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NP-Serie 50 Jahre 68er 1968 - was für ein Geburtsjahr!
Hannover Meine Stadt NP-Serie 50 Jahre 68er 1968 - was für ein Geburtsjahr!
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12:50 11.06.2018
NP-Redakteur Harald Thiel als Baby und Erwachsener.
Hannover

ie Zahl ist amtlich verbürgt – leugnen hilft nicht. Geburtsjahr 1968 steht im Pass. 50 Jahre werde ich demnach in diesem Jahr, puh! Doch darum geht es gar nicht.

1968. Ein Jahrgang mit großer Symbolik. Das Jahr der Stundentenunruhen, dem Beginn der Gleichberechtigung, des pädadogischen Wandels. Im Geburtsjahr der Computermaus erblickte auch ich das Licht der Welt. 50 Jahre ist das her. Alt? Keine Ahnung. Als Kind fand ich 50 steinalt, heute sehe ich das anders. Mein Opa war 50, als ich geboren wurde. Ganz schön jung, sage ich heute. 1968. Wow, was für ein cooles Geburtsjahr steht in meinem Pass. Was für eine Verpflichtung.

Eigentlich gar nicht. Mal ehrlich: mit den Revolutionären der damaligen Zeit hatte ich gar nichts zu tun. Wie auch? Als der Muff von Tausend Jahren aus den Talaren gefegt werden sollte, steckte ich im Strampler – und das einzige was bei mir miefte, kam aus der Windel. Und als ich größer wurde und langsam erfuhr, was an meinem Geburtsjahr so dolle gewesen sein soll, war das ganze Tamtam weitestgehend vorbei. Nichts mehr mit Kommunen und Freigeistern. Im Gegenteil: Der Zeitgeist hatte sich gedreht. Politik nahm ich bewusst wahr, als Helmut Kohl Kanzler wurde – und es meine ganze Jugend über blieb.

Dennoch: Das Jahr 1968 blieb als Mythos immer präsent. Und hin und wieder hörte man Geschichten aus den wilden Tagen. Wie die Kommilitonen den Fiat meiner Mutter in den Lastenaufzug der Uni trugen, zum Beispiel. Und dann die Fotos: lange Haare, weite Krägen. hässliche Pullover und coole Lederjacken – und alle eine Fluppe im Mund. War bestimmt lustig – auch als Kind einer Generation verklärt man gerne die Zeit.   

Die Wahrheit ist jedoch: Als 1968 Geborener hat man mit dieser Zeit soviel zu tun, wie ein nicht eingewechselter Spieler im Finale einer Fußball-WM. Man gehört dazu, hat aber eigentlich nichts beigetragen.

Dennoch wäre ich ohne die 68er nicht der, der ich bin. Weil ich mit viel mehr Freiheiten groß werden durfte.  Weil es in Schule und Uni plötzlich Kurse und Seminare gab. Weil ich als erste Generation wirklich eine Wahl hatte. 1968 hat sich gelohnt, für mich keine Frage. Es ist eine Verpflichtung, die Idee weiterzutragen.

Von Harald Thiel