschaftsminister ist das nicht ausreichend“, ärgerte sich Schulze. Denn viele Beschäftigte sind spezialisierte Kabelhersteller und nach Angaben des Betriebsrats auf ihren Gebiet zwar „Koryphäen“, aber nicht unbedingt in anderen Bereichen geschult.

Das befürchtet auch Stefan Recht, der seit 35 Jahren im Kabelwerk arbeitet. „Was wir von Elektronik und Metallverarbeitung mitbekommen haben, reicht nicht“, sagt Stefan Recht. Er sei noch immer „schockiert“ über die Entscheidung. „Doch seit heute ist die Hoffnung zurückgekehrt“, sagte der 51-Jährige. Er wünscht sich, dass Nexans das Werk wenigstens zum Verkauf anbietet. Für Bernd Rösinger, einer von elf Mitgliedern des Betriebsrates, ist die Entwicklung noch immer unvorstellbar. „Ich habe bis Donnerstag nicht daran geglaubt. Der Standort muss gehalten werden.“

Die Produktion im Nexans-Werk lag bis Sonntag still. Montag hatten sich die Mitarbeiter ausgestempelt und sind nach Langenhagen gefahren. Am Dienstag soll es erneut eine Betriebsversammlung geben, die am Mittwoch voraussichtlich fortgesetzt werden wird.

Von Sascha Priesemann