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NP-Rendezvous 2019 Schlaganfall und Wirbelkanalverengung: Die NP mit im OP
Hannover Meine Stadt NP-Rendezvous 2019 Schlaganfall und Wirbelkanalverengung: Die NP mit im OP
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19:06 06.07.2019
Neurochirurgin Dr. Schrader bei einer Wirbelkanal-OP im Friederikenstift.
Hannover

Bettina Schrader (51) steht am OP-Tisch. Vor ihr liegt eine Patientin, man sieht nur einen kleinen Ausschnitt ihres Rückens, den Schrader etwa drei Zentimeter aufgeschnitten hat. Bis zum Wirbelkanal hat sie sich vorgearbeitet. Dort liegt eine Spinalkanalstenose vor, auch Wirbelkanalverengung genannt. Schrader trägt das verengende Gewebe ab. Etwa 45 Minuten dauert die Operation. Danach, bevor der nächste Patient eingeschleust wird, zieht sich die Neurochirurgin schnell um und besucht auf Station Sven Eckert (52).

Er wurde erst vor zwei Tagen von Schrader am Wirbelkanal operiert. Auch er hatte eine Spinalkanalstenose. Durch die Verengung wurde sein Nerv eingeklemmt. „Vor zwei Jahren hat es mit einem Zwicken im Rücken angefangen. Irgendwann wurden es Schmerzen. Und vor einem halben Jahr wurde mein Fuß taub.“ Vor vier Wochen ist der 52-Jährige schließlich bei Schrader gelandet – und hätte schon paar Tage später operiert werden können.

„Auf einmal ging alles ganz schnell“, erzählt er. Denn nur zwei Tage nach der OP kann er wieder gehen, schon am ersten Tag ist er wieder aufgestanden. „Mir haben in meinem Umfeld alle von einer OP an der Wirbelsäule abgeraten. Sie sagten: Wenn da was passiert, sitzt du im Rollstuhl. Auf diese Sprüche hätte ich nicht hören sollen“, sagt er.

Schrader mit Patient Sven Eckert – zwei Tage nach der OP kann er schon wieder gehen. Quelle: Kelz

„Das ist das Problem, es wird einem zu viel Angst vor der OP gemacht. Dabei ist das Verschleppen viel gefährlicher“, ergänzt Schrader. „Wartet man zu lange, kann der Fuß gelähmt bleiben.“ Bei Eckert ist nochmal alles gut gegangen. „Obwohl er eigentlich zu lange gewartet hat“, sagt seine Ärztin.

„Ich habe keinen einzigen Tag krank gemacht“, sagt der Zerspanungsmechaniker. „Abends konnte ich mich dann nicht mehr bewegen.“, erinnert sich der Burgdorfer. Er habe sich durchgekämpft – obwohl der Job körperlich herausfordernd ist. Seit 35 Jahren übt er diese Tätigkeit aus. Und diese Bewegungen, nach vorne, nach unten, haben wohl auch schlussendlich zu Eckerts Beschwerden geführt. „Das ist typisch für diesen Beruf, ich kenne das auch von Arbeitskollegen“, sagt er.

Jetzt ist der 52-Jährige für vier bis sechs Wochen krankgeschrieben. Eckert: „Hätte ich gewusst, wie unkompliziert alles verlaufen würde, hätte ich mich schon vor einem halben Jahr operieren lassen.“

NP-Interview: Chefarzt Eckhart Sindern zum Thema Schlaganfall

Eckhart Sindern ist Chefarzt der Neurologischen Klinik im Diakovere Friederikenstift. Mit Schlaganfällen kennt er sich aus, die Stroke Unit im Krankenhaus ist sein berufliches Zuhause. Im NP-Interview erklärt er, was so eine Stroke Unit ist – und bei welchen Anzeichen man sofort an einen Schlaganfall denken sollte. Wer mehr über das Thema erfahren möchte: Am Sonntag ist er bei unserem NP-Rendezvous im Stadtpark und berät zum Thema Schlaganfall.

Wie kommt es zu einem Schlaganfall?

Ein Schlaganfall entsteht in der Regel durch eine verstopfte Hirnarterie. Ist die Durchblutung eingeschränkt, kommt es zu Störungen der Funktionen – je nachdem, welche Bereiche betroffen sind. Klassischerweise ist das eine halbseitige Lähmung einhergehend mit Sprachstörung. In zehn Prozent der Fälle ist eine Hirnblutung Ursache.

Eckhart Sindern - Chefarzt der Klinik für Neurologie im Diakovere Friederikenstift Quelle: Christian Behrens

Bemerkt der Patient, wenn er vor einem Schlaganfall steht oder bereits einen erlitten hat?

Bei akuten neurologischen Symptomen wie plötzlich auftretenden Sprach- oder Sehstörungen muss man unbedingt an einen Schlaganfall denken. Hier ist besonders die Umgebung des Betroffenen gefragt, die sieht, wenn er ein Bein nachzieht oder hört, dass er komisch redet. Problematisch ist, dass der Laie die leichten Anzeichen meist nicht selbst bemerkt. Stimmt etwas nicht, sollten Angehörige sofort 112 wählen.

Wie viel Zeit bleibt dem Patienten?

Es muss schnell gehen, pro Sekunde gehen Hunderttausende von Nervenzellen kaputt. Drei bis viereinhalb Stunden nach den ersten Symptomen kann das betroffene Hirngewebe bereits irreversibel beschädigt sein. Daher beim Notruf unbedingt Symptome und Zeitpunkt des Auftretens mitteilen. Der Rettungsdienst ist sensibilisiert auf Schlaganfälle. Über die Leitstelle wird dann die nächste freie Neurologie mit Stroke Unit, einer Schlaganfalleinheit, angefahren. Diakovere betreibt sowohl im Friederikenstift als auch im Henriettenstift eine solche Einheit.

Wie geht es in der Klinik weiter?

Wichtig ist eine schnelle Bildgebung und eine medikamentöse Behandlung. In der Computertomographie wird der Gefäßabbruch mit einem Kontrastmittel festgestellt. Dann wird über eine Vene das Mittel gespritzt, das den Verschluss auflöst. Wir haben im Unternehmen aber nicht nur die Möglichkeit, eine sogenannte Lyse durchzuführen. Wenn das Gerinnsel eine kritische Größe überschreitet, muss es mechanisch mit einem Katheter über die Leiste herausgezogen werden. Diese sogenannte Thrombektomie führt der Neuroradiologe durch.

Und die Folgebehandlung?

Ein Schwerpunkt bei der Behandlung von Schlaganfällen sind die Therapieansätze. Von Beginn an spielen Sprachtherapie, Krankengymnastik und Ergotherapie eine ganz wesentliche Rolle. Wir fangen damit nicht erst Tage nach der Erkrankung an, sondern in der Regel am Tag der Einlieferung. Bei uns bekommt auch jeder Patient sofort eine Schluckdiagnostik, weil Sprachstörungen häufig mit Schluckstörungen einhergehen. Patienten dürfen dann auch nicht essen. Verschlucken sie sich, führt das häufig zu einer Lungenentzündung. Die Zusammenarbeit unserer Spezialisten funktioniert sehr gut. Wir behandeln in Diakovere derzeit rund 1600 Schlaganfallpatienten im Jahr.

  • Vergangenen Samstag haben wir uns mit dem Thema Sprunggelenk beschäftigt. Lesen Sie alles dazu hier.
  • Die Ärzte Bettina Schrader und Eckhart Sindern sind am Sonntag auf unserem NP-Rendezvous zu Gast und beraten zum Thema Schlaganfall und Wirbelkanalverengung. Hier kommen Sie zum Rendezvous-Programm.

Von Josina Kelz

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