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Hannover Meine Stadt Neue NS-Vorwürfe gegenüber Bahlsen
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18:29 21.05.2019
In Kiew: ein Geschäft des Süßwarenherstellers Roshen. Die Firma Bahlsen soll eine Roshen-Fabrik von 1942 bis 1943 besetzt haben. Quelle: Fotos: dpa
Hannover

Am Mittwoch wird es spannend an der Podbielskistraße 11. Der Historiker Manfred Grieger trifft sich zum ersten Mal mit den Verantwortlichen von Bahlsen in deren Firmenzentrale in der List. Es ist der „Auftakt für die Aufarbeitung unserer Firmengeschichte“, beschreibt es Christian Bahlmann, der Unternehmenssprecher des Keks-Riesen.

Und sie werden einiges zu besprechen haben, zumal am Dienstag neue Vorwürfe in Bezug auf Bahlsen aufgetaucht sind. Das „Handelsblatt“ berichtet, Bahlsen soll in den Jahren 1942 und 1943 in Kiew eine Süßwarenfabrik nicht nur verwaltet haben. Der damalige Firmenchef Werner Bahlsen (1904–1985) soll in der Fabrik eine dreistellige Zahl von Zwangsarbeitern ausgewählt und nach Hannover transportiert haben lassen. Nach dem Ende der Schlacht um Kiew soll er dann Produktionsanlagen abtransportiert haben lassen.

Der Schoko-Oligarch

Die damalige Süßwarenfabrik hatte Valentin Yefimov 1886 in Kiew gegründet. Inzwischen ist sie im Besitz von Petro Poroschenko (53), der bis zu seiner Abwahl am 20. Mai noch Präsident der Ukraine gewesen war. Poroschenko hat die Kiewer Süßwarenfabrik als Grundstein genutzt, aus dem er einen Weltkonzern schuf. Den hat er 1996 Roshen genannt – als Anspielung auf seinen Namen: Po-ROSHEN-ko.

Das „Handelsblatt“ zitiert aus einem Papier, das aus dem Roshen-Firmenarchiv stammen soll: „Bei der Flucht aus Kiew“, heißt es darin, „brachte die Firma Bahlsen sämtliche Ausstattung der Fabrik, Rohstoffe und andere Materialien nach Deutschland.“ Auf der Unternehmenswebsite gibt Roshen an, die Vorgänger-Süßwarenfabrik habe im Jahre 1940 etwa 32 800 Tonnen Süßigkeiten pro Jahr produziert. Heute sollen es 100 Tonnen pro Tag sein. Einer Umfrage des Kiev International Institute of Sociology zu Folge, sollen die Roshen-Marken die beliebtesten Süßigkeiten der Ukraine sein. Darunter: „Cherry Queen“, dessen Verpackung der von Ferreros „Mon Chérie“, nun ja, sehr ähnelt.

Kommission gegründet

Ob die Vorwürfe stimmen, dazu könne er jetzt noch nichts sagen, bittet Bahlsen-Sprecher Christian Bahlmann um ein wenig Geduld. „Eine Historikerkommission um Manfred Grieger wird die ganzen Dinge systematisch aufarbeiten, dann kommt alles auf den Tisch und wir können Stellung beziehen. Gegenwärtig kann ich leider noch nichts dazu sagen.“

Beim ersten Treffen will Historiker Grieger besprechen, was genau das Unternehmen aufarbeiten lassen will: „Geht es nur um die Zeit zwischen 1933 und 1945? Oder wollen sie mehr? Ich hielte es zum Beispiel für sinnvoller, auch die Zeit des Ersten Weltkriegs mit einzubeziehen. Also die Geschichte des Unternehmens und der Familie in der ersten und zweiten Generation.“ Dafür veranschlagt Grieger etwa dreieinhalb Jahre Arbeit. „Das müssen Sie verstehen“, sagt er, „das hat ja eine detektivische Seite. Es reicht in der Zeit weit zurück, und es betrifft sogar die Ukraine. Da wird mit Übersetzern zu arbeiten sein.“ Auch die Unternehmensgeschichte von VW hat der Geschichtsprofessor der Göttinger Georg-August-Universität bereits aufgearbeitet.

Von Verena Koll

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