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08:49 05.09.2009
Gilde-Brauerei in der Südstadt von Hannover
Gilde-Brauerei in der Südstadt von Hannover Quelle: Schaarschmidt
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VON DIRK ALTWIG

Gilde-Konzernmutter InBev hat gestern zum zweiten Mal die Politiker des städtischen Wirtschaftsausschusses versetzt. Dezernent Mönninghoff konnte lediglich aus einer E-Mail zitieren: InBev habe „im Grundsatz entschieden, die Brauerei zu verkaufen“ und es gebe Gespräche mit „mehreren Investoren“.

Professor Klaus-Peter Wiedmann, Leiter des Instituts für Marketing der Leibniz-Uni, der als Fachmann geladen war, sagte sogar, er wisse von Gesprächen „mit ausländischen Investoren, wo eine Chance drin sein könnte“. Ein InBev-Sprecher dementierte: „Wir führen keine Gespräche mit ausländischen Investoren.“ Oberbürgermeister Stephan Weil sagte: „Ich kann das nicht bestätigen.“ Auch Gilde-Betriebsrats-Vize Frank Heinz war „überrascht“.

Wiedmann mahnte außerdem eine möglichst baldige Lösung für die Gilde an: „Es wird jeden Tag schwerer.“ Eine Eigenständigkeit der Brauerei könne auch nur funktionieren, wenn das Bier über Hannover hinaus verkauft werde, die Region selbst sei zu klein.

Heinz Süßelbeck, Referatsleiter Brauwirtschaft der Gewerkschaft NGG verwies auf Chancen der Traditionsbrauerei. Das beginne mit dem Brauwasser. „Wir haben hier ein hervorragendes Wasser, das hat nicht jeder.“ Beim internen Qualitätsvergleich der InBev erreiche Ratskeller einen Wert von 98 Prozent. „Das ist die höchste Bewertung, die es bei InBev jemals gab.“

Süßelbeck sieht auch im Lindener Spezial große wirtschaftliche Möglichkeiten. „Man könnte ein Premiumbier zum Einstiegspreis machen.“ Soll heißen: Das Lindener könnte gegen Discount-Biere wie Oettinger antreten.

Süßelbeck bestätigte indirekt auch einen NP-Bericht über eine bewusste Abkehr von Ratskeller. In Deutschland setze InBev auf die „Stürmermarken“ Hasseröder, Becks und Franziskaner. Der Rest werde nicht mehr beworben.