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NP-Serie 50 Jahre 68er Was ist von der 68er-Bewegung in Hannover geblieben?
Hannover Meine Stadt NP-Serie 50 Jahre 68er Was ist von der 68er-Bewegung in Hannover geblieben?
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14:59 09.06.2018
Symbolfoto: 68.
Hannover

Die Zahl ist amtlich verbürgt – leugnen hilft nicht. Geburtsjahr 1968 steht im Pass. 50 Jahre werde ich demnach in diesem Jahr, puh! Doch darum geht es gar nicht.

1968. Ein Jahrgang mit großer Symbolik. Das Jahr der Stundentenunruhen, dem Beginn der Gleichberechtigung, des pädadogischen Wandels. Im Geburtsjahr der Computermaus erblickte auch ich das Licht der Welt. 50 Jahre ist das her. Alt? Keine Ahnung. Als Kind fand ich 50 steinalt, heute sehe ich das anders. Mein Opa war 50, als ich geboren wurde. Ganz schön jung, sage ich heute. 1968. Wow, was für ein cooles Geburtsjahr steht in meinem Pass. Was für eine Verpflichtung.

Eigentlich gar nicht. Mal ehrlich: mit den Revolutionären der damaligen Zeit hatte ich gar nichts zu tun. Wie auch? Als der Muff von Tausend Jahren aus den Talaren gefegt werden sollte, steckte ich im Strampler – und das einzige was bei mir miefte, kam aus der Windel. Und als ich größer wurde und langsam erfuhr, was an meinem Geburtsjahr so dolle gewesen sein soll, war das ganze Tamtam weitestgehend vorbei. Nichts mehr mit Kommunen und Freigeistern. Im Gegenteil: Der Zeitgeist hatte sich gedreht. Politik nahm ich bewusst wahr, als Helmut Kohl Kanzler wurde – und es meine ganze Jugend über blieb.

Dennoch: Das Jahr 1968 blieb als Mythos immer präsent. Und hin und wieder hörte man Geschichten aus den wilden Tagen. Wie die Kommilitonen den Fiat meiner Mutter in den Lastenaufzug der Uni trugen, zum Beispiel. Und dann die Fotos: lange Haare, weite Krägen. hässliche Pullover und coole Lederjacken – und alle eine Fluppe im Mund. War bestimmt lustig – auch als Kind einer Generation verklärt man gerne die Zeit.

Die Wahrheit ist jedoch: Als 1968 Geborener hat man mit dieser Zeit soviel zu tun, wie ein nicht eingewechselter Spieler im Finale einer Fußball-WM. Man gehört dazu, hat aber eigentlich nichts beigetragen.

Dennoch wäre ich ohne die 68er nicht der, der ich bin. Weil ich mit viel mehr Freiheiten groß werden durfte. Weil es in Schule und Uni plötzlich Kurse und Seminare gab. Weil ich als erste Generation wirklich eine Wahl hatte. 1968 hat sich gelohnt, für mich keine Frage. Es ist eine Verpflichtung, die Idee weiterzutragen.

Harald Thiel

NP-Umfrage

Ich habe das Gefühl, dass die Jugend damals aktiver war als heute. Wenn sie etwas gemacht hat, dann richtig.

Anna Damerow (21), aus Hannover

Die 68er Bewegung hat die nachfolgende Generation geprägt. Früher sah ich das sehr positiv, heute nicht mehr. Die Menschen von damals sitzen heute auf einem hohen Ross.

Klaus Geschwinder (55), aus Hannover

Ich bedauere die Geschichte um Rudi Dutschke. Es war alles sehr brutal. Ich habe da niemals mitgemacht. Es hätte auch alles erreicht werden können, wenn es ruhiger zugegangen wäre.

Ingrid Heuer (77), aus Hannover

Die Menschen waren damals viel engagierter als heute. Auch wenn es viel Gewalt gab, gab es viele Einschnitte, die Deutschland geprägt haben.

Peter Sattelmacher (51), aus Hannover

Es war eine Aufbruchbewegung, die positiv war. Die jungen Leute haben etwas Neues gemacht.

Wolfgang Suntheim (64), aus Bremen

In jedem Fall ist eine Menge von dem damals Erreichten hängen geblieben und hat sich bis heute durchgezogen.

Jannes Kuhlmann (24), aus Hannover

Damals wurde versucht etwas zu verändern, aber es ist nicht gelungen. Dennoch kann man an der Bewegung auch positive Sachen, wie die Rote-Punkt-Aktion, sehen.

Karl-Heinz Kornemann (74), aus Hameln