Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt 96-Chaot: In Österreich wartet der Knast
Hannover Meine Stadt 96-Chaot: In Österreich wartet der Knast
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 12.01.2019
HDI-Arena: Willkommensbanner für Timm G. im Frühjahr 2017 in der Nordkurve. Quelle: privat
Anzeige
Klagenfurt

Der Nazi-Eklat im 96-Trainingslager 2017 in Österreich: Die Strafverfolger in der Alpenrepublik setzen zurzeit alles daran, dass Timm G. (30), Fußball-Chaot von Hannover 96, endlich in den Knast einrückt. Seit Monaten versucht das Landesgericht Klagenfurt, dem rechtskräftig Verurteilten die Ladung zum Strafantritt zuzustellen. Bislang ohne Erfolg.

Von seiner insgesamt zweijährigen Haftstraße muss der Mann, der im Juli 2017 während eines Testspiels der Hannoveraner gegen das türkische Team von Kayserispor den Hitlergruß zeigte, vier Monate im österreichischen Gefängnis verbüßen. Gleichzeitig verhängte das Nachbarland ein lebenslanges Einreiseverbot für den Nazi-Fan.

Anzeige
Rechtskräftig in Österreich verurteilt: Timm G. (30). Er muss vier Monate ins Gefängnis. Quelle: privat

 

Im Juli 2018 war Timm G. in Klagenfurt verurteilt worden, seit Herbst ist der Richterspruch rechtskräftig. Christian Liebhauser-Karl, Sprecher des Landesgerichts Klagenfurt, berichtet, dass der 30-Jährige „mit Datum vom 24. September 2018 zum Strafantritt aufgefordert worden ist“. Ob ihn der Brief aus Österreich an seiner Wohnanschrift je erreichte, ist allerdings unklar. Deshalb versucht die Behörde nun, mit Hilfe der deutschen Justiz dem Fußball-Chaoten das entsprechende Schreiben zustellen zu lassen. 

Wegen des Hitlergrußes war der selbst ernannte „treue Fan des Fußballclubs Hannover 96“ nach dem „Verbotsgesetz“ (Verbot der NSDAP) und wegen Herabwürdigung religiöser Lehren verurteilt worden. Denn der 30-Jährige hatte in der Richtung der Bank von Kayserispor auch „Fuck Allah“ gebrüllt. Der Mann ist Wiederholungstäter: In Deutschland hat er nach Informationen der NP bereits eine Vorverurteilung wegen Verwendens von Kennzeichen Verfassungswidriger Organisationen.

Umstrittenes Banner in der Nordkurve

Wegen mehrerer Gewaltdelikte im Zusammenhang mit Fußball musste er bereits eine mehrjährige Haftstrafe absitzen. Nach seiner Entlassung war er im Frühjahr 2017 in der Nordkurve der HDI-Arena mit einem Willkommensbanner von „Ultras, Fans und Hooligans“ gefeiert worden. Aufschrift: „Aus dem Versteck rein ins Geschehen… Willkommen zurück, Timm!“ Nach dem Nazi-Eklat im österreichischen Trainingslager hatten sich Ultras dann eiligst von G. distanziert.

Die Verurteilung wegen des Hitlergrußes in Österreich hat weitere Folgen für den 30-Jährigen: Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BfA) in Kärnten hat gegen ihn inzwischen ein lebenslanges Einreiseverbot für die Alpenrepublik verhängt. Eine Maßnahme, die dort gegen Staatsgefährder, Kriegsverbrecher und eben auch gegen Täter, die rechtskräftig nach dem Verbotsgesetz verurteilt worden sind, möglich ist.

Einreiseantrag in der Botschaft

Heißt im Klartext: Bis an sein Lebensende muss Timm G. um Österreich einen großen Bogen machen – oder das Land überfliegen. Zur Verbüßung der offenen vier Monate darf er natürlich noch einmal zurück. „Er muss die Wiedereinreise aber erst in der österreichischen Botschaft in Deutschland beantragen“, so ein Sprecher des BfA zur NP.

So oder so: Der 30-Jährige sollte auf jeden Fall zügig zum Strafantritt erscheinen. Ansonsten droht ihm aus Österreich ein Haftbefehl.

Von Britta Mahrholz