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Meine Stadt Fenster fehlt: Hotels streiten mit Hannover
Hannover Meine Stadt Fenster fehlt: Hotels streiten mit Hannover
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00:17 29.06.2018
SAUER: Andreas Wienecke vor dem Hotel in der Osterstrasse, für dessen Erweiterung die Stadt jetzt die Baugenehmigung versagte – nach zwei Jahren Bearbeitungszeit.
SAUER: Andreas Wienecke vor dem Hotel in der Osterstrasse, für dessen Erweiterung die Stadt jetzt die Baugenehmigung versagte – nach zwei Jahren Bearbeitungszeit. Quelle: Foto: Wallmüller
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HANNOVER

Oliver Blume ist sauer auf die Stadt. Andreas Wienecke auch. Genauer: Auf das Baudezernat. Beide sind Unternehmer, beide wollen in Hannover investieren, in eine neue Art von Hotel. Doch sie stoßen auf Widerstand – Hotelier Wienecke wartet seit gut zwei Jahren auf eine Baugenehmigung, Blume seit sieben Monaten. Wobei es sich im Grunde nur um ein Okay für eine Nutzugsänderung und interne Umbauten bestehender Gebäude handelt.

Blumes Boxhotel

Das von Blume entwickelte Boxhotel etwa läuft schon seit Mai 2017 in Göttingen – und dort gelte dasselbe Baurecht, erklärt die Stadt Hannover auf Anfrage. In der Landeshauptstadt stört man sich augenscheinlich daran, dass die Übernachtungsräume in dem neuartigen Hotel in der Nikolaistraße (neben den Kino Grand Astor) fensterlos sein sollen. Frischluft wird jedoch in Masse zugeführt, sogar gefiltert. Blume sagt, er habe anfangs „unter Zeugen“ von leitenden Behördenmitarbeitern gesagt bekommen, dass das genehmigt werde – doch später habe man ihm beschieden, man wolle „so ein Hotel“ nicht.

In Göttingen ist das Boxhotel Konzept erfolgreich – Blume will um 40 Bettenboxen aufstocken. In der Branche hat er mit der Idee Aufsehen erregt, auch international, und ein sehr positives Echo erfahren, auch in Fachmagazinen. Hier sollte das niedrigpreisige, ohne Personal laufende Boxhotel im Frühjahr öffnen (NP berichtete) – jetzt ist offen, ob es hier überhaupt etwas damit wird: „Es scheint politisch nicht gewollt zu sein, doch das Bauamt hat keine ordentliche Begründung, es juristisch unanfechtbar abzulehnen“, sagt Blume. „So wird es einfach auf die lange Bank geschoben, damit wir aufgeben oder pleite sind.“ Monat für Monat bringe ihm das stockende Projekt in Hannover 20 000 Euro Verlust, es gebe einen Mietvertrag über 15 Jahre – im Zweifel könnte er den dann auflösen, doch „dann muss ich den Originalzustand wiederherstellen“ – auch das ein teures „Vergnügen“.

Seit Dezember wartet Blume auf den Entscheid. „Wir versuchen jetzt, in Hamburg, Köln und Düsseldorf die nächsten Boxhotels zu realisieren und gehen davon aus, dass diese Städte nicht so innovationsfeindlich sind, wie Hannover, wo wir unsere Firmenzentrale haben und nicht gewollt sind, das ist bitter!“, sagt Blume. Es gebe auch „keine Reaktion auf alle Schreiben der Rechtsanwälte. Die lassen uns am ausgestreckten Arm verhungern.“

Wieneckes Thüringer Hof

Gastronom Andreas Wienecke möchte im ehemaligen griechischen Restaurant Naxos im „Thüringer Hof“ in der Osterstraße ein weiteres Low-Budget Hostel (also Übernachtung zum kleinen Preis, einfachste Ausstattung) mit 65 Betten bieten. Den entsprechenden Antrag für die bauliche Genehmigung der Umgestaltung stellte er im Juli 2016. Er verspricht sich von der Erweiterung des dortigen Hotel-Angebots „eine halbe Million Jahresumsatz zusätzlich“.

Auch hier kamen vom Bauamt „Nachforderungen“, etwa wegen eines Rettungs-/Fluchtwegs, der zuvor über Jahrzehnte als in Ordnung galt. Als das geregelt war, kam plötzlich die Frage der fensterlosen Räume auf. Das müsse man grundsätzlich entscheiden, hieß es nun – im ersten Bauantrag war das nicht moniert worden. „Die Stadt macht einfach nichts. Still ruht der See! Seit zweieinhalb Jahren kein Umsatz, keine Jobs für neue Mitarbeiter und keine Steuern und Abgaben“, sagt Wienecke, schon leicht verzweifelt: „Ich kann es nicht nachvollziehen.“

Vor mehr als einem Monat wurde die Ablehnung angedeutet – schriftlich kam sie jetzt, nach Anfrage der NP - und nachdem Wienecke jetzt per Anwalt mit Untätigkeitsklage drohte. Ablehnungsgrund: Fehlende Fenster für Aufenthaltsräume im Innenraum. Wienecke will sich jetzt erklären lassen, wie das Bauamt dazu kommt, „bloße Schlafgelegenheiten als Aufenthaltsräume zu klassifizieren“ und den entsprechenden Maßstab dafür anzulegen.

Die Haltung der Stadt

Das Bauamt der Stadt Hannover tut nach Meinung der Unternehmer Blume und Wienecke zu wenig bis nichts – und versuche gar bewusst, die womöglich irgendwie unerwünschten Projekte zu verhindern, indem es verzögere, abwegige Nachforderungen stelle, nicht entscheide. Da sind sich beide Unternehmer einig.

Die Stadtverwaltung äußert sich nicht näher dazu, da es „laufende Verfahren“ seien. Die Dauer, bis ein Projekt genehmigt oder abgelehnt werde, hänge von der Art der Projekte und der „Qualität des Bauantrages“ ab. Als Entscheidungskriterium diene alleine das Baurecht.

Von Ralph Hübner