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Meine Stadt Wird neues Gymnasium zur Geheimsache?
Hannover Meine Stadt Wird neues Gymnasium zur Geheimsache?
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18:48 25.10.2018
Geheime Abstimmung?
Geheime Abstimmung? Quelle: dpa
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Hannover

Sie ist längst ein Dauerbrenner, die politische Debatte um Hannovers 18. Gymnasium. Nachdem am Mittwoch im öffentlichen Schulausschuss erneut keine Entscheidung zu Stande kam, soll jetzt nächste Woche hinter verschlossenen Türen die neue Schule beschlossen werden. Leiser ist die Kritik dadurch nicht geworden. Im Gegenteil.

Von einem „Armutszeugnis der Politik“ spricht Maren Kaminski, Sprecherin des Bündnisses für eine „Schule der Kulturhauptstadt“. „Zwischen den Sitzungen wurde offenbar gar nicht mehr miteinander geredet oder versucht, eine breite Mehrheit zu schaffen.“ Stattdessen verlasse sich das Ampelbündnis nun auf ihre Mehrheit im Verwaltungsausschuss, um das Gymnasium „gegen den Willen von Eltern, Lehrern und Schülern durchzudrücken.“ Vertreter dieser Gruppen konnten im Ausschuss mitstimmen – im Verwaltungsausschuss dürfen sie es jedoch nicht.

Fachleute in Entscheidung einbinden

Genau das kritisiert auch die Opposition: Die Sache gehöre in den Schul- und Bildungsausschuss, „der ja gerade die Fachleute mit in die Entscheidung einbindet“, so Stefanie Matz von der CDU. „Aus ideologischen Gründen an diesen vorbei zu entscheiden, ignoriert die Interessen von Lehrenden und Kindern.“

Der breite Widerstand zeige, dass noch viel Redebedarf ist, findet auch das Schulbündnis. „Zumal so viele bereit sind, an einer neuen Schule mitzuarbeiten“, betont Kaminski. „Wir werden den Ausschussmitgliedern unsere Expertise noch einmal anbieten“. Vor allem zu einem Punkt des Ampelantrags: Es soll laut SPD/Grüne/FDP mit der Landesregierung verhandelt werden, ob und wie das Gymnasium als „Schulversuch im Sinne der Inklusion“ durchgeführt werden kann. „Das ist ein Widerspruch in sich“, so Kaminski. „Zum einen, weil Gymnasien einen sehr engen gesetzlichen Rahmen haben. Zum anderen, weil generell alle Schulen per Schulgesetz inklusiv sein sollen. Wir fürchten, dass am Ende nur ein weiteres, kaum inklusives Gymnasium herauskommt.“ Ihr Bündnis plädiert dagegen seit Langem für einen offenen inklusiven Schulversuch.

Auch die Schulleiter Hannovers hatten sich gegen ein weiteres Gymnasium ausgesprochen – unter ihnen sogar die Gymnasialleiter. Die große Strom von Gymnasiasten der Klassen 7 bis 10 auf andere Schulen zeige einen Bedarf an IGSen oder Oberschulen in Hannover.

Die aktuellsten Zahlen untermauern diesen Einwurf: Im Sommer 2017 wechselten 275 Gymnasiasten auf IGS, Realschulen und Oberschulen, diese Zahl wuchs bis Sommer 2018 auf 292 – die meisten davon auf die IGS. Die IGS gab in beiden Jahren jeweils nur knapp über 30 Schüler ans Gymnasium ab.

Von Simon Polreich