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Meine Stadt Darf ein Bauer 1,2 Millionen Hühner im Jahr töten?
Hannover Meine Stadt Darf ein Bauer 1,2 Millionen Hühner im Jahr töten?
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19:15 27.11.2019
VOR DER VERHANDLUNG: Etwa 50 Tierschützer haben sich vor dem Verwaltungsgericht in Hannover zu einem Protest gegen eine Hähnchenmastanlage in Elze (Wedemark) versammelt. Foto: Quelle: Warnecke
HANNOVER

Maria Groß verteilt im Hühnerkostüm Flugblätter vor dem Verwaltungsgericht Hannover. Mit rund 50 Bürgern demonstriert sie am Mittwoch gegen eine Hähnchen-Mastanlage in Elze (Wedemark). Maria Groß ist ein relativ „altes Huhn“. Im Gegensatz zu den Küken in der industrialisierten Tiermast, sagt Claudia Preuß-Überschär von der Bürgerinitiative Contra Industriehuhn Wedemark (CIW). Sie spricht von „Tierbabys“.

Anlass für den Protest ist eine Klage des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) gegen die Region Hannover. Es geht um die Erweiterung einer Mastanlage etwa 500 Meter vom Ortsrand entfernt. Ein Landwirt will seine Produktion von 78.000 auf 164.000 Tiere erweitern. Die Region hat den Bau von zwei weiteren Ställen genehmigt und den „sofortigen Vollzug“ angeordnet.

1,2 Millionen Küken sollen gemästet werden

Nach fast sechs Verhandlungen meint Verwaltungsrichter Andreas Kleine-Tebbe: „Gibt es noch etwas zu erörtern?“ Dieser Verhandlungsmarathon, in denen diverse Gutachten und Gegengutachten besprochen wurden, ging an die Substanz. Die Luft in dem Gerichtssaal ist zum Schneiden. Mit Sicherheit hätte es dafür keine immissionsschutzrechtliche Genehmigung gegeben.

Und genau darum ging es in der Verhandlung. Sind alle Auflagen hinsichtlich Boden-, Wasser- und Luftschutz eingehalten worden? Wie sieht es mit der Produktion von multiresistenten Keimen aus, die wegen des Antibiotika-Einsatzes in der Massentierhaltung entstehen? Am Abend teilte Gerichtssprecherin Nassim Eslami mit: „Die Kammer hat sich vertagt.“ Am 19. Dezember werde es eine Entscheidung geben.

Kammer vertagt Entscheidung

Einblick in einen Stall: Etwa 38.000 Hähnchen im Alter von knapp drei Wochen stehen in dieser Anlage in Bayern. Quelle: dpadpa

Für die Bürgerinitiative ist die Sache klar. „Von der Anlage geht Stickstoff in die Luft und Nitrat in den Boden“, sagt Christiane Hussels von der CIW. Viele Bürger fürchteten auch den zunehmenden Lkw-Verkehr, falls die Anlage mehr als doppelt so groß werde. Die Erweiterung des Betriebes bedeute, dass jährlich 1,2 Millionen Küken gemästet und geschlachtet werden.

Grüne: Massentierhaltung unzeitgemäß

Miriam Staudte, Grünen-Landtagsabgeordnete, sprach auch vor den Demonstranten. Sie bezeichnete die Massentierhaltung als unzeitgemäß angesichts des Klimawandels. „Bei den Treckerdemos streiten die Landwirte für mehr Wertschätzung, solche Mastanlagen tragen nicht zur Wertschätzung bei.“

Der Anwalt des Landwirts, Helmar Hentschke, meinte nach der Verhandlung: „Wir haben alle Auflagen eingehalten.“ Das sieht auch die Region als zuständige Behörde so. Regionssprecher Klaus Abelmann: „Wir haben in Barsinghausen noch eine große Anlage. Ansonsten gibt es nicht viele solcher Hühner-Mastanlagen in der Region.“

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Von Thomas Nagel

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