Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Barsinghausen: 14 Jahre Haft für Ronald B.
Hannover Meine Stadt Barsinghausen: 14 Jahre Haft für Ronald B.
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:07 05.12.2018
IM GERICHT: Ronald B. vor seiner Verurteilung.
IM GERICHT: Ronald B. vor seiner Verurteilung. Quelle: Foto: Heusel
Anzeige
HANNOVER

Mit einem Lächeln verabschiedete sich Ronald B. (24) aus dem Schwurgerichtssaal des Landgerichts. Er wurde am Mittwoch wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft verurteilt. Ferner ordnete Richter Wolfgang Rosenbusch den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung an. Sollte B. im Vollzug negativ auffallen, bliebe er für unbestimmte Zeit nach Verbüßung der Freiheitsstrafe im Gefängnis.

„Das Gericht hat keinen Zweifel, dass sie der Täter sind“, sagte Rosenbusch. Ronald B. hat am 17. Juni 2018 in Barsinghausen die Schülerin Anna-Lena (16) brutal erschlagen. Während der Richter das Urteil sprach, verfolgte die Mutter des Opfers zitternd und weinend die Verhandlung. Tabletten liegen vor ihr auf dem Tisch. Der Angeklagte wirkte hingegen so, als ginge ihn das Ganze nichts an. Er schien eher amüsiert, die Urteilsverkündung zu verfolgen. Nur einmal zeigte er eine Regung. „Es war eine wilde, brutale Tat“, so der Richter. Deshalb sei man knapp unter der Höchststrafe geblieben. Ronald B. schüttelte den Kopf. Bis zum Schluss hatte er geschwiegen.

Ein Rätsel konnte das Gericht nicht klären

Dabei war die Beweislast erdrückend. Er begleitete zur Tatzeit zwischen 1.30 und 2 Uhr nachts die Schülerin. Es fand sich seine DNA an der Tatwaffe und an der Kleidung des Opfers. Auch Blutspritzer der Schülerin befanden sich an seiner Hose. Der Schuhabdruck auf dem Hals der 16-Jährigen passte zu seinen Sportschuhen. „Die DNA-Spuren lassen allein den Schluss zu, dass sie der Täter sind“, erklärte Rosenbusch. Und dann hat der Angeklagte auch noch Täterwissen offenbart. Einem Bekannten erzählte er um 13.55 Uhr von dem Fund einer Frauenleiche. Die Polizei erhielt erst zehn Minuten später die Nachricht von einer Toten. Erst Stunden später stand die Identität des Opfers fest.

Doch ein großes Rätsel konnte auch das Gericht nicht klären. „Wir haben letztendlich nicht das Motiv klären können“, sagte der Richter. Wollte Ronald B. eine Sexualstraftat verbergen? Wollte er sich an der Schülerin rächen? Das Gericht könne nur Vermutungen anstellen. Täter und Opfer hatten sich erst am Abend des 16. Junis kurz kennengelernt. Deshalb kam eine Verurteilung wegen Mordes nicht in Frage. Aber dem Angeklagten droht auf andere Art und Weise ein „Lebenslänglich“: die Sicherungsverwahrung. „Sie haben eine sehr schlechte Sozialprognose“, meint der Richter. Bereits zwei Mal habe Ronald B. für längere Zeit in Haft gesessen – wegen Gewaltdelikten. Wahrscheinlich habe B. einen Hang dazu.

Nach dem Prozess nahm Uwe Hoffmann, Anwalt der Mutter des Opfers, Stellung: „Das Urteil finde ich positiv.“ Vor allem der Vorbehalt der Sicherungsverwahrung habe ihn überzeugt. Seine Mandantin leide sehr unter dem Verbrechen. „Sie befindet sich derzeit in stationärer psychiatrischer Behandlung. Am Mittwoch war sie zum ersten Mal im Prozess.

Von Thomas Nagel