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NP-Rendezvous 2019 Sprunggelenkarthrose: So wurde Helmut Walter geholfen
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13:15 01.07.2019
MIT HAND UND FUSS: Prof. Christina Stukenborg-Colsman vom Annastift behandelt ihren Patienten Helmut Walter. Quelle: Wilde
Hannover

Fußball, Tennis, Polizei-Sport: „Ich blicke auf ein langes Sportlerleben zurück“, sagt Helmut Walter (77). Noch mit über 70 trainierte er im Fitnessstudio. Und irgendwann ging mit diesem einst so agilen Sportlerkörper nichts mehr. „Selbst wenn ich auf der Couch lag und lesen wollte, wusste ich nicht, wie ich mein Bein hinlegen soll, weil ich solche Schmerzen hatte“, erinnert er sich. Walters Sprunggelenk war verschlissen. Und das, obwohl er sich immer so fit gehalten hat – oder gerade weil er so viel Sport getrieben hat?

Mehr zum Thema Fuß-Operationen und einen Live-Talk dazu gibt es beim ersten NP-Rendezvous im Stadtpark am Sonntag

Tatsächlich verschleißt das Sprunggelenk nicht durch zu wenig Bewegung – sondern durch viel Bewegung. Das Gelenk ist das meist belastete im Körper, es trägt teilweise das Siebenfache des Körpergewichts. Sprunggelenkarthrose entsteht durch Abnutzungserscheinungen des Gelenkknorpels. Ein prominentes Beispiel ist der Ex-Fußball-Nationalspieler Karl-Heinz Förster (60), dessen Sprunggelenk verschlissen und versteift ist.

Es passierte beim Fußballspielen

Walters Geschichte ist ähnlich. Der heute 77-Jährige war 36 Jahre alt, als es bei einem Fußballspiel passierte. „Ich dachte, mein Bein sei gebrochen.“ Er bekam eine Eispackung und die flüchtige Diagnose: Bänderdehnung. „Und das war auch schon die ganze Behandlung, so war das damals“, sagt Walter. Niemand erkannte, dass sein Sprunggelenk angebrochen war und schief zusammen wuchs. Also lebte Walter sein sportliches Leben weiter.

„Im Sport drückt man Schmerzen und Beschwerden einfach weg, das ist normal“, so der ehemalige Polizist. „Und im Polizeidienst wird man teilweise auch hart rangenommen.“ 2003 wurde der Bundespolizeibeamte, der zuletzt im Bundesinnenministerium in Berlin arbeitete, pensioniert. Danach wurden die Beschwerden immer größer. „Irgendwann habe ich alle Ballsportarten aufgegeben und mich im Fitnessstudio angemeldet, da konnte ich den Fuß auslassen.“ Aber sogar das ging irgendwann nicht mehr, vor vier Jahren gab der Sportfan seine körperlichen Aktivitäten ganz auf.

„Dann dachte ich mir: Bevor ich 80 werde, sollte ich etwas dagegen unternehmen, jetzt kann ich so eine OP noch gut wegstecken.“ Gesagt, getan. Walters Gelenk war bereits derartig zerschlissen, dass eine Versteifung immer wahrscheinlicher wurde. Im Gelenk war so gut wie kein Knorpel mehr übrig. „Das Annastift in Hannover wurde mir für die Operation empfohlen“, sagt der Gifhorner.

Es war eine Entscheidung, die er nicht bereuen sollte. Christina Stukenborg-Colsmann operierte ihn dort. Nur vier Tage lag er im Krankenhaus. Das war im Dezember. „Und danach hatte ich nie wieder Schmerzen.“

Was hilft bei einer Sprunggelenkarthrose?

Das Diakovere Annastift in Hannover gilt als führendes Krankenhaus für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie, Christina Stukenborg-Colsman ist Chefärztin dieses Departments. Im NP-Interview erklärt sie, welche OP bei einem verschlissenen Sprunggelenk empfehlenswert ist.

Christina Stukenborg-Colsman ist Chefärztin am Diakovere Annastift. Quelle: Wilde

Wenn das Sprunggelenk nicht mehr funktioniert und konservative Behandlungsmethoden nicht mehr helfen, kommt der Schnitt. Wie oft hören Sie die Frage: Bin ich zu alt für eine Operation?

Die Frage kommt tatsächlich häufiger. Man muss dabei sehen, dass Patienten heutzutage teilweise 85 oder 90 Jahre alt werden. Gegebenenfalls muss man also 15 Jahre mit den Problemen herumlaufen. Dann sollte man sich schon überlegen, ob eine Operation in Frage kommt. Und diese Operationen werden heute so schonend durchgeführt, dass das auch im Alter von 65, 70 oder 75 Jahren kein Problem ist.

Was ist die häufigste Erkrankung des Sprunggelenks?

Am Anfang steht häufig ein Umknicken in jungen Jahren oder im mittleren Alter, meist nach außen. Das hat häufig einen Bänderriss zur Folge. Der wird behandelt, verheilt, und der Patient hat erstmal Ruhe. Aber irgendwann endet das in einer Fehlstellung und Arthrose, wenn das Band nicht richtig angewachsen ist. Diese Fälle sind gar nicht so selten. Zwischen 20 und 30 Prozent der Betroffenen bleiben instabil.

Wie macht sich das dann bei älteren Menschen bemerkbar?

Durch die verbleibende Instabilität entwickelt sich eine Arthrose im Gelenk. Das betrifft bei uns in der Regel Patienten zwischen 60 und 70 Jahren. Mit dem Verschleiß kommen die Schmerzen. Zudem kann die Instabilität über die Jahre zu einer Fehlhaltung führen, bei der der Patient über den Außenrand läuft. Das führt zu Sekundärproblemen an den Sehnen und noch mehr Schmerzen durch Überbelastung. Das verselbstständigt sich irgendwann.

Wie sind die Optionen?

Grundsätzlich gibt es bei frischen Bänderrissen eine Reihe von Maßnahmen: von einer Ruhigstellung, sogenannten Orthesen in Kombination mit Physiotherapie bis hin zur operativen Bandnaht. Aber die ergibt bei einem 70-Jährigen mit ausgeleierten Bändern 40 Jahre nach dem Bänderriss nicht so viel Sinn. Sind die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgereizt, schauen wir, ob der Patient für eine Versteifung oder ein Implantat in Frage kommt. Im Jahr operieren wir bei uns im Annastift rund 20 Prothesen und 40 Versteifungen des oberen Sprunggelenks – damit sind wir führend.

Wann entscheiden Sie sich für welchen Eingriff?

Es wäre schön, wenn sich der Patient das aussuchen könnte. Häufig kommt aber nur eines der beiden Verfahren überhaupt in Frage, bei ganz wenigen geht beides. Wenn die Beweglichkeit schon vollständig aufgehoben ist, profitiert der Patient auch von der Prothese nicht. Hat er Probleme mit den Knochen, ist das für eine Prothese ebenfalls schlecht. Hat er eine gering ausgeprägte Fehlstellung und Arthrose in den umliegenden Gelenken, macht ein Implantat Sinn, um diese Gelenke zu entlasten.

Wie haltbar sind Sprunggelenksprothesen?

Man kann sagen, dass nach zehn Jahren rund 85 von 100 Patienten noch mit der Prothese durch die Gegend laufen. Das ist nicht ganz so gut wie bei Hüfte oder Knie. Bei der Versteifung haben wir nach zehn Jahren Anschlussarthrosen. Das liegt einfach daran, dass die Belastung des ehemaligen Gelenks durch die Nachbargelenke übernommen wird.

Übungen zum Vorbeugen

Können ältere Menschen etwas für die Füße tun?

 

Auf jeden Fall, sie können vor allem ihre Muskeln kräftigen – die Waden- und die Fußmuskulatur. Das sind kleine, einfache Übungen, die man in den Alltag integrieren kann, sagt Physiotherapeut Wolfgang Eikens vvom Annastift.

Auf einem Bein stehen. Quelle: Wilde

 

Einfach mal auf einem Bein stehen oder auf die Zehenspitzen gehen, beim Zähneputzen beispielsweise. Damit stärkt man seine Wadenmuskulatur und gleichzeitig seine Balance.

Dehnübungen an Treppenstufen. Quelle: Wilde

 

Man kann kleine Dehnübungen an Treppenstufen machen. Das führt vor allem dazu, dass sich die Achillessehnen nicht verkürzen.

Von Josina Kelz