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Meine Stadt Hannover: Messe soll Schüler für Technik begeistern
Hannover Meine Stadt Hannover: Messe soll Schüler für Technik begeistern
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18:30 01.11.2018
Ein Roboter macht Tai Chi: Alexander Nietsch (34) stellt Edward (13), Sophie (14) und Amelie (14, von links) sein Projekt vor. Quelle: Foto: Heusel
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Hannover

Roboter, die Tai-Chi-Übungen vormachen, ferngesteuerte E-Autos auf drei Rädern oder Badeanzüge, die ihre Farbe ändern: Technische Innovationen, die nicht Profis, sondern Schüler aus ganz Niedersachsen ersonnen haben. Zu sehen sind sie am Freitag von 9 bis 14 Uhr auf der Schülermesse „Technik verbindet“ im Lichthof der Leibniz Universität – 1000 Besucher werden erwartet. Projekte wie diese sollen Schüler für Technik begeistern – denn in der Schule komme das meist zu kurz, findet Uwe Groth (61) vom Organisatoren-Team: „Wir sind der Technologie-Standort Deutschland – und Technik wird auf vielen Schulen nicht mal unterrichtet“, kritisiert er. Birgit Glasmacher (60) ist Professorin für Medizintechnik und kennt das Problem: „Die meisten studieren technische Berufe nur, wenn es einen Ingenieur in ihrer Familie gibt.“ Den jungen Menschen fehle der Zugang zu Technik. Mit der Messe von Schülern für Schüler soll sich das ändern.

Mädchen für Technik begeistern

Das Badeanzug-Projekt von 16 Schülerinnen einer 8. Klasse der IGS Linden soll vor allem Mädchen von Technik begeistern – die Badeanzüge wechseln im UV-Licht die Farbe oder leuchten im Dunkeln. „Die technischen Berufe sind noch immer sehr Männer-lastig. Nur 15 Prozent der Studierenden in unseren technischen Studiengängen sind weiblich. Das soll sich ändern“, so Glasmacher.

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Die Jungs des Projekts „Ferngesteuerte Autos“ sind schon von Technik begeistert: Die Schüler der KGS Hemmingen lassen ihre eigenhändig umgebauten Modellautos durch den Lichthof rasen. Ihr Lehrer Uwe Reinbeck (52) beobachtet die Szenerie und ist zufrieden – denn das mangelnde Verständnis für Technik bei jungen Menschen sorgt ihn: „An Gesamtschulen findet Technik immerhin bis zur zehnten Klasse statt, an Gymnasien gibt es das Fach gar nicht. Das ist ein Fehler im Schulsystem. Manche jungen Menschen wissen nicht mal mehr eine Schraube von einem Nagel zu unterscheiden.“ Deswegen bietet die KGS Hemmingen Technik noch in der Oberstufe als Wahlfach an.

Vom Telefon mit Wählscheibe zum Smartphone

Zwischen Innovationen und Schulklassen-Gewusel sitzen die Herren des Hannoverschen Fernmeldeclubs. Ihre Schuljahre fanden zu einer Zeit statt, als man noch mit Wählscheiben Telefonnummern gewählt hat. Genau diese Telefone haben Friedel Vehrenkamp (68) und seine Vereinskollegen mitgebracht, um sie den Schülern zu zeigen. Und sie verdeutlichen wohl besser als jede technische Innovation, die bei „Technik verbindet“ vorgestellt wird, wie weit die Technik fortgeschritten ist. Denn die jüngste Generation wisse nicht mal mehr, was eine Wählscheibe ist, so Vehrenkamp: „Sie versuchen auf die Drei zu drücken und brechen sich dabei fast die Finger ab.“ Smartphones und künstliche Intelligenzen? Für die Schüler nichts Neues. Doch die alten Telefone erscheinen ihnen wie ein kleines Wunder. Schüler Joschua (13) sagt: „Ich bin froh, dass es heute Smartphones gibt. Das ist viel einfacher.“

Einfachheit scheint den Schülern wichtig beim Fortschritt zu sein. So hatte Amelie (14) die Idee, einen Roboter als Diener auszubilden. Oder als Bodyguard: „Er passt auf mich auf, wenn ich nachts schlafe“. Der Roboter am Stand der Hochschule Hannover macht zwar lieber Tai Chi – aber wer weiß, ob er bei der nächsten Messe schon Schüler beim Schlafen beschützen kann. Denn die Technik schläft schließlich nicht.

Eine Messe von Schülern für Schüler

Zum 18. Mal findet die Schülermesse „Technik verbindet“ statt. Dieses Jahr ist der Lichthof in der Leibniz Universität Hannover Veranstaltungsort. Am Donnerstag zählte die Leibniz Universität 500 Besucher, am Freitag werden etwa 1000 erwartet. Neben den 30 ausstellenden Schülergruppen kommen Schulklassen aus ganz Niedersachsen, um sich von den Projekten der Aussteller inspirieren zu lassen. Die Messe soll Schüler für Technik begeistern – indem sie selber Projekte erarbeiten und anderen Schülern vorstellen. Der Arbeitskreis „Lust auf Technik“, eine Kooperation zur Förderung des technischen Nachwuchses, organisiert die Messe mit Unterstützung der Landesschulbehörde und der Leibniz Universität. Start der Veranstaltung war am Donnerstag. Am Freitag findet sie noch bis 14 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos.

Von Josina Kelz