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Meine Stadt Mit diesem Hund läuft Schule besser
Hannover Meine Stadt Mit diesem Hund läuft Schule besser
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00:24 28.04.2018
ICH HÖRE EUCH ZU:Während  diese beiden Viertklässler der Grundschule Am Welfenplatz eine neue  Geschichte vorlesen, liegt Schulhündin Süli zwischen den Kindern und hört ihnen zu.
ICH HÖRE EUCH ZU:Während diese beiden Viertklässler der Grundschule Am Welfenplatz eine neue Geschichte vorlesen, liegt Schulhündin Süli zwischen den Kindern und hört ihnen zu. Quelle: Fotos: Petrow
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hannover

Der Klassenraum der 4c an der Grundschule Am Welfenplatz (List) wirkt auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Schulraum. Stühle, Tische, das Lehrerpult neben der Tafel, Regale und viele Poster mit Buchstaben, Zahlen und Worten an den Wänden. Eine Sache ist auf den zweiten Blick doch anders: Inmitten der Tischgruppen liegt eine hellbraune Hündin. Süli, ein acht Jahre alter Fundhund aus den ungarischen Wäldern. Offizieller Schulhund der Lister Grundschule. Noch gehört Niedersachsen zu den Bundesländern, in denen es keine Standards für Schulhunde gibt. Diese werden derzeit erarbeitet.

An drei Tagen die Woche kommt die Moodie-Retriever-Hündin mit Lehrerin Astrid Vokkert in die Schule. „Mehr Tage wären zu viel Stress für sie. Der Schultag ist für Süli enorm anstrengend, wie ein richtiger Arbeitstag eben“, so Vokkert. Seit 2013 gehört Süli ihrer Besitzerin, nach einer anderthalbjährigen Ausbildung kam sie 2014 schließlich mit an die Grundschule. Die Pädagogin erklärt: „Ich suchte einen kinderfreundlichen Hund und hatte zeitgleich großen Respekt davor, mir überhaupt einen Schulhund anzuschaffen. Aus Angst vor den großen Veränderungen im Alltag.“ Heute sagt Vokkert: „Wenn ich damals gewusst hätte, was für ein großer Gewinn ein Schulhund für Kinder und das Lernen ist, hätte ich es schon zehn Jahre früher gewagt.“

„Hallo Frau Süli“ wird die Pädagogin auf den Schulfluren oft von jüngeren Kindern begrüßt. Betritt sie die Klasse, geht die Hündin stets ein paar Schritte voraus. Süli ist der Star an der Schule. Ihr Lohn: unzählige Streicheleinheiten. „Wer hat heute Hundedienst?“, fragt die Klassenlehrerin. Ein Junge steht auf, hängt das Süli-Schild vorne an die Klassentür. „Damit alle Besucher Bescheid wissen und ohne zu klopfen reinkommen“, so Vokkert. Für die Kinder ist das völlig normal. Sie kennen bislang nur Schule mit Hund. „Sie sind zusammen eingeschult worden. Süli hat großen Anteil daran, dass die Kinder gerne zur Schule gehen“, erzählt die Klassenlehrerin. Und sie wissen auch, dass es strikte Regeln gibt, wenn Süli dabei ist. „Nicht schreien“, ist eine. „Süli nicht stören, wenn sie in ihrem Hundezelt, der als Rückzugsort dient, ist“, eine andere. Wie ruhig es in dem bunten Klassenzimmer zugeht, fällt sofort auf. Auch deshalb sei ihre Klasse bei anderen Lehrern sehr beliebt. Vokkert erklärt das so: „Das hat natürlich einerseits mit unseren Regeln zu tun. Aber vor allem mit der positiven Stimmung, die Hunde verbreiten. Sie wirken extrem beruhigend auf ihre Umgebung. Schon nach fünf Minuten sinkt das Stresshormon im Raum.“ Und doch sind Hund und Kinder nie alleine. „Auch das ist eine Regel – zum Schutz aller“, erklärt die Lehrerin.

Wenn es dem Hütehund mal zu viel wird, könnte er rein theoretisch in sein sogenanntes Kennel gehen, eine Art Hundebox. „Aber das kommt eigentlich nie vor. Lieber legt sich Süli bei einem Kind unter der Schreibtisch. Das ist eine große gegenseitige Liebe.“ Hündin und Schüler sind sich auch in diesem Punkt ähnlich, schildert die Lehrerin: „Weder Hunde noch Kinder lernen bei Stress und Druck. Mit Spaß geht alles leichter von der Hand.“

Immer wieder bindet Astrid Vokkert ihren Hund in den Unterricht ein. Mal legt sie Aufgaben auf den Boden aus und Süli entscheidet mit der Pfote, womit begonnen wird. Vokkert: „Sowieso findet viel Unterricht auf dem Boden statt, damit Süli sich dazulegen kann.“ So war es für die Kinder auch, als sie in der ersten Klasse das Lesen gelernt haben. „Ich habe die Kinder bewusst zu Süli gesetzt, damit sie ihr vorlesen. Ein Hund kritisiert nicht, er ist nur da. Das nimmt viel Druck“, weiß die Lehrerin. Sowieso lernen die Kinder eine Menge Achtsamkeit mithilfe des Schulhundes. Das helfe auch, wenn es mal Streit zwischen den Kindern gebe: „Wenn sich Kinder auf dem Schulhof zerstreiten, dann gehen sie meist von selbst nach der Pause zu Süli, um sie zu streicheln. Und beim gemeinsamen Streicheln ist der Streit ganz schnell vergessen.“ Das gilt auch, wenn ein Kind morgens traurig in die Schule kommen. „Dann setzen sie sich sofort zu Süli und flüstern ihr den Kummer ins Ohr. Das spendet viel Trost. Hunde halten eben einfach die Seele gesund.“

Von Britta Lüers