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Meine Stadt Hannover: Politik will jetzt deutlich mehr in Busse und Bahnen investieren
Hannover Meine Stadt Hannover: Politik will jetzt deutlich mehr in Busse und Bahnen investieren
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19:01 01.12.2019
Das hat funktioniert: Am ersten Adventssamstag setzten deutlich mehr Menschen auf Bus und Bahn, um in Hannovers Innenstadt zu kommen. Quelle: Moritz Frankenberg/dpa
Hannover

Rappelvolle Innenstadt, deutlich weniger Autos – und trotzdem kein Zusammenbruch des öffentlichen Nahverkehrs: Der Gratis-Aktionstag am ersten Adventssamstag war aus Sicht der Verantwortlichen ein voller Erfolg. Auch in der Politik ist die Begeisterung groß. Sie fordert eine deutliche Aufstockung der Investitionen in den ÖPNV.

„Wir brauchen mehr Fahrzeuge und Personal“, sagt Frank Straßburger, verkehrspolitischer Sprecher der SPD in der Regionsversammlung. Nachhaltig ließen sich Autofahrer nur zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen, wenn es dauerhaft ein gutes und verlässliches Angebot gibt. Aus Sicht von Straßburger müssen mehr Züge mit drei Wagen fahren, außerdem der Takt verdichtet werden. Weil allerdings „jetzt schon viele Bahnen zu Stoßzeiten voll“ seien, müsste auch mehr Geld in die Infrastruktur fließen.

SPD schlägt neue Üstra-Ringlinie um Hannover vor

Straßburger zeigt sich nach dem Aktionstag auch erfreut darüber, „dass es offenbar auch mit viel weniger Autos geht“ und „schlimme Befürchtungen“, die manche zum Beispiel aus der Wirtschaft hatten, nicht eingetreten sind. Der SPD-Mann kann sich auch Preissenkungen vorstellen, zum Beispiel durch ein 365-Euro-Ticket, sofern es dafür auch Bundesmittel geben sollte. Dafür allerdings müssten zunächst die Angebote besser werden.

Lars Kelich, Fraktionschef der SPD in Hannovers Rat, sieht in dem erfolgreichen Gratis-Tag den Beleg, dass günstigere Tickets mehr Menschen zum Umstieg bewegen würden. Allerdings will auch er dafür die Infrastruktur ausbauen. Kelich kann sich sogar eine neue Üstra-Ringlinie vorstellen, „damit nicht alles über den Kröpcke fahren muss. Das würde Entlastung bringen“. Das sei zwar „ein Projekt über Jahrzehnte. Aber das muss man dann so langsam angehen“, so Kelich.

Grüne: Zeit reif für Onays autofreie Innenstadt

Für Eberhard Wicke, Verkehrsexperte der CDU in der Region, kommt ein „kostenloser Nahverkehr absolut nicht in Frage“. Aber auch er will mehr in neue Busse und Bahnen investieren. „Wir dürfen den Bürgern nichts vormachen: Die Verkehrswende kostet Geld“, sagt er. Bevor konkrete Schlüsse aus dem Gratis-Tag gezogen werden, will er „zunächst die Analyse der Verwaltung abwarten“.

Evrim Camuz, Fraktionschefin der Grünen in der Region, sieht hingegen schon jetzt „einen Riesenerfolg“. Kritikern sei der Wind aus den Segeln genommen worden. „Die Wirtschaft ist nicht zusammengebrochen“, sagt sie. Für Camuz ist die Aktion aber „erst der Anfang“. Sie will Gratis-ÖPNV 2020 an mehreren verschiedenen Tagen ausprobieren. Zudem habe der Erfolg gezeigt, dass die „Zeit reif ist“ für Ideen wie die autofreie Innenstadt von Hannovers neuem OB Belit Onay. „Raus aus dem Stau, rein ins Leben“, so stellt sich die Grüne die Zukunft der Innenstadt vor.

Entspannter auch für Autofahrer

So sieht es auch Elisabeth Clausen-Muradian, Verkehrsexpertin der Grünen im Rat. „Es war ja sogar auch für die entspannter, die trotzdem mit dem Auto in die Innenstadt gefahren sind“, sagt sie. Auch seien „viele Ängste, die zum Beispiel Händler hatten“, nicht bestätigt worden. Um dauerhaft neue Kunden zu gewinnen, brauche der ÖPNV aber eine höhere Finanzierung, damit der Takt verbessert werden könne.

„Sehr positiv“ findet auch FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke den Verlauf des Gratis-Tages. Man solle „ernsthaft darüber nachdenken, ob man das nächstes Jahr in der Vorweihnachtszeit wiederholt“. Die Innenstadt scheine „auch mit weniger Autos zu funktionieren“, sagt Engelke.

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Von Christian Bohnenkamp

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