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Meine Stadt Rentner überfährt Frau auf dem Gehweg
Hannover Meine Stadt Rentner überfährt Frau auf dem Gehweg
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16:05 06.01.2019
HIER FINDET DER PROZESS STATT: Gerhard W. muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Quelle: Foto: dpa
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HILDESHEIM

Ein unglaubliches Verbrechen erlebt demnächst vor dem Landgericht Hildesheim seine Neuauflage. Rentner Gerhard W. (76) steht wegen versuchten Mordes vor der Schwurgerichtskammer. Der Prozess war im Juli 2015 geplatzt. Das Gericht hielt eine psychiatrische Untersuchung des Angeklagten für notwendig.

„Es gibt mehrere Gutachter, deren terminliche Koordinierung schwierig war und es handelte sich nicht um eine Haftsache“, erklärte Gerichtssprecher Philipp Suden die fast vierjährige Prozessunterbrechung.

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Das Verbrechen liegt nun schon fast fünf Jahre zurück. Am 25. März 2014 kam es in Alfeld (Kreis Hildesheim) zu dem unglaublichen Verbrechen. Gerhard W. verließ mit seinem Opel Corsa einen Parkplatz. Dabei übersah der Angeklagte eine Altenpflegerin (53). Leicht touchierte er sie am Bein. Die Frau klopfte auf die Motorhaube des Corsas und sagte: „Hey, hey, ich gehe hier“.

Eine Situation, die tausendfach jeden Tag im Land passiert. Doch anstatt sich zu entschuldigen, gab Gerhard W. Gas. Er überrollte die Fußgängerin und „schleifte sie drei Meter unter dem Motorblock mit“, heißt es in der Anklage. Die Frau überlebte nur knapp den Angriff. Sie erlitt multiple Knochenbrüche und ein Schädel-Hirn-Trauma. Der linke Arm ist seit der Attacke gelähmt. Im Prozess 2015 sagte sie, dass sie nur mit Morphium, Anti-Depressiva und Schlafmittel über den Tag komme.

Was könnte das Motiv für diese mörderische Tat gewesen sein? In der Anklage heißt es, dass Gerhard W. die Konsequenzen für seinen Fahrfehler fürchtete. Oder hatte er getrunken und bangte um seinen Führerschein? Gerhard W. führte bis zum 25. März 2014 ein völlig untadeliges Leben: Er ist im Schützenverein und der Freiwilligen Feuerwehr engagiert. Der Witwer und Vater einer Tochter gilt als ruhig und zuverlässig.

Während des Prozesses 2015 leugnete er die Tat. „Ich habe niemanden gesehen oder wahrgenommen“, sagte der Angeklagte. Er dachte, er sei über eine Rasenkante gefahren. Von psychischen oder organischen Erkrankungen des Angeklagten war damals nichts bekannt.

Der Prozess wird am 7. März beginnen. Es sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil ist für den 5. April vorgesehen.

Von Thomas Nagel