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Meine Stadt Wie brandgefährdet sind Hannovers historische Gebäude?
Hannover Meine Stadt Wie brandgefährdet sind Hannovers historische Gebäude?
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10:22 17.04.2019
Kultur in Gefahr:Die Feuerwehr übte 2018 im Landesmuseum die Rettung von Kulturgütern. Quelle: Fotos: Franson
Hannover

In nur wenigen Stunden fiel große Teile der jahrhundertealten Kathedrale Notre-Dame den Flammen zum Opfer. Auf der ganzen Welt reagierten Menschen mit Entsetzen auf die Bilder aus Paris. Und viele stellten sich die Frage: Wie sicher sind unsere Kirchen vor den Flammen? So auch in Hannover.

„Natürlich beunruhigen uns die Vorfälle in Paris, sie waren auch Thema in unserer morgendlichen Dienstbesprechung“, sagt Hanna Kreisel-Liebermann, Pastorin der Marktkirche. Die Kirche in der Altstadt besteht zwar zu einem großen Teil aus Stein, aber das Dachgestühl ist, wie bei Notre-Dame, aus Holz. „Gefahr besteht besonders bei Gewitter. Auch wenn wir einen Blitzschutz haben – ganz gefeit ist man vor einem Feuer nie.“ Man versuche die Gefahr zudem durch Feuerlöscher am Turmaufgang und mit Wachsamkeit zu minimieren. Über eine Sprinkleranlage oder Rauchmelder verfügt die Kirche nicht. „Vielleicht müssten wir über Melder aber noch einmal nachdenken.“

„Gefahr besonders bei Gewitter“

Andere Kirchen sind da bereits weiter: So verfügt etwa der kürzlich renovierte Hildesheimer Dom über ein flächendeckendes Brandmeldesystem, im Osnabrücker Dom gibt es nach einer Renovierung Steigleitungen für Löschwasser. Generell müssen die Gemeinden in der hannoverschen Landeskirche jedes Jahr eine Baubegehung in den Kirchen durchführen und Mängel kurzfristig beheben, so der Baudirektor der Landeskirche, Werner Lemke.

Die Dachstühle der katholischen Kirchen in Hannover wurden laut Diözesan- und Dombaumeister Norbert Kesseler nach dem Krieg häufig mit Stahl- oder Betontragwerken wieder aufgebaut. „Diese sind viel weniger anfällig gegenüber Brandangriffen“, sagt Kesseler. Auch im Inneren besteht durch Kerzen oder Weihrauch wenig Gefahr: Entweder werden sie unter Aufsicht entzündet oder sie sind durch besondere Kerzenständer geschützt.

Von Sprinkleranlagen hält man auch in der katholischen Basilika St. Clemens nichts: „Insbesondere wo es Malereien oder wertvolle Kunstobjekte gibt, sind sie eine wenig geeignete Methode zum Schutz. Durch den Einsatz würde das Kulturgut möglicherweise zerstört werden. Besser geeignet sind flächendeckende Brandmeldeanlagen, so dass ein Feuer schnell bekämpft werden kann“, so Kesseler.

Sprinkleranlagen als Schutz oft ungeeignet

Auch für die Stadtfeuerwehr gelten Kirchen und historische Gebäude als Objekte besonderer Beachtung: „Für sie existieren gesonderte Alarm- und Einsatzpläne“, sagt Sprecher Michael Hintz. Diese umfassen Kenntnisse über Aufstellflächen und Zuwegungen sowie den Einsatz einer bis zu 54 Meter hohen Teleskopmastbühne zur Rettung und für den Löschangriff. „Über den Notfallverbund ’Kulturgutschutz’ können wir schnell Experten und weiteres Spezialgerät heranziehen, um Kirchen, Museen oder Archive zu löschen und die Kulturgüter zu retten.“ Etwa alle ein, zwei Jahre werden solche Ernstfälle geprobt – wie etwa vergangenes Jahr mit einer Großübung im Landesmuseum.

Beim Brand in einem Museum oder einer Bibliothek gilt die Aufmerksamkeit dann verstärkt der Rettung der Gemälde oder Bücher: Bevor großflächig Löschwasser zum Einsatz kommt, werden Räume unter hohem Personalaufwand schnell geräumt. „Bücher werden dann beispielsweise auch über Rettungsrutschen, wie man sie aus Flugzeugen kennt, aus den Fenstern ins Freie befördert.“

Übrigens: Das Neue Rathaus besteht überwiegend aus nichtbrennbaren, tragenden Bauteilen, auch wenn im Dachstuhl in Teilen Holz verbaut wurde. Der Fokus baulicher und organisatorischer Maßnahmen liege bei den „historischen“ städtischen Gebäuden generell auf Personenrettung, so Stadtsprecher Dennis Dix. „Dabei gibt es keine Unterschiede zwischen historischen und anderen Gebäuden.“

Von Simon Polreich

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