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Meine Stadt Kritik aus der Politik nach Silvester-Frust
Hannover Meine Stadt Kritik aus der Politik nach Silvester-Frust
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18:25 02.01.2019
Kein Reinkommen: Nur 900 Besucher durften Silvester in die Markthalle. Das hatte die Stadt so vorgeschrieben. Quelle: Kutter
Hannover

Lange Schlangen draußen, drinnen zum Teil leere Gänge: Nur 900 Menschen durften auf Anordnung der Stadt Silvester in die Markthalle. Das sorgte für viel Frust – und Kritik von Händlern und der Politik. „Ich glaube die Stadt hat es etwas übertrieben“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Seidel.

Er versteht nicht, „dass das Silvester plötzlich eine Veranstaltungshalle mit anderen Regeln sein soll, während es den Rest des Jahres eine Verkaufsstätte ist und offenbar auch funktioniert“. Was sich Silvester abgespielt habe, könne „nicht Sinn und Zweck“ einer solchen Anordnung sein, kritisiert Seidel.

„Eine Obergrenze muss immer gelten – und nicht nur an einem Tag“, sagt Grünen-Fraktionschefin Freya Markowis. Warum diese ausgerechnet bei 900 liege, „das muss man mir erklären“. Es sei „nicht verständlich“, warum an Silvester so ein Unterschied gemacht werde im Vergleich zum Rest des Jahres.

Lange Schlangen: Manche warteten zwei Stunden auf Einlass. Andere gaben gleich auf. Quelle: Katrin Kutter

Jens Menge, ordnungspolitischer Sprecher der SPD, hält es „für nachvollziehbar, dass es eine Begrenzung gibt“. Ob allerdings 900 die richtige Zahl sei, „wird sich zeigen“. Menge fordert sowohl Stadt als auch Betreiber auf, „guten Willen zur Zusammenarbeit zu zeigen“. Er wünscht sich ein Konzept, das sowohl Einkäufe als auch Feiern an Silvester möglich mache.

Die Stadt habe „ein bisschen über die Strenge geschlagen“, ärgert sich FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Vor allem über die 900 erlaubten Besucher solle sie „beim nächsten Mal nochmal nachdenken“.

„Nicht gut für den Ruf der Markthalle

Angelo Masala, der seit 40 Jahren italienische Feinkost in der Markthalle anbietet, hat noch nie „so einen schlechten Tag wie Silvester 2018“ erlebt. Zwei große Kisten bestellter Waren habe er wegwerfen müssen, weil Kunden nicht reindurften, um sie abzuholen.

„Silvester ist mit Weihnachten der wichtigste Tag“, berichtet ein anderer Händler. „Diese Aktion war nicht gut für den Ruf der Markthalle. Wir haben heute erst richtig mitbekommen, wie stinksauer die Menschen sind. Die sagen teilweise, sie wollen nie wieder in die Markthalle“, erzählt er.

Eine Händlerin ärgert sich, dass die Betreiber der Stände die Klappe gehalten hätten, „anstatt uns zusammen gegen die Entscheidung stark zu machen“. Sie schlägt allerdings auch vor, „lieber in eine bessere Sicherheit zu investieren“ und die Kosten auf die Händler zu verteilen – „damit mehr Leute reinkönnen“.

Investieren in die Sicherheit

Auch FDP-Mann Engelke fordert den Betreiber auf, „mehr für die Sicherheit zu tun“. Dann könnten auch mehr Besucher in der Markthalle feiern. Ohnehin sei es notwendig, diese „mal ein bisschen aufzupeppen“.

Das sieht auch die CDU so. Fraktionschef Seidel fordert einen umfassenden Umbau oder sogar Neubau. „Das, was Silvester passiert ist, ist sicher nicht das größte Problem der Markthalle“, glaubt Seidel. Diese benötige erhebliche Investitionen, um wieder „ein attraktiver Einkaufs- und Erlebnisort zu werden“.

Aus Sicht von Markthallen-Verwalter Gerhard Schacht, ist es „dummes Zeug“, dass das Gebäude nicht sicher genug sei. „Die Sicherheitsanforderungen werden weit übererfüllt“, sagt er. Schacht will sich nun mit den acht Gesellschaftern zusammensetzen, um zu besprechen, wie es weitergehen soll.

Laut Stadt waren dem Betreiber die Auflagen für den Silvestertag „seit langem bekannt“. Dieser habe „ausreichend Zeit“ gehabt, sich darauf vorzubereiten, sagt Sprecherin Konstanze Kalmus.

Die Zahl der Personen, die bei einer Veranstaltung in die Markthalle dürften, bemesse sich „an der Gesamtbreite der in Fluchtrichtung nutzbaren Fluchtwege. Die ist gesetzlich genau vorgeschrieben“, erklärt Kalmus.

Nicht viel los: Diesmal blieben an Silvester sogar Tische leer in der Markthalle.. Quelle: Katrin Kutter

Abweichungen davon seien möglich. Allerdings müsse dafür ein Konzept vorgelegt werden, das organisatorische Maßnahmen enthalte. Darauf sei der Betreiber mehrfach hingewiesen worden. „Zu unserem Bedauern wurde ein solches Konzept bisher nicht vorgelegt“, so Kalmus.

Verwalter Schacht hingegen sagt: „Wir haben ein Konzept vorgelegt – und es auch genau so umgesetzt“.

Hier finden Sie die Bilder von Silvester

Von Christian Bohnenkamp und Josina Kelz

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