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Meine Stadt Mutter gesteht: Kind in Hundebox gesperrt
Hannover Meine Stadt Mutter gesteht: Kind in Hundebox gesperrt
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14:34 23.09.2019
Vor Prozessbeginn vor der Ersten Großen Jugendkammer: Andrea K. (mit Anwalt Helmut Wöhler) stellt sich den Fotografen und Kameraleuten. Quelle: Thomas Nagel
HANNOVER

Vordergründig hat Andrea K. (44) ein Geständnis abgelegt: Sie habe im Juli 2016 ihre sechsjährige Tochter in eine Hundebox eingesperrt. Aber nur, weil sie sich nicht anders zu helfen wusste. Sie wollte den Kindsvater zu Hilfe holen, weil das Kind nicht aus seinem Versteck herauswollte. Um zu verhindern, dass die Tochter unbeobachtet weg läuft, habe sie das Gehäuse (knapp ein Meter lang und 61 Zentimeter hoch) mit Kabelbindern verschlossen.

Die Anklage legt der Mutter noch weitere Taten zur Last: Sie soll ihre Tochter mit der Peitsche geschlagen haben. In mindestens einem Fall habe sie dem Kind, wenn es mal wieder nicht gehorchte, mit einem elektrischen Hundehalsband einen Stromstoß versetzt. Im August oder September 2017 soll die Angeklagte ihre Tochter in Burgwedel nur mit Strümpfen bekleidet im Wald ausgesetzt haben, so dass sie hinter dem fahrenden Auto hinterher laufen musste. Der Grund: Das Kind habe seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Angeklagte wuchs im Waisenhaus auf

Ist Andrea K. eine „Mutter gnadenlos“? Am Montag leugnete sie im Landgericht Hannover die Taten der Misshandlung von Schutzbefohlenen, der gefährlichen Körperverletzung und der Freiheitsberaubung. Mit ihrer mittellangen Haaren, ihrer untersetzten Figur und ihrer Brille mit Metallgestell wirkt sie bieder. Ihr Lächeln ist sympathisch. Sie hat mehr als 90 Minuten aus ihrem Leben erzählt und zu den Vorwürfen Stellung bezogen – in freier Rede.

Die Angeklagte verbrachte die ersten viereinhalb Jahre ihres Lebens im Kinderheim. Dann kam sie zu Pflegeeltern. Doch die hätten ihren leiblichen Sohn vorgezogen, erzählt die Krankenpflegerin. 2010 wurde ihr erstes Kind geboren. „Ich habe mich sehr darauf gefreut“, sagt Andrea K. Ihre Pflegeeltern wollten, dass sie das Kind abtreibe.

Sie redet schlecht über ihre Tochter

Drei Jahre nach der Geburt verließ sie den Kindsvater, weil der sich nie um die Familie gekümmert habe. Warum sie 2015 das zweite Kind von ihm bekam, erzählt sie nicht. Warum er nach der Trennung zeitweise „jeden Abend zum Essen“ kam, ist einer der vielen Widersprüche in ihrer Aussage.

Immer wieder beschwört sie ihre Mutterliebe in allgemeinen Floskeln: „Ich habe alles für meine Kinder getan.“ „Die Kinder waren immer die Nummer eins.“ In ihrer langen Erklärung nennt sie nicht eine Situation, aus der wahre Liebe spricht. Im Gegenteil, sie spricht von ihrer Tochter, wie über einen Ex-Partner nach einer schmutzigen Trennung. Das Kind habe häufig gelogen, „ständig gesabbelt“, war ungehorsam, habe Krankheiten vorgetäuscht, wollte immer im Mittelpunkt stehen. Redet so eine Mutter, die ihr Kind liebt?

Tochter benötigt jahrelange Therapie

Das Kind war 2018 ein halbes Jahr in der Psychiatrie. Laut Experten braucht sie noch jahrelange psychotherapeutische Behandlung.

Wie ein roter Faden ziehen sich zwei Elemente durch die Aussage der Angeklagten. Sie war permanent mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert, und Schuld daran waren immer die Anderen. Ein weiterer Widerspruch: Über die Belastung, sich um zwei belgische Schäferhunde und zeitweise zwei Pflegehunde zu kümmern, verliert Andrea K. kein Wort. Mittendrin in ihrer Detail versessenen Aussage sagte Andrea K.: „Ich verstehe meine Tochter nicht.“

In Wahrheit hat Andrea K. wohl eher ihr Problem nicht verstanden: Sie fühlt sich ungeliebt von den Pflegeeltern und wollte dann später ein Familienidyll mit Kindern und Hunden leben, das sie nie kennengelernt hatte. Doch zu einer Familie gehört Empathie. Andrea K. hatte offensichtlich nie die Gelegenheit, ein solches Gefühl richtig zu entwickeln.

Von Thomas Nagel

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