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Meine Stadt Moia-Busse fahren jetzt durch die gesamte Stadt
Hannover Meine Stadt Moia-Busse fahren jetzt durch die gesamte Stadt
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11:15 04.02.2019
Ein Fahrgast steigt im Stadtzentrum in einen Volkswagen T6 des Mobilitätsunternehmens MOIA ein.
Ein Fahrgast steigt im Stadtzentrum in einen Volkswagen T6 des Mobilitätsunternehmens MOIA ein. Quelle: dpa
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Hannover

Der Ridesharing-Dienst Moia ist nun im gesamten Stadtgebiet verfügbar. Das Volkswagen-Tochterunternehmen hat sein Geschäftsgebiet seit dem offiziellen Start im Juli damit nach eigenen Angaben von 114 auf 204 Quadratkilometer nahezu verdoppelt. Neu hinzugekommen sind vor allem die städtischen Randbezirke wie Vahrenheide, Mecklenheide, Wülferode, Misburg und Stöcken. „Hannover ist die erste deutsche Stadt, in der wir unser Ridesharing nun flächendeckend ausgerollt haben“, sagt Moia-Geschäftsführer Ole Harms. Ins Umland fahren die Moia-Busse allerdings weiterhin nicht. Dafür müsste das Unternehmen mit den einzelnen Kommunen verhandeln. Eine Genehmigung liege aber bisher nur für die Stadt vor.

Moia hat mit der Erweiterung vor allem die Pendler im Blick und sieht sich als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Arbeitnehmer sollen vom eigenen Pkw auf die VW-Shuttle umsteigen. „Dabei wollen wir die bestehende Infrastruktur optimal ausnutzen und gegen Probleme wie Stau, Luftverschmutzung und Lärm wirken“, betont Harms. Damit werden auch mehr Moia-Busse in der Stadt unterwegs sein. „Wir werden die Zahl schrittweise vergrößern“, erklärt Moia-Sprecher Christoph Ziegenmeyer. Derzeit würden in Hannover 76 Busse fahren, das Unternehmen hat eine Genehmigung für 150 Fahrzeuge.

So funktioniert Moia

Moia ist eine moderne Form des Sammeltaxis – auch wenn das Unternehmen dies wahrscheinlich so nie selbst beschreiben würde. Denn anders als Taxis holen die VW-Busse die Fahrgäste nicht von zu Hause ab, sie bringen sie auch nicht genau zum Zielort. Die Stadt ist vielmehr mit virtuellen Haltestellen durchzogen, an denen Fahrgäste ein- und aussteigen können.

Den Shuttle-Service bestellen die Kunden mit einer Smartphone-App. Dort wählt man seinen Einstiegsort und Ziel-„Haltestelle“. Wollen mehrere Fahrgäste in dieselbe Richtung, berechnet Moia eine Route, auf der alle eingesammelt werden können. Dies ist häufig nicht der direkte und schnellste Weg. In der Nähe des Ziels werden die Nutzer dann abgesetzt.

Noch sind das alles Benziner. Ab der zweiten Jahreshälfte möchte Moia in Hannover auch Elektrofahrzeuge einsetzen. Ihr Anteil soll stetig erhöht werden. 2020 soll schon die Hälfte der Busse mit Strom fahren, zwei Jahre später dann die gesamte Flotte. In Hamburg startet das Unternehmen indes direkt mit Elektro-Bussen. „Das ist aus der Historie entstanden. In Hannover müssen wir die notwendige Ladeinfrastruktur erst bauen“, erklärt Ziegenmeyer.

Kritik an Moia gibt es vom Gesamtverband des Verkehrsgewerbes Niedersachsen. „Moia ist eine Nullnummer“, kritisiert Gunter Zimmermann vom Geschäftsbereich Taxi. Die Moia-Fahrzeuge seien seinen Beobachtungen nach selten mit mehr als einem Fahrgast belegt. „Somit sind nicht weniger Autos in der Stadt unterwegs. Den Effekt, den Moia verspricht, gibt es nicht “, kritisiert Zimmermann. Zur Auslastung ihrer Fahrzeuge verrät Moia nichts. In Hannover habe es im Januar 70.000 registrierte Nutzer gegeben, 20.000 mehr als noch im Vormonat. „Natürlich gibt es bei uns auch Phasen, in denen weniger los ist“, sagt Ziegenmeyer. Zu den Berufsverkehrs-Zeiten sowie am Freitagabend und Sonnabendabend seien die Auslastungen hoch.

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Zimmermann befürchtet, dass das Taxigewerbe die Moia-Ausbreitung spüren wird. „Moia kann als VW-Tochterunternehmen vor allem jetzt zum Start Preise anbieten, die niemand mitgehen kann. Das ist wettbewerbsverzerrend, aber da interessiert sich offenbar niemand für“, sagt Zimmermann. Ziegenmeyer betont jedoch, dass es völlig normal sein sollte, dass eine „geteilte Fahrt“ im Moia weniger kostet, als die eines einzelnen Fahrgastes im Taxi. „Wir sind kein Taxi-Service“, sagt Ziegenmeyer. Auch die Stadt Hannover kann keinen unlauteren Eingriff in den Markt feststellen. „Eine Wettbewerbsverzerrung können wir nicht erkennen“, sagt Stadt-Sprecher Udo Möller. Bei den Preisen müsse sich Moia an Auflagen halten. Das Taxigewerbe dürfe nicht bedroht werden.

Die Üstra blickt indes entspannt auf die Entwicklung von Moia. „Wir machen uns keine Sorgen“, sagt Sprecher Udo Iwannek. Er rechnet nicht damit, dass die VW-Shuttles keine spürbaren Auswirkungen auf die Fahrgastzahlen der Üstra haben werden.

Von Sascha Priesemann