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Meine Stadt Gemäuer und Geschichten: Das sind Hannovers „Lost Places“
Hannover Meine Stadt Gemäuer und Geschichten: Das sind Hannovers „Lost Places“
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19:49 24.01.2020
Die Villa Nordstern in Lehrte. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Ein verlassener Freizeitpark, eine gruselige Villa, eine alte Munitionsanstalt der Wehrmacht: In der Region Hannover sind zahlreiche geheimnisvolle Orte versteckt, die an vergangene Zeiten erinnern. Einige von ihnen aber sind seit vielen Jahren verlassen – und vergessen. Andere Ruinen sind heimliche Wahrzeichen. Trotz Zerfall, Dreck und Müll prägen sie das Bild der Stadt – und strahlen dabei eine besondere Magie aus.

Hannovers „Lost Places“. Das sind Orte, die bereits seit einigen Jahren verlassen sind. Sie sind aber kein Denkmal – keine Infotafel erklärt, was hier mal gewesen ist. Es sind Ruinen, die in Vergessenheit geraten und in keinem handelsüblichen Stadtführer auftauchen. Sie sind unberührt und verfallen. Die Natur erobert einige dieser Orte zurück, weil nur wenige Menschen sich hier blicken lassen. Oft ist es illegal und gefährlich, sie zu betreten.

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Das Ausbesserungswerk der Bahn in Leinhausen. Quelle: Dröse

Der bekannteste verlassene Ort der Stadt sind wohl die riesigen Produktionshallen des Continental-Werks am Stichkanal in Limmer. Hier gingen zeitweise mehr als 1000 Arbeiter ein und aus, produzierten Fahrradschläuche oder Schuhsohlen. Seit 1999 ist das Conti-Werk stillgelegt und zerfällt. Die Hallen ziehen dennoch Menschen an: Sie brechen in die alten Gebäude ein, machen Fotos, manchmal sprühen sie auch Graffiti an die Wände – trotz goßer Gefahren. In den alten Hallen klaffen tiefe Löcher, Decken drohen einzustürzen. Zwar entsteht jetzt auf dem historischen Gelände die Wasserstadt für Tausende Menschen. Die Zukunft der Ruinen ist noch nicht geklärt.

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Es gibt natürlich auch Überreste von Orten, die nur noch wenige Menschen kennen. Erinnern Sie sich noch an den alten Freizeitpark in Kirchhorst? Hier verbrachten viele Kinder ihre Wochenende und Ferien. Sie donnerten mit der Achterbahn „Looping Star“ kopfüber durch die Luft, fuhren mit der Wasserbahn oder rasten mit Go-Karts über eine Rennpiste. 1986 gab es die letzte Fahrt, der Freizeitpark musste schließen. Nur der Ponyhof ist geblieben.

Bis vor kurzem waren noch einige Bauten auf dem alten Gelände zu sehen. Inzwischen lohnt sich ein Besuch nicht mehr, das Betreten des Areals ist ohnehin untersagt. Die Erinnerungen sind bei einigen Menschen geblieben, die als Jugendliche durch den Park getobt sind. Sie sind inzwischen selbst Mütter oder Väter.

Ein Blick in die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne. Quelle: Dröse

Die Zeiten, als Bomben auf Hannover herabstürzten, sind zum Glück schon lange vorbei. Die Zeugnisse des Zweiten Weltkriegs sind aber noch immer in Hannover zu finden. In den Bunkern, wo einst die Menschen dicht gedrängt kauerten, sind heute oftmals die Proberäume von Bands. Aber einige sind komplett verlassen – wie etwa der Hochbunker in der Haltenhoffstraße. Einer der größten seiner Art, in dem es sogar einen Operationssaal gab.

Dramatisch ist auch die Geschichte der Heeresmunitionsanstalt in Hänigsen. Hier versuchte die Wehrmacht, Munition in dem Kalibergwerk zu lagern. Bis zu 1500 Zwangsarbeiter schufteten für die Nazis. Nach dem Krieg mussten die Kampfmittel geräumt werden. Bei einer schweren Explosion im April 1946 starben 80 Arbeiter. Noch heute stehen einige Lagerhäuser für Munition auf einem eingezäunten Gelände. Sie gehören der Bahlsen-Tochterfirma Lorenz Snack, werden aber nicht mehr genutzt. Menschen kommen hier kaum noch her.

Mitten in einem Wald bei Kleinburgwedel steht die Villa Eichengrund. Sie ist kein pompöser Bau, sondern eine einfache Holzhütte, in der früher mal ein Mann gelebt haben sollen. Bis vor wenigen Jahren war sie das „Mekka der Geocacher“. Alte Briefe und Zeitungen lagen noch auf dem Tisch, Stühle standen auf der Veranda, die Schränke noch gefüllt. Es sah aus, als wäre der Bewohner gerade erst ausgezogen. Inzwischen ist auch dieses Haus eingezäunt, es ist stark einsturzgefährdet. Keine Villa für die Ewigkeit.

Was gibt es in Hannover noch zu entdecken? Der alte Ringlokschuppen der Bahn am Braunschweiger Platz, ein verlassenes Freibad in Neustadt, eine alte Polizeischule. Eine dunkle U-Bahn-Station am Raschplatz, an der nie eine Stadtbahn gehalten hat. Oder alte Panzer, die auf einer Wiese in Vahrenheide stehen. Die Vergänglichkeit kennt viele Bilder.

Lassen Sie sich in dieser Serie mitnehmen zu acht „Lost Places“ in der Region. Es geht auf die Suche nach Geistern, durch die Gänge einer verfallenen Kaserne, in ein verlassenes Nonnen-Stift, kurz: überall dorthin, wo die Vergangenheit zu schade ist, um sie zu vergessen.

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Von Sascha Priesemann

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