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Meine Stadt Wohnungsbau: Proteste „schneller als der Bauantrag“
Hannover Meine Stadt Wohnungsbau: Proteste „schneller als der Bauantrag“
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00:20 29.10.2018
Parlamentarischer Abend: Stadtbaurat Uwe Bodemann spricht vor Architekten und Vertretern der Politik.
Parlamentarischer Abend: Stadtbaurat Uwe Bodemann spricht vor Architekten und Vertretern der Politik. Quelle: Heusel
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Hannover

Zu langsam, zu ineffizient und zum Teil sogar willkürlich in ihren Entscheidungen: Es war keine gute Woche für Hannovers Bauverwaltung. Klagen gab es schon länger. Nun kam ein internes Gutachten an die Öffentlichkeit, das die Eindrücke von Kritikern bestätigte. Ein Treffen mit der Politik am Donnerstagabend nahm Stadtbaurat Uwe Bodemann zum Anlass, die Arbeit seiner Behörde in ein besseres Licht zu rücken.

Die Architektenkammer Niedersachsen hatte zum parlamentarischen Abend geladen. „Trotz aller Kritik“ sei es gelungen, allein von Januar bis Oktober 1800 neue Wohneinheiten in Hannover zu genehmigen. „So viele wie noch nie“, betonte Bodemann. Und doch noch lange nicht genug.

Mehr Wohnungen – trotz explodierender Baukosten

Der Stadtbaurat sieht eine zentrale Herausforderung darin, „auch für Haushalte mit niedrigen Einkommen zu bauen“ – und das bei „explodierenden Baukosten“. Damit das gelingt, wolle die Stadt im neuen Haushalt für die Jahre 2019 und 2020 die Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau erhöhen. Aber: „Allein werden Städte und Gemeinden das Problem nicht lösen“, warnte Bodemann und forderte noch mehr Unterstützung von Bund und Land.

Auch für Robert Marlow, den Präsidenten der Architektenkammer, ist die „Schaffung bezahlbaren Wohnraums das wichtigste Thema“. Er begrüßt das Bündnis, das das Land dafür ins Leben gerufen hat. Allerdings müsse schnell noch mehr gebaut werden, forderte Marlow. Dazu müssten mehr Flächen zur Verfügung gestellt werden. Aus Sicht des Kammerpräsidenten müssen die Kommunen dazu gar nicht immer verkaufen. Sie könnten Grundstücke auch per Erbpacht vergeben – und zwar an die Bauherren, die die besten Konzepte vorlegen.

Bauanträge: Kammer fordert verbindliche Fristen

Für „verbindliche Fristen“ bei der Bearbeitung von Bauanträgen setzte sich Marlow ein, damit es auch wirklich schneller geht. Allerdings dürften „nicht die Fehler der Nachkriegszeit und der 1970er Jahre“ wiederholt werden. Gerade in mittelgroßen Städten sei das schon zu sehen. Dort würden „Flächen einfach zugebaut“, kritisierte Marlow und plädierte dafür, verdichteter zu bauen – „auch, wenn Anwohner nicht immer begeistert sind“.

Ein Problem, das auch Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sieht. „Wohnbau wollen alle – nur nicht im eigenen Hinterhof“, erklärte er. Manchmal seien Bürgerproteste „schneller als der Bauantrag“. Dabei sei die Schaffung von bezahlbaren Wohnungen die „größte soziale Herausforderung“, so der Minister.

Ein Problem sieht er in zuviel Bürokratie. „16 Bundesländer haben 16 teilweise sehr unterschiedliche Bauordnungen. Ob das noch so bleiben muss, das bezweifele ich“, sagte Althusmann.

Von Christian Bohnenkamp