Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Nacktwanderin im Deister: "Scannerblick nicht erlaubt"
Hannover Meine Stadt Nacktwanderin im Deister: "Scannerblick nicht erlaubt"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:36 03.05.2011
Nicole Wunram ist überzeugte Nacktwanderin.

Hannover. Das Nacktsein hat Nicole Wunram (39) im Erwachsenenalter für sich entdeckt. „Als Kind war ich schon mit meinem Vater in der Sauna“, erzählt sie, später probierte sie aus, nackt zu baden. Das Körpergefühl, das sie dabei erfuhr, gefiel ihr. „Es ist wunderschön, die Natur unmittelbar zu erleben“, beschreibt die hannoversche Bankkauffrau, „den Wind auf der Haut oder die plötzliche Kühle, die man spürt, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt.“ Inzwischen campt und kegelt sie nackt. Und zu ihrem jüngsten Hobby hat sie einen Ratgeber veröffentlicht: übers „Nacktwandern“. Darauf sei sie durch eine Geschichte in der Zeitung aufmerksam geworden. Interessierte konnten im Deister nackt mit einer Gruppe wandern. Wunram probierte es mit Mann und Sohn (13) aus. „Und es hat uns gefallen, seither machen wir das regelmäßig.“ Im Deister, im Harz, auch schon mal im Sauerland.

Die meisten Textilwanderer – so nennt sie die Bekleideten – grüßten freundlich, wenn sie Nacktwanderer träfen. „Dann gehen sie weiter, gucken sich höchstens später nochmal um“, berichtet Wunram. „Aber meine Lieblingsbegegnung hatten wir einmal mit einer Textilmutter samt Kind. Die Mutter sagte: ‚Guck mal, die sind alle nackt‘, als sie unsere Gruppe sah. Aber das Kind antwortete: ‚Stimmt doch gar nicht, die haben Schuhe an.‘ Kinder gehen mit Nacktheit unbefangener um.“

Schuhe, einen Hut und einen Rucksack trägt Wunram, wenn sie nackt wandert. „Barfuß zu laufen, muss man trainieren“, weiß sie. Macht sie auch, bis Ende des Jahres will sie das schaffen. Den Hut benutzt sie, um sich vor einem möglichen Sonnenstich zu schützen, im Rucksack trägt sie leichte Bekleidung, die sie überzieht, falls sie irgendwo einkehren will. „Wir wollen ja niemanden provozieren, sondern nur die Natur genießen.“ Und zur Nacktwander-Etikette gehöre auch: „Der Scannerblick über die Körper der anderen ist nicht erlaubt“, betont Wunram, „man schaut sich in die Augen.“ Außerdem seien alle per du – schließlich seien nackt alle gleich.

Zum Ausprobieren empfiehlt Wunram zunächst eine Wanderung in der Gruppe. Termine veröffentlichen die meisten Veranstalter im Internet, zum Beispiel auf nackt-wandern.de oder fkk-wandern.de. „Und der Harzer Naturistenstieg funktioniert auch immer“, meint Wunram. Die Neun-Kilometer-Strecke bei Wippra gibt es seit dem 29. Mai vergangenen Jahres – mit Warnschildern für Textilwanderer: „Willst du keine Nackten sehen, darfst du hier nicht weiter gehen!“ Mehr solcher Wege wünscht sich Wunram für die Zukunft. „Damit unser Sport bekannter wird“, sagt sie, „dann erschrecken sich Textilwanderer nicht mehr so, wenn sie uns im Wald sehen.“ vek