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Meine Stadt Mit Hochdruck: Aha spült Roten Faden weg
Hannover Meine Stadt Mit Hochdruck: Aha spült Roten Faden weg
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15:50 19.04.2019
Weggespült: Die Hochdruckreiniger von Aha haben nicht nur den Schmutz, sondern an vielen Stellen auch Hannovers berühmten Roten Faden entfernt. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Mit Hochdruck und 90 Grad heißem Wasser reinigt Aha seit 2016 in der Innenstadt. Für das schicke Pflaster ist das ein Segen. Für Hannovers Roten Faden ein großes Problem. Die Touristenattraktion löst sich an vielen Stellen auf. Anderswo ist sie wegen Baustellen verschwunden. „Wir müssen eine Lösung finden“, sagt Hannovers Marketing- und Tourismuschef Hans Nolte.

Im Rathaus läuft die Suche auf Hochtouren. Bereits mehrere Sitzungen hat es unter Beteiligung von Stadtplanern, Tiefbauamt und Stadtmarketing gegeben. Bei einem Rundgang machten sich die Experten ein Bild der Lage. So viel steht fest: Der Rote Faden, der an 36 Sehenswürdigkeiten in Hannovers Innenstadt vorbeiführt, soll erhalten werden. Nur wie? „An die Hauswände können wir ihn nicht pinseln“, sagt Nolte.

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Roter Faden bei Touristen beliebt

Wie beliebt der Rote Faden bei Touristen ist, zeigt die Nachfrage nach den kleinen Heftchen, die man dazu erwerben kann. Laut Nolte „nach wie vor die beliebteste Verkaufsbroschüre. Es lohnt sich, dass wir uns Gedanken machen“, sagt er. Das sieht auch Martin Prenzler so, Geschäftsführer der Citygemeinschaft. Er fordert: „Der Rote Faden muss permanent nachgebessert werden“.

Wo weiter? Am Hohen Ufer wurde der Rote Faden durch die Bauarbeiten unterbrochen. Quelle: Behrens

An einigen Stellen wollen aber weder Bauverwaltung noch Tourismuschef einen dicken, roten Strich über das Pflaster ziehen – aus stadtgestalterischen Gründen. Auf dem Kröpcke zum Beispiel oder am Hohen Ufer, wo aktuell eine schicke Flaniermeile unter Platanen entsteht. Dort soll der Faden auch nach Abschluss der Bauarbeiten nicht wieder aufgenommen werden.

Rote Pfeile statt Roter Faden?

Eine Alternative hat Nolte schon testen lassen: Rote Punkte mit Pfeilen, die auf das Pflaster geklebt wurden. Allerdings müssten auch sie dem Hochdruck-Angriff der Aha-Reinigungsmaschinen standhalten. „Auf grobem Pflaster hält die Farbe wunderbar, auf den glatten Steinen verschwindet sie durch die Reinigung aber schnell“, berichtet der Tourismuschef.

Und ums Geld geht es auch. Als der Faden zuletzt auf seinen 4,3 Kilometern Länge erneuert wurde, kostete das mehr als 12.000 Euro. Nolte will das nicht mehr aus seinem Budget zahlen. Auch dazu wird es eine Lösung geben müssen – bevor sich Hannovers Touristenattraktion ganz auflöst.

Von Christian Bohnenkamp