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Meine Stadt Mord: Staatsanwältin fordert lebenslang
Hannover Meine Stadt Mord: Staatsanwältin fordert lebenslang
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12:05 28.11.2018
IHM DROHT EINE LEBENSLANGE GEFÄNGNISSTRAFE: Ronald B. Foto: Quelle: dpa
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HANNOVER

Die letzten Rätsel im Mord an einer Schülerin (16) in Barsinghausen werden ungelöst bleiben. Es finden sich DNA-Spuren von Ronald B. (24) am Slip des Opfers. Aber eine Gutachterin (42) des Landeskriminalamtes konnte keine Vergewaltigungsspuren feststellen. Doch warum waren Hose und Slip des Mordopfers heruntergezogen?

Richter Wolfgang Rosenbusch gab am Mittwoch nach dem Gutachten einen rechtlichen Hinweis. So könnte Ronald B. auch wegen Totschlags verurteilt werden. Das geschieht, wenn die Schwurgerichtskammer keine Mordqualifikationsmerkmale feststellen kann. In diesem Fall wären das Heimtücke (Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers) und die Verdeckung einer Straftat. Ronald B. war auf Bewährung in Freiheit und könnte die Schülerin getötet haben, um einen sexuellen Übergriff zu verschleiern. Doch sollte der Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren verurteilt werden, dann käme auch eine anschließende Sicherungsverwahrung in Frage. Der Angeklagte hat vor Gericht geschwiegen. Die Verhandlung verfolge er teilnahmslos. Abgewandt vom Geschehen machte er sich auf seiner Bank irgendwelche Notizen.

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Staatsanwältin sieht keine besondere Schwere der Schuld

Von einer Sicherungsverwahrung will Staatsanwältin Friederike Riemer nichts wissen. Sie plädierte auf eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes. Am 17. Juni 2018 musste die Schülerin sterben, weil der Angeklagte sie als Zeugin ausschalten wollte. „Er hatte sich eines sexuellen Übergriffs schuldig gemacht“, so Riemer. Und zwar, weil er ihr Hose und Slip herunter gezogen habe. „Er hat das einzige Beweismittel, dass ihn belasten konnte, zerstört.“ Die Staatsanwältin geht davon aus, dass Ronald B. sein Opfer im handlungsunfähigen Zustand über den Rasen der Adolf-Grimme-Schule gezogen hat. Dann habe er mindestens drei Mal mit einem schweren Ast auf ihr Gesicht eingeschlagen.

Bei Ronald B. handle es sich um einen Mann, dessen Straftaten immer brutaler geworden seien. Und immer seien sie gegen den Kopf seiner Opfer gerichtet gewesen. Eine besondere Schwere der Schuld mochte die Staatsanwältin dennoch nicht sehen. Dazu müsse er über die Verbüßung der Tat hinaus eine schlechte Sozialprognose haben. Das sehe sie nicht.

Die Beweislage ist ziemlich klar: Es gab DNA des Angeklagten an der Tatwaffe, ebenso wie Blutspuren des Opfers an seiner Hose. Auch ein Fußabdruck am Hals der Schülerin passt zu seinen Schuhen. Zudem soll er schon vor Entdeckung der Leiche von dem Tod der 16-Jährigen gesprochen haben. Und er war der Letzte, der in Begleitung des Opfers gesehen wurde.

Von Thomas Nagel