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Maschseefest 2019 Hannover: Diese Gastroprofis sind auf Expansionskurs
Hannover Meine Stadt Maschseefest 2019 Hannover: Diese Gastroprofis sind auf Expansionskurs
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14:25 19.05.2019
Im Herbst geht es Los: Benjamin Busmann (links) und Ferdi Simsek vor ihrem dritten „Lindenblatt“-Laden. Quelle: Christian Behrens
Hannover

„Im Moment bauen wir für euch ein neues Zuhause. Im Frühjahr 2019 wird es heiß!“ Diesen Text, der prominent an der Gebäudefassade prangt, liest man seit Anfang des Jahres, wenn man die Knochenhauerstraße herunterspaziert. Tatsächlich müssen sich alle Lindenblatt-Freunde noch etwas gedulden: „Wir planen, am 1. September in der Altstadt zu eröffnen“, sagt Geschäftsführer und Küchenchef Benjamin Busmann (29). Das Haus hatte kürzlich einen neuen Besitzer bekommen, das ehemalige Café „Glücksmoment“ musste von Halb- auf Vollkonzession umgestellt und vollständig entkernt, außerdem die Versorgung durch Enercity neu geregelt werden.

Ab September wird es dann heiß, buchstäblich. „Lindenblatt 800 °“ nennen Busmann und der Restaurant-Inhaber Ferdi Simsek (38) ihr neues Lokal, das sie mit einem amerikanischen Southbend-Grill ausstatten. Der grillt Steaks bei den namensgebenden 800 Grad – zum Vergleich: ein normaler Grill schafft Temperaturen bis maximal 300 Grad. „Wir orientieren uns an der Steakkultur aus Chicago und New York“, sagt Busmann, „unsere Steaks werden auf dem Southbend-Grill außen ganz knusprig und innen extrem saftig. dafür braucht man sehr, sehr gutes Fleisch.“

Das besorgen die Gastronomen mit allerhand Aufwand. Hackfleisch für die Burger kommt von der Fleischerei Handke aus Letter, Dry-Aged-Fleisch von Dirk Ludwig aus Fulda, andere Fleischsorten für ihre Steaks ordern sie gar von der australischen Jacks Creek Farm, wo die Tiere Auslauf auf Riesenweiden und Zeit zum Wachsen haben. „Wir wollen auch ungewöhnliche Stücke des Tieres anbieten, die man hierzulande kaum kennt“, sagt der Küchenchef. Einer dieser besonderen „Cuts“, wie Profis die verschiedenen Teile nennen, ist etwa das Kalbsnierenzapfenstück. Ganz neue Geschmackserlebnisse verspricht Benjamin Busmann: „Unsere Gäste sollen schmecken können, ob ein Tier mit Mais gefüttert wurde oder vor allem Gras gefressen hat.“ Steakportionen wird es ab etwa 18 Euro geben, aber für Luxus-Fleischsorten wie Kobe oder Wagyu können auch an die 100 Euro fällig werden.

Mit 200 Quadratmetern, 80 Innen- und 40 Außenplätzen wird das „Lindenblatt 800°“ das größte Restaurant des Duos. Im ersten „Lindenblatt“ an der Limmerstraße und in der „Lindenblatt Burger-Bar“ an der Nikolaistraße finden jeweils 65 Gäste Platz. In allen drei Lokalen steht die Fleischeslust im Mittelpunkt, „aber in der Altstadt wollen wir unser Profil noch weiter schärfen“, so Busmann. Auch, indem sich der 29-Jährige, der im Bremer Restaurant Gottlieb von Starköchin Sarah Wiener (56) gelernt hat, an der Knochenhauerstraße eine eigene Dry-Age-Kammer gönnt. Sichtbar für die Gäste wird in der zwei mal zwei Meter großen Kammer Qualitätsfleisch reifen – bis zu sechs Wochen lang.

Auch ein vegetarisches Gericht soll auf den monatlich wechselnden Karten auftauchen, außerdem vier bis fünf Vorspeisen, Fischgerichte, Geflügel, Beilagen wie Süßkartoffel mit Soja-Kräuter-Dip oder glasierte Bundmöhren und eine Patisserie-Auswahl für den süßen Abschluss. Zudem planen Busmann und Simsek Gin- und Weinverkostungen.

Ist das „Lindenblatt 800°“ ihr finales Projekt? „Wer weiß“, sagt Ferdi Simsek mit einem mehrdeutigen Grinsen, „vielleicht gibt’s ja auch noch einen Tapas- oder Weinbar. Wie es sich ergibt“. In Hannover sei viel möglich, finden beide Gastronomen. „Es ist erstaunlich, wie sich die inhabergeführte Gastronomie in dieser Stadt entwickelt hat.“

Duke: Die Burger-Meister wollen auch in die Südstadt

Alles begann im Januar 2016. Die Eröffnung der „Duke“-Burgerbar an der Langen Laube 16 war die Grundsteinlegung für das kleine Imperium, das sich Felix Förster (27) und Hakam Shanan (33) inzwischen aufgebaut haben. Ende des gleichen Jahres entstand der Ableger an der Limmerstraße, nach einer kurzen Atempause folgten 2018 das Lokal in der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade (April) und nach umfangreichen Umbauarbeiten die „Duke BBQ Bar“ am Weißekreuzplatz im ehemaligen Nobelrestaurant Clichy.

Vor der aktuellen Baustelle: Felix Förster stellt die Küche in der Asternstraße auf Burger um. Quelle: Nancy Heusel

Doch diese vier „Herzstücke“, wie Felix Förster die Burger-Restaurants nennt, sind nicht die einzigen Bezugsquellen für Fans der beliebten Burger. Seit März 2018 beliefern die „Duke“-Männer auch die Altstadt-Kneipe „Schateke“ mit ihren Zutaten und Rezepten. Und auch die beiden Irish Pubs „Wild Geese“ stehen unter Försters und Shanans Führung. Ende 2018 übernahm das Duo den Pub am Raschplatz und stellte die Küche auf Burger um, das gleiche passiert derzeit mit dem Irish Pub an der Asternstraße 15. „Wir renovieren die Räume aufwendig im Vintage-Stil und werden in den nächsten Wochen eröffnen“, kündigt Förster an.

Und dann wird sich eventuell auch wieder Zeit finden, um Arbeit in das zweite Lokal an der Langen Laube zu stecken. Direkt neben dem Premieren-Duke tüfteln Förster und Co. seit geraumer Zeit am „Duke’s Poke Bowl“, einem Lokal, das sich auf die angesagten Bowls spezialisiert, die man sich in diesem Fall aber selbst zusammenstellt. „Das funktioniert quasi wie in einer Salatbar“, sagt Felix Förster, „man kann sich aus ungefähr 30 Zutaten eigene Kompositionen basteln.“ Etwa sechs Bowls wird er als Vorschläge anbieten, der Rest ist variabel.

Und auch, wenn dieser Laden läuft, legen die Gastronomen keine Pause ein. Im Laufe des Jahres polen sie zwei weitere „Wild-Geese“-Pubs um – die in Braunschweig und in Hildesheim.

Übernehmen sich die Burger-Meister nicht ein bisschen? „Es steckt wahnsinnig viel Arbeit drin“, sagt Förster, der auch mal 14 Stunden pro Tag im Dienst ist, „aber so ist das, wenn man expandiert.“ Saubere Arbeit in jeder Hinsicht – so erklärt er sich den „Duke“-Erfolg. Und davon soll in absehbarer Zeit auch die Südstadt profitieren: „Der Stadtteil ist in Planung, ein Objekt in Aussicht“, bestätigt Förster.

Francesca & Fratelli: Die Pizza-Perfektionisten backen jetzt in der List

Es ist die siebte Eröffnung in fünf Jahren: Es gibt nicht mehr viele Stadtteile, in denen man keine Pizza von „Francesca & Fratelli“ essen kann. Just eröffneten Francesca Pagano (37) und ihr Mann Kadir Elveren (42) ein weiteres Restaurant an der Sedanstraße 39. „Wir wollten schon immer in die List“, sagt Pagano – nun sind sie da. Der Vorgänger an der Adresse, der Italiener „Osteria Lucca“, will sich in Kirchrode vergrößern, die Gelegenheit war günstig.

Im neuen Lokal: Francesca Pagano ist gerne Gastgeberin. Sie und ihr Mann bieten nun alles in allem 550 Sitzplätze in Hannover an. Quelle: Frank Wilde

2014 begann die „Francesca & Fratelli“-Erfolgsgeschichte an der Limmerstraße. 2015 eröffnete das Paar die zweite Filiale an der Seilwinderstraße. 2016 folgten drei Lokale: die Weinbar gegenüber der Limmerstraßen-„Keimzelle“, das „F & F“ am Engelbosteler Damm und das mit 250 Plätzen größte Restaurant an der Calenberger Esplanade. Im Oktober nahm die Pizzeria an der Ständehausstraße den Betrieb auf. Sollte der Laden an der Sedanstraße etwa der letzte sein? „Ich sage immer, jetzt reicht es“, erzählt die 37-Jährige und lacht, „aber mein Mann sieht das meistens anders.“

Mit der Filiale an der Sedanstraße bietet die Familie Elveren-Pagano nun gut 550 Sitzplätze in Hannover an, beschäftigt rund 70 Mitarbeiter. „Wir haben ein klares Konzept“, erklärt Francesca Pagano den immensen Erfolg. „Unsere Qualität ist konstant, bei uns geht es locker und familienfreundlich zu und wir ändern nicht dauernd die Karte oder die Einrichtung – unsere Gäste wissen, was sie bei uns bekommen.“ Überall gibt es durchgehend warme Küche von 11.30 bis 22 Uhr (an der Limmer- und Sedanstraße auch sonn- und feiertags), die Karte ist nicht verwirrend riesig, die Preise sind moderat. Die großen dünnen Pizzen können sogar zuhause gebacken werden: Seit 2018 gibt es den originalen Pizzateig von „Francesca & Fratelli“ in Edeka-Filialen zu kaufen.

Im Sommer werden Pagano und Elveren sogar noch prominenter werden. „Wir sind zum ersten Mal beim Maschseefest dabei“, sagt die Gastronomin. Ihr Foodtruck im Bereich der Löwenbastion wird nicht zu übersehen sein: Er ist 12,5 Meter lang und 2,5 Meter breit. Francesca Pagano und Kadir Elveren haben sieben Lokale, drei Kinder (16, 14, 6) – und mit Sicherheit noch viel vor.

Von Julia Braun