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Meine Stadt Umdenken in der Geflügelzucht: Hat das Zweinutzungshuhn eine Chance?
Hannover Meine Stadt Umdenken in der Geflügelzucht: Hat das Zweinutzungshuhn eine Chance?
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18:56 25.03.2019
Eine Chance für das Zweinutzungshuhn: Mit einer besonderen Zuchtlinie könnte das Töten von männlichen Küken vermieden werden. Quelle: TiHo Hannover
Hannover

Wie lassen sich in der Geflügelhaltung das Wohl der Tiere und die Interessen der Wirtschaft besser in Einklang bringen? Um diese Frage zu beantworten, präsentierte die Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover am Montag in Ruthe (Sahrstedt) zwar nicht das Ei des Kolumbus. Ihr Forschungprojekt „Integhof“, das auf ein sogenanntes Zweinutzungshuhn zur Ei- und Fleischgewinnung setzt, konnte aber mit vielversprechenden Ergebnissen aufwarten. Nun muss nur noch die Wirtschaft und letztlich vor allem der Verbraucher mitspielen.

Dreieinhalb Jahre untersuchten Forscher der TiHo auf dem Lehrgut in Ruthe ihr neues Konzept, bei dem das Töten männlicher Küken, wie es in reinen Legehenne-Zuchtlinien üblich ist, vermieden werden kann. Statt für die Ei- und Fleischgewinnung jeweils spezialisierte Hühnerlinien zu verwenden, züchtete das Team ein Zweinutzungshuhn (Linie „Lohmann Dual“). Hennen für die Eier, Hähne für das Fleisch – ein Huhn für alles, kein überflüssiges Geschlecht, soweit die Theorie. Die öffentliche Meinung, die die Haltung von Tieren in Massenhaltungen zunehmend kritischer hinterfragt, könnte dem Projekt durchaus in die Karten spielen. Schließlich sollte die Studie auch belegen, dass das Zweinutzungshuhn glücklicher ist als andere Artgenossen. „Dieses ganzheitliche Konzept zielt darauf ab, das Tierwohl zu verbessern, indem es Stress für die Tiere reduziert und die Leistung entschleunigt wird“, erläuterte Silke Rautenstein, Leiterin der Klinik für Geflügel der TiHo und Sprecherin des Integhof-Projektes.

Leben der Hähne wird übers Ei subventioniert

Weniger Leistung heißt letztlich aber auch weniger Ertrag. So legten die Zweinutzungshennen im Jahr durchschnittlich 250 Eier, rund 50 weniger als konventionelle Hennen. Zudem kam ein nicht unwesentlicher Anteil der Eier nicht über die Größe S hinaus – zu klein für viele Verbraucher, wie Wiebke Icken von der Lohmann Tierzucht GmbH verdeutlichte. Auch bei den Hähnen müsste man in der Vermarktung Abstriche machen. Sie wachsen langsamer und müssen entsprechend länger gemästet werden. Während konventionelle Mastlinien schon nach circa 35 Tagen mit rund zwei Kilogramm geschlachtet werden können, müssen die Zweinutzungshähne doppelt so lange gehalten werden, bis sie das identische Schlachtgewicht auf die Waage bringen. Auch die Beschaffenheit des Fleisches ist anders. „Die geringere Mastleistung muss über das Ei subventioniert werden“, rechnete Rautenstein vor. 2 bis 4 Cent pro Ei müsste es dem Verbraucher Wert sein, dass männliche Küken nicht getötet werden.

Zweinutzungshühner sind glücklicher

Sind Zweinutzungstiere glücklicher als ihre Artgenossen? Laut Studie waren beide Geschlechter deutlich ruhiger im Umgang als die Vergleichstiere. Auch das bis zur Schlachtung nahezu intakte Gefieder, sei laut der Wissenschaftler ein klarer Indikator dafür, dass ihr Geflügel im Vergleich zu den Hochleistungs-Artgenossen unter weniger Stress leidet. Die Sterberate war zudem niedriger und bei einer experimentellen Infektion mit dem bei Hühnern verbreiteten Gumborovirus zeigten sie weniger klinische Symptome.

Das Tierwohl auf der einen Seite, wirtschaftliche Interessen der Züchter und die Akzeptanz der Verbraucher auf der anderen – „es ist schon ein Kompromiss“, weiß Rautenstein. Am Ende gehe es darum, den Brückenschlag zur Wirtschaft zu schaffen. Beim Verbraucher hat man jedenfalls schon erste Erfolge gefeiert. Als Martktest kam 2016 in allen Mensen Hannovers der Zweinutzungshahn als Brathähnchen und als Frikassee auf den Teller. Begleitend wurden Fragebögen an die Gäste ausgegeben und ausgewertet. „Die Reaktionen waren sehr positi. Das hat man auch am Zuspruch unserer Gäste gesehen“, bestätigte Miriam Riemann, Sprecherin des Studentenwerks. Für weitere Aktionen wäre man jederzeit offen. Ein Anfang ist also gemacht.

Von André Pichiri

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